Reue und Geständnis mildern Strafmaß

Prozess: Dreieicher Student wegen sexueller Nötigung verurteilt

Zwei junge Frauen zögerten nicht lange, dem Angeklagten freizügige Fotos zu schicken – was sich als zu vertrauensselig herausstellte. (Symbolbild)
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Zwei junge Frauen zögerten nicht lange, dem Angeklagten freizügige Fotos zu schicken – was sich als zu vertrauensselig herausstellte. (Symbolbild)

Weil er Frauen dazu zwingen wollte, ihm pornografische Bilder und Videos zu schicken, muss sich ein Dreieicher vor dem Amtsgericht verantworten. Dazu werden ihm weitere Betrugsfälle vorgeworfen.

Dreieich – Nahezu unendliche Möglichkeiten bietet das Internet, wenn es um Schwindeleien und andere Bosheiten geht. Gleich vier Strafanzeigen erhielt ein 24-jähriger Sprendlinger, der von September 2019 bis Mai 2020 über einen Dating-Chat unerlaubte Handlungen ausübte. Richter Volker Horn verurteilte ihn vor dem Amtsgericht Langen wegen zweifacher versuchter sexueller Nötigung, Betrugs und gewerbsmäßigen Betrugs zu elf Monaten Haft auf Bewährung.

Darüber hinaus muss der Informatikstudent neben den Prozesskosten 500 Euro an den Verein Frauen helfen Frauen Offenbach und die ergaunerten 940 Euro zurückzahlen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

„Ein Anwalt ist mir zu teuer“, erklärt der junge Mann seinen Solo-Auftritt vor Gericht. Und im Übrigen wolle er zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Nina Steinmetz nichts sagen, außer: „Es stimmt alles.“ Der junge Mann versucht gar nicht erst, irgendetwas schön zu reden oder zu rechtfertigen.

Alle Kontaktaufnahmen finden über eine Dating-App statt. Zwei 20-jährige Frauen finden sofort Gefallen an dem attraktiven Studenten und zögern nicht lange, freizügige Fotos zu posten – auf denen auch ihr Gesicht erkennbar ist. Was sich nach der kurzen Kennenlernphase eindeutig als zu vertrauensselig herausstellt: Der Angeklagte will mehr, verlangt Bilder und Videos mit pornografischen Aspekten. Wenn da nichts käme, wolle er die bereits erhaltenen Darstellungen an Familie, Freunde und den Arbeitgeber schicken, von einer der beiden fordert er zusätzlich 500 Euro. Die beiden jungen Frauen lassen sich jedoch nicht einschüchtern. Sie erstatten Strafanzeigen.

„Ich bin nicht schwul, hab’ nur ein rein finanzielles Interesse gehabt“, sagt der Student zu den Betrugsfällen mit zwei männlichen Chatpartnern mittleren Alters. Dem ersten bietet er eine Stunde Sex für 100 Euro. Der „Kunde“ überweist 97,16 Euro per Bezahldienst, den Rest über 2,84 Euro soll es beim Treffen geben. Was aber nicht stattfindet, der Angeklagte bricht nach Erhalt des Geldes den Kontakt ab. Den vierten Geschädigten lernt er über ein Kontaktportal für homosexuelle Männer kennen. Hier erfindet der Sprendlinger eine „Finanznot-Geschichte“, um schnell an Geld zu kommen. Er müsse dringend die Miete seiner Mutter in Heidelberg bezahlen, heißt es. Via Cash-System fließen 842,45 Euro auf sein Konto. Treffpunkt soll eine Wohnung mit Stuttgarter Adresse sein. Als der Chatpartner vor besagter Tür steht, gibt es natürlich keine Klingel mit dem angegebenen Namen, der Student ist nicht mehr erreichbar. Auch die beiden geprellten Männer scheuen sich nicht, zur Polizei zu gehen.

Das Geständnis erspart den Zeugen eine unter Umständen peinliche Aussage, Richter Horn kann alle wieder nach Hause schicken. Der Angeklagte nutzt vorher noch die Gelegenheit, sich – sichtbar unbeholfen – bei allen zu entschuldigen. Beides wird ihm vom Gericht angerechnet, natürlich auch seine bis dato weiße Weste. Und die lange Verfahrensdauer ohnehin. So zieht Horn noch mal vier der von der Staatsanwältin geforderten 15 Monate ab. „Sie haben hier einen reuigen und ehrlichen Eindruck hinterlassen, und eine persönliche Entschuldigung hat immer große Bedeutung.“ (Silke Gelhausen)

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