Mutmaßlicher Komplize beteuert Unschuld

Dreieich/Darmstadt - Widersprüchliche Zeugenaussagen, Beteuerung der Unschuld und lückenhafte Beweise: Was im Hauptverfahren mit einem Freispruch endete, konnte auch durch die vollständige Überprüfung am Landgericht Darmstadt nicht wesentlich anders bewertet werden. Von Silke Gelhausen-Schüßler

So wurde das durch die Staatsanwaltschaft beantragte Berufungsverfahren gegen den 26-jährigen Angeklagten Deniz Ö. gegen eine Geldauflage von 1 500 Euro eingestellt. .

Dem Langener wird vorgeworfen, an einer Unterschlagung bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt in der Hauptstraße am 10. Oktober 2008 beteiligt gewesen zu sein. Dort hatte der inzwischen verurteilte Auszubildende I. G. (25) einen Barauszahlungsbeleg gefälscht und damit das Konto des 97-jährigen Kunden S. um 10 000 Euro erleichtert.

Die großen Scheine nahm sein Kumpel Ö. am Schalter von G. persönlich in Empfang. Diese Aussagen stimmen mit den Überwachungsvideos und Buchungsbelegen der Sparkasse überein. Was jedoch danach mit dem Geld passierte, wird wahrscheinlich das Geheimnis der Beteiligten bleiben.

Der Angeklagte Ö. wäscht seine Hände in Unschuld und behauptet felsenfest, dass er von einem Betrugsdelikt nichts wusste. Die 10 000 Euro habe er dem Freund ein paar Tage vorher geliehen, er habe nur dessen Schulden zurück bekommen. G. hätte als Sparkassenmitarbeiter auf kleinem Dienstweg ein Bankdarlehen bekommen und an ihn weiter gereicht. Aufgefallen ist ihm scheinbar dabei nicht, dass er die Auszahlung gar nicht quittieren musste.

In der Hauptverhandlung gelogen

Die zweistündige Aussage des mittlerweile in Wiesbaden heimischen G., der als Zeuge auftritt, belastet Ö. dagegen schwer. G.: „Das Dumme bei der Arbeit in einer Bank ist, dass man ständig Kontakt mit Geld hat. Da kann man schon auf die Idee kommen, sich von Kundenkonten zu bereichern.“

Diesen Gedanken habe Ö. auch attraktiv gefunden und sei einverstanden gewesen, dass er als „Geldbote“ die Beute aus der Bank schafft und dafür die Hälfte bekommt. Aber G. kann weder Aussagen zu Ort und Zeit des anschließenden „Geldaustausch-Treffens“ machen noch zu einem weiteren Mitbeteiligten, dem 29-jährigen M. J. aus Langen. Dieser war bei der Auszahlung dabei und sollte laut G. die Kassiererin am zweiten Schalter ablenken. Für diesen Dienst habe er „zwischen 100 und 400 Euro bekommen“. Die Antwort auf Richter Lothar Happels Frage, wer denn von beiden diesen Obolus gezahlt habe, gab G.’s Gedächtnis aber ebenfalls nicht mehr her.

G. ist bereits mehrfach wegen Computerbetrugs und Geldwäsche vorbestraft und gab außerdem zu, in der Hauptverhandlung gelogen zu haben. Die Aussage des Zeugen M. J. ist dann wieder deckungsgleich mit der des Angeklagten. Er kann außerdem Angaben zum Motiv der Straftat machen: „G. hatte angeblich einen Supertrick, wie er im Spielcasino das Geld vermehren könnte“, erklärt er. „Dafür hat Ö. ihm die 10.000 Euro geliehen. Natürlich hat das nicht funktioniert und das Geld war futsch.“

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