Regionale Firmen loben gelungene Messe-Premiere

Was braucht’s für Handwerkszeug?

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Rainer Kuhn von Bad+Art erklärt an seinem Stand einige grundlegende Handgriffe seines Berufs. Das Dreieicher Unternehmen bildet Anlagenmechaniker aus.

Dreieich - Handwerkliche Berufe haben ihren Reiz, doch viele Unternehmer klagen über geringes Interesse. Dabei könnten gerade Schulabgänger, die dringend einen Ausbildungsplatz brauchen, als Bewerber glänzen. Von Daniel Untch 

Das Handwerk in das Blickfeld junger Menschen zu rücken war deshalb oberstes Ziel einer Ausbildungsmesse, die am Samstag erstmals auf dem Gelände der Firma Baustoff Gerhardt stieg. Wer im Rhein-Main-Gebiet auf Jobsuche geht, hat viel Auswahl. Handwerksberufe treten bei jungen Menschen oft in den Hintergrund, denn Banken oder der Flughafen ziehen als große Arbeitgeber viel Aufmerksamkeit auf sich. Die Premiere der regionalen Ausbildungsmesse setzt genau an diesem Punkt an. Schulabgänger sollen die schönen Seiten von Handwerksberufen vermittelt bekommen.

Das ist auch Winfried Kratz’ Mission: „Auf der Baustelle ist man viel draußen und man sieht jeden Tag das Ergebnis seiner Arbeit“, so der Inhaber eines Bauunternehmens in Dietzenbach. Er zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Messe. „Wir hatten zwar keine Masse an Bewerbern, aber die Qualität war gut“, fasst er zusammen. Kratz konnte einige Bewerbungen entgegennehmen und wird die baldigen Schulabgänger zu Gesprächen einladen. Die Bewerber seien sehr gezielt auf ihn zugekommen, das Interesse an den angebotenen Ausbildungen wie Maurer und Stahlbetonbauer ist also da.

Weniger positiv ist die Rückmeldung der Garten- und Landschaftsbauer der Gebrüder Fischer aus Rödermark. Die Ausbilder berichten, dass in den Gesprächen mit den Bewerbern oftmals vor allem die Eltern das Wort führen oder sogar gleich ganz ohne den Nachwuchs vorbeischauen. Auch sei bezüglich ihres Gewerbes erst einmal Aufklärungsarbeit nötig: „Die Leute glauben, dass wir nur Rasen mähen und Hecken schneiden“, sagt Benjamin Arenz. Die Vielfältigkeit und auch die Kreativität in der Gestaltung seien vielen Leuten nicht bewusst. Einen sehr interessierten Bewerber konnten die Landschaftsgärtner aber auch begrüßen. „Der junge Mann wird in den Osterferien ein Praktikum absolvieren, dann werden wir sehen, ob es passt“, so Arenz.

Ein positives Fazit zieht der Initiator der Jobmesse, Markus Gerhardt. „Da die Veranstaltung heute zum ersten Mal stattfindet, hatten wir bescheidene Erwartungen, sind aber mit Quantität und Qualität der Bewerber sehr zufrieden“, so der Geschäftsführer. Seine Firma selbst habe vier Bewerbungen entgegengenommen, denn im Sommer werden Stellen im Bereich des Groß- und Außenhandels sowie der Lagerlogistik frei. „Zwei dieser Plätze werden wir auf jeden Fall besetzen“, so Gerhardt. Auch die Zusammenarbeit mit den Schulen in der Region sei äußerst positiv verlaufen. „Die Ansprechpartner haben sich gefreut und die Lehrer ihre Schüler motiviert, vorbeizukommen“, erzählt er.

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Damit die Bewerber gleich ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen können, dürfen sie beim Bau einer kleinen Mauer mit anpacken, natürlich unter fachkundiger Anleitung. Auch am Stand der Firma Bad+Art geht es gleich praktisch zur Sache. „Wir haben hier einige Materialien und Werkzeuge mitgebracht, um die vielen Facetten unserer Arbeit zumindest einmal andeuten zu können“, erklärt Geschäftsführer Rainer Kuhn. Auch er zeigt sich mit der Messe äußerst zufrieden: „Wir haben sehr gute Gespräche mit interessierten und begabten jungen Menschen geführt.“ Kuhn stellt die verschiedenen Ansprüche heraus, die der handwerkliche Beruf mit sich bringt: „Natürlich ist teils körperliche Stärke gefragt. Doch zum Beispiel im Kundendienst brauchen wir Fummler und Bastler, die geduldig auf die Suche nach Problemen gehen.“ Die Firma bildet Anlagenmechaniker aus und konnte über ein eigens für die Messe erstelltes Kontaktformular einige zukünftige Schulabgänger auf sich aufmerksam machen. „Wir haben eigentlich immer freie Stellen“, so Kuhn. Grund dafür seien sowohl der Mangel an Bewerbungen als auch deren Qualität.

So ist eine Jobmesse wie diese, bei der kleinere Unternehmen aus der Region im Fokus stehen, eine gute Gelegenheit, um Bewerber und Firmen zusammenzubringen. Das überwiegend positive Fazit der Unternehmer lässt damit rechnen, dass es im kommenden Jahr eine Neuauflage der Messe geben wird.

Bilder: Ausbildungsmesse der Weibelfeldschule

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