Ein kleines Paradies geschaffen

Reiche Ernte im Nutzgarten der Max-Eyth-Schule in Dreieich

Lehrer David Distelmann erklärt den Jugendlichen im Schulgarten der MES, wie Kohlrabi von Unkraut befreit wird, um das beste Ernteergebnis zu erzielen.
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Lehrer David Distelmann erklärt den Jugendlichen im Schulgarten der MES, wie Kohlrabi von Unkraut befreit wird, um das beste Ernteergebnis zu erzielen.

Der Schulgarten der Max-Eyth-Schule ist ein überraschend idyllisches Plätzchen. Während vor dem Schulgebäude das Leben der beruflichen Schule am Campus tobt, ist hinter dem Gebäude in den vergangenen zwei Jahren ein Biotop mit zwölf Metern Durchmesser und einem Nutzgarten entstanden – ein kleines Paradies.

Dreieich - Über dem großen Teich schwirren die Insekten, es wachsen viele Pflanzen in dem Biotop, das mit Bänken auch zu einer entspannten und ruhigen Pause einlädt. Zucchini, diverse Salate, Möhren, Erdbeeren, Pastinaken, Auberginen, Sellerie und sogar Weintrauben gedeihen auf dem Schulareal, zumeist in dem 18 Quadratmeter großen Hochbeet, das die Schüler selbst gebaut haben. Dieser Nutzgarten und die Idee, die hinter dem Projekt steht, haben die Jury des 1822-Schulförderpreises der Stiftung der Sparkasse Frankfurt so überzeugt, dass die Max-Eyth-Schule damit den vierten Platz belegt und 350 Euro Preisgeld gewinnt.

Es sind besondere Schüler, die ein Jahr lang Betonfundamente für die Hochbeete gegossen haben, das Holz für die Umrandungen in der schuleigenen Werkstatt zurecht geschnitten und sich Gedanken gemacht haben, wie ein Bewässerungssystem für ausreichend Feuchtigkeit sorgen kann, auch wenn am Wochenende mal niemand an der Schule ist. Pädagoge David Distelmann, auch privat leidenschaftlicher Schrebergärtner, hat die 14 Jungs und zwei Mädchen der berufsvorbereitenden Klasse mit auf diesen spannenden Weg genommen. Die berufsvorbereitenden Klassen sind an der Eyth-Schule für Jugendliche installiert, die ihren Hauptschulabschluss haben, deren Zeugnisse aber nicht gut genug für eine schulische Weiterqualifikation sind, die aber auch noch keine Lehrstelle gefunden haben. Das Jahr soll sie, wie der Name schon sagt, weiter für das Berufsleben und im besten Falle für einen Ausbildungsplatz qualifizieren. Es geht auch darum, so erläutert David Distelmann, Stärken, Begabungen und Interessen in diesem Jahr zu wecken und eine Idee davon zu entwickeln, wie sie sich ihr berufliches Leben vorstellen. Die Schule hat eine Vermittlungsquote von rund 60 bis 70 Prozent in die Ausbildung – ein sehr gutes Ergebnis. „Die Schüler haben dreimal in der Woche Unterricht und sind zwei Tage in der Werkstatt. Dort geht es um die Grundlagen in Metall und Holztechnik“, erläutert Distelmann. Um auch ein gemeinsames Ziel zu haben, gibt es immer ein Projekt, das die Klasse gemeinsam umsetzt – in diesem Jahr war das der Nutzgarten hinter der Schule.

„Ich kann jetzt ein Betonfundament gießen und habe geholfen, das Bewässerungssystem anzuschließen“, ist Schülerin Sophia ein bisschen stolz. „Es hat schon richtig Spaß gemacht, die Beete zu bauen und dann auch anzupflanzen“, erzählt das Mädchen, das auch zu Hause bei ihrer Großmutter schon im Garten mitgeholfen hat. Für viele Jungs war der Umgang mit den Pflanzen völliges Neuland: „Nein, noch nie habe ich etwas im Garten zu tun gehabt. Ich esse noch nicht mal Gemüse“, sagt Wassim und lacht. Aber den Garten wachsen zu sehen, das hat auch ihm Freude bereitet.

Die 350 Euro von der Frankfurter Sparkasse hat David Distelmann längst verplant. Die Gemüseernte wird reichhaltig sein, all die selbst angepflanzten und gesunden Nahrungsmittel müssen auch vermarktet werden. „Dann kommt ein betriebswirtschaftlicher Aspekt ins Spiel“, erklärt Distelmann und will die Schüler beim Verkauf mit ins Boot holen. Sein großer Traum ist es, eine rollbare und damit variable Outdoorküche an den Garten anzudocken, um die Ernte unter freiem Himmel verarbeiten zu können. Das Preisgeld aus dem Schulpreis soll in ein Gaskochfeld investiert werden.

David Distelmann ist noch lange nicht fertig mit der Entwicklung des Areals hinter der Schule. Mit den nächsten Klassen des berufsvorbereitenden Jahres sollen Gartenhütten entstehen, um das Werkzeug praktisch und nah unterzubringen. Ein weiteres Ziel ist es, ein Gewächshaus zu bauen. „Dann können wir vielleicht schon bald unsere eigenen Bananen ernten“, hat der Lehrer noch viele Pläne. Die Max-Eyth-Schule soll außerdem ihre eigenen Obstbäume bekommen. „Ich habe bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Diese Art der Projektarbeit fordert Kopf, Herz und Hand. Es ist ein anderer Unterricht als der im Klassenraum“, ist Distelmann überzeugt, dass die Schüler davon profitieren.

Von Nicole Jost

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