Probleme bei Dreieichbahn

Es steht ein Zug im Nirgendwo

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Dreieichbahn

Dreieich – An die drei Stunden mussten 15 Fahrgäste gestern früh in einem Zug auf der Strecke der Dreieichbahn ausharren. Der Triebwagen hatte zwischen Urberach und Offenthal den Geist aufgegeben. Von Frank Mahn 

Neues Jahr, altes Leid: Die Probleme der Dreieichbahn reißen nicht ab. Gestern Morgen gegen 5.10 Uhr kam ein Zug zwischen Urberach und Offenthal zum Stehen. Grund war ein technischer Defekt. Die Passagiere mussten jede Menge Geduld aufbringen, bis es endlich weiterging. Nicht nur sie kamen zu spät zur Arbeit, viele vergeblich wartende Fahrgäste mussten am Morgen auf Busse umsteigen oder sich anders behelfen. Bis kurz nach acht fuhren die Züge von Dieburg Richtung Frankfurt nur bis Urberach, die aus der Mainmetropole kommenden stoppten in Buchschlag. Im Bahnjargon nennt sich das „vorzeitige Wende“.

Der Notfallmanager der Bahn habe sich gegen eine Evakuierung des Pannenzugs entschieden, sagt DB-Sprecher Thomas Bischoff. „Der Zug stand auf freier Strecke und ohne Bahnsteig ist der Höhenunterschied ziemlich groß.“ Für solche Fälle seien zwar Leitern an Bord, aber weil es regnete und windig war, habe der Notfallmanager diese Alternative aus Sicherheitsgründen verworfen. Zudem könne man die Leute nicht irgendwo im Feld rauslassen. Ein Halt müsse in der Nähe sein. „Da ist es schon besser, wenn die Passagiere im Trockenen und Warmen sitzen“, meint Bischoff. Sie seien zudem betreut worden.

Während der mehrstündigen Reparatur saßen die Fahrgäste folglich fest. Immerhin: Licht und Heizung waren laut Bischoff von dem Defekt nicht betroffen. Auch die Toilette habe funktioniert. „Wir können für die Unannehmlichkeiten nur um Entschuldigung und Verständnis bitten.“ Nachdem die Panne behoben war, schaffte es der Zug bis zum Bahnhof in Buchschlag.

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Ein treuer Kunde der Dreieichbahn ist Norbert Ripke. Er wartete gegen Viertel vor sieben am Sprendlinger Bahnhof, um zu seinem Arbeitsplatz in Frankfurt zu fahren. Er hätte lange warten können, denn der Verkehr auf der Strecke normalisierte sich erst wieder nach acht. „Ich bin nach Hause gegangen und habe meine Frau gefragt, ob sie das Auto heute braucht“, schildert Ripke, der seit 43 Jahren mit der Bahn unterwegs ist. „Die Verbindung ist gut, wenn sie funktioniert.“ Tut sie halt nicht immer. Mit Grausen denkt der Sprendlinger an den vergangenen Sommer, als Züge reihenweise ausfielen oder Verspätung hatten. In den Waggons sei es teilweise so eng gewesen, „dass man nicht umfallen konnte“, übt sich der Pendler in Galgenhumor. On top streikten häufig die Klimaanlagen – und das bei tropischen Temperaturen.

„Schrott auf Schienen“ nennt Ripke den Fuhrpark. Nicht nur er hofft, dass die Bahn endlich die längst überfälligen neuen Triebwagen des polnischen Herstellers PESA auf die Strecke bringt. Im August hatte Bahnsprecher Bischoff die Hoffnung geäußert, dass dies noch 2018 der Fall sein werde. War wohl nix. Zwar hätten die Fahrzeuge mittlerweile die Zulassung des Eisenbahn-Bundesamtes und die ersten seien auch in Frankfurt eingetroffen. Aber nun müssten sie noch nach internen Sicherheitsbestimmungen der Bahn überprüft und abgenommen werden. Eine Prognose, wie lange es bis zur Freigabe dauert, wollte Bischoff nicht wagen.

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