Kommunen kritisieren Planung

Zukunft der RTW nicht verbauen

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Gipfeltreffen am Buchschlager Bahnhof: Die Bürgermeister und Ersten Stadträte (von links) Jörg Rotter (Rödermark), Carsten Helfmann (Eppertshausen), Martin Burlon (Dreieich), Roland Kern (Rödermark), Frank Haus (Dieburg) und Gerald Frank (Münster) untermauern mit diesem Plan ihre Argumente für einen Mittelbahnsteig der RTW.

Dreieich - So ein Spitzentreffen hat es bislang noch nicht gegeben. Gestern Mittag kamen Bürgermeister und Erste Stadträte der Anrainerkommunen der Dreieichbahn am Bahnhof Buchschlag zusammen, um gegen die aktuelle Planung für die Regionaltangente West (RTW) zu protestieren. Sie treten für eine attraktive Umsteigemöglichkeit zwischen den beiden Linien ein. Von Holger Klemm

„Ein Prellbock darf die Zukunft nicht verbauen.“ Mit diesem Satz spricht Rödermarks Bürgermeister Roland Kern seinen Kollegen aus dem Herzen. Die Zusammenkunft von ihm, den Ersten Stadträten Martin Burlon (Dreieich) und Jörg Rotter (Rödermark) sowie den Bürgermeistern Frank Haus (Dieburg), Gerald Frank (Münster) und Carsten Helfmann (Eppertshausen) stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie sehr ihnen das Thema unter den Nägeln brennt. 

Stein des Anstoßes ist der von der RTW-Planungsgesellschaft vorgesehene Außenbahnsteig als Endhaltepunkt des neuen Verkehrsinfrastrukturprojekts am Bahnhof Buchschlag mit dem oben genannten Prellbock. Damit verbunden wären aber längere Wege zum Umsteigen auf die Dreieichbahn zum Teil durch den Wald. Der Aspekt der Barrierefreiheit werde vernachlässigt. „Das ist nicht zeitgemäß und absolut nicht nutzerfreundlich“, kritisiert Burlon die langen Wegstrecken. Zudem werde dadurch die mittelfristige Option einer Durchbindung der RTW bis nach Dieburg sowie eines möglichen Ringschlusses nach Darmstadt blockiert. Der Außenbahnsteig sei unattraktiv und werde den Parkdruck an den Bahnhöfen in Buchschlag und Rödermark weiter steigen lassen.

Die Vertreter der Anrainerkommunen der Dreieichbahn treten für den ursprünglich in den Planungen enthaltenen Mittelbahnsteig ein, der allein die Zukunftsfähigkeit der RTW garantieren könne. Dieser sorge für ein schnelles und bequemes Umsteigen auf die Dreieichbahn und locke so mehr Pendler von der Straße auf die Schiene. Zudem werde dadurch auf lange Sicht eine Durchbindung der RTW ermöglicht. Diese Variante sei zwar mit knapp sechs Millionen um 3,7 Millionen Euro teurer als der Außenbahnsteig. Auf Dauer werde sich das aber rechnen, sind sich die Bürgermeister und Ersten Stadträte einig.

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„Der Mittelbahnsteig ist ein Muss für eine spätere Anbindungsmöglichkeit der Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg“, betont der Eppertshausener Bürgermeister Helfmann. „Der konsequente Ausbau des Anschlusses von Buchschlag bis nach Dieburg erhält nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, sondern trägt auch zur Attraktivität von Arbeitsplätzen rund um das Ballungszentrum Frankfurt bei“, meint der Dieburger Verwaltungschef Haus. „Wir befinden uns mitten in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main. Das ungebrochene Bevölkerungswachstum führt zum Anwachsen der Verkehrsströme“, unterstreicht der Münsterer Bürgermeister Frank. Man müsse weg vom Auto-Pendlerverkehr zu einem optimierten ÖPNV mit einem besseren Anschluss des Südens von Dieburg nach Frankfurt. Da seien zukunftsträchtige Lösungen von RTW, Dreieichbahn und der S-Bahnlinie 1 über die Endstation Ober-Roden hinaus gefragt.

Kleine Elektroautos für die Stadt

Diesen Faden greift Burlon auf: „Gerade weil in einer Wachstumsregion wie der unseren die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur bereits erreicht sind, muss ein solches Projekt wie die RTW nachhaltig zum Ausbau und der Vernetzung des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs beitragen.“

Wenig Verständnis haben die Teilnehmer des Treffens für den Langener Wunsch, die RTW bis dorthin auszubauen. Langen sei durch die S-Bahnen und Regionalbahnen sehr gut angebunden. Eine weitere Optimierung in der Dreieicher Nachbarstadt würde zulasten der Kommunen im Südosten gehen, die abgehängt würden. Eine Durchbindung bis Dieburg sei dann nicht mehr möglich. Die Teilnehmer des Treffens wollen in den nächsten Wochen weitere Initiativen starten, um die Weichen für eine zukunftsfähige RTW auch im Süden der Trasse zu stellen.

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