Projekt Erzählkarawane

Mit einem Kamel auf Lesereise

Die Zehntklässlerinnen Lena Wagner (15) und Caroline Schneider (16) spielen mit dem Gedanken, sich als Vorlesepatinnen zu engagieren. Dabei kooperiert die Strothoff School mit Paula Kuhn (rechts) vom Verein Lecture Offenbach.

Dreieich - Vorlesen öffnet Kindern das Tor zu anderen Welten, weckt die Liebe zum Buch und fördert die Motivation am Lesen lernen. Und vielleicht hat jemand das Talent, ein außergewöhnlicher Vorleser zu werden. Von Lara Sturm

Vorlesen öffnet Kindern das Tor zu anderen Welten, weckt die Liebe zum Buch und fördert die Motivation am Lesen lernen. Und vielleicht hat jemand das Talent, ein außergewöhnlicher Vorleser zu werden. So einer wie Mortimer Folchart aus Cornelia Funkes „Tintenherz“.

Er besitzt die Gabe, Gegenstände und Lebewesen aus Geschichten herauszulesen. Paula Kuhn, Initiatorin von Lecture Offenbach und Referentin der Stiftung Lesen, sucht solche Mortimers. Zum Beispiel an der Strothoff International School in Dreieich. Der Verein Lecture Offenbach ist eine Ausbildungsstätte der deutschlandweiten Stiftung Lesen, die Paten ausbildet. Denn: Richtiges Vorlesen will gelernt sein: „Ganz wichtig ist es, auf die Kinder einzugehen“, sagt Kuhn. Leidenschaftliche Leser machten oft den Fehler, zu umfangreiche Bücher herauszusuchen.

Aber zu einer gelungenen Vorlesestunde gehören auch gute Zuhörer. Und das ist gar nicht so leicht. Man müsste zuhören können wie Michael Endes „Momo“. Denn sie kann so zuhören, dass Unentschlossene plötzlich wissen, was sie wollen, Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlen und Unglückliche plötzlich froh werden. Aber Momos Art des Zuhörens ist eben einmalig. „Die Kinder heute haben immer größere Probleme mit dem Konzentrieren“, berichtet Kuhn. Also doch kein „Tintenherz“ und keine „Momo“, lieber die Geschichte von der „Raupe Nimmersatt“.

Das Kamel darf nicht fehlen

Außer Ausbildungen und Leseempfehlungen besticht Lecture Offenbach vor allem mit dem hessenweiten Projekt der Lese- und Erzählkarawane. Mit dieser zieht der Verein in Kitas und auf Straßenfeste, um auch bildungsferne Milieus zu erreichen. Und bei einer richtigen Karawane darf eins natürlich nicht fehlen: ein Kamel. Und so lauscht das lebensgroße Stoffkamel Soraya, wenn unter dem Zelt kleinen Zuhörern Geschichten vorgelesen und deren Eltern beraten werden. Es hört genau hin, wenn sich die Kinder auf denBerberkissen niederlassen und Seite um Seite umblättern oder auch ganz gebannt dem Lesepaten lauschen. Die Kulisse versprüht einen unwiderstehlichen Charme: „Viele fragen uns erst einmal: Was verkauft ihr hier eigentlich – Reisen oder Bücher?“, erzählt Paula Kuhn lachend.

An der Lese- & Erzählkarawane möchte sich nun auch die Strothoff International School beteiligen. So tritt der Verein Lecture in seiner Funktion als Bildungspartner der Schule zum ersten Mal aktiv in Aktion. Im Rahmen einer „Book Week“ möchte man engagierten Schülern und Eltern die Möglichkeit bieten, an einem Seminar von Kuhn teilzunehmen und anschließend in einer Kindertagesstätte vorzulesen.

Zwei engagierte Schülerinnen

„Bei unserer Book Week steht das Buch eine Woche lang im Fokus aller Schüler“, erzählt Stefan Söhngen von der Strothoff International School. „Lesen ist die wichtigste Grundlage für erfolgreiches Lernen und der Schlüssel für die individuellen Chancen im Leben. Deshalb fördern wir an unserer Schule nicht nur den Umgang mit Technik. Bücher sind mindestens genauso wichtig.“

Auch in der Planungsphase des Projekts sind zwei engagierte Schülerinnen von Anfang an mit dabei. Lena Wagner und Caroline Schneider nahmen an Kuhns Auditorium teil und ließen sich erklären, wie Vorlese-Engagement überhaupt funktioniert. Die Zehntklässlerinnen können sich gut vorstellen, sich als Lesepaten zu engagieren. „Ich habe keine kleinen Geschwister, also wäre das eine neue Erfahrung für mich“, erzählt Caroline (16). Sie selbst sind beide mit dem täglichen Ritual des Vorlesens groß geworden. „Meine Lieblingsgeschichten waren ja die vom kleinen Rabe Socke“, sagt die 15-jährige Lena lachend.

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