Rettung vor dem Zerfall

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So soll die Villa Schott nach ihrer Sanierung aussehen. Hinzu kommen drei weitere Wohnhäuser.

Sprendlingen - Über Jahrzehnte hinweg trübte sie das Bild der Sprendlinger Ortseinfahrt, war den Dreieicher Bürgern sowie der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. So manch einer hatte sie womöglich schon aufgegeben. Von Manuel Schubert

Doch nun kommt Bewegung in den Fall der Villa Schott: Ein Frankfurter Architektenbüro kümmert sich um das Großprojekt, die Bauvoranfrage ist bereits in trockenen Tüchern.

Doch der Reihe nach: Errichtet wurde das historische Gebäude in der Darmstädter Straße im Jahre 1902 vom Architektenduo Begas und Hallenstein. In ihrer Anfangszeit beherbergte die Villa noch den Sektfabrikanten Löffler. Später wurde das Haus einer Erbgemeinschaft vermacht, die sich über die künftige Nutzung jedoch nicht uneiniger hätte sein können. Auch ein Verkauf wurde trotz mehrerer Interessenten strikt abgelehnt. Hinzu kommt, dass die Villa unter Denkmalschutz steht und somit nicht abgerissen werden darf, um das Grundstück anderweitig zu nutzen.

So kam es, dass das einstige Schmuckstück mehr oder weniger sich selbst überlassen blieb und dadurch zunehmend verkam.

Artikel unserer Zeitung machte Architekten aufmerksam

Lesen Sie hierzu den Artikel vom April 2010:

Villa Schott gammelt weiter vor sich hin

Das Büro des Architekten Jochem Jourdan, das er gemeinsam mit seinem Partner Bernhard Müller betreibt, befindet sich in Frankfurt. Jourdan selbst ist jedoch in Dreieichenhain wohnhaft und so kam es, dass auch ihm der Artikel, in dem unsere Zeitung im April 2010 auf das Problemkind aufmerksam machte, in die Hände fiel.

Fest entschlossen, dass es so nicht weiter gehen könne, kontaktierte Jourdan daraufhin einen der Eigentümer, den er schon länger kannte, und schlug ihm seine Pläne für die Sanierung des alten Gebäudes vor. Der stimmte zu und erklärte sich bereit, die anfallenden Kosten von rund fünf Millionen Euro zu tragen.

In Folge wurden viele Gespräche geführt: Nicht nur der Erste Stadtrat Martin Burlon und die städtischen Gremien mussten zustimmen, auch bei der Bauaufsicht des Kreis Offenbach sowie der Oberen und Unteren Denkmalschutzbehörde wurde nachgefragt. Doch alle segneten das Projekt ab. „Endlich ist eine Planung zum denkmalgeschützten Anwesen vorgestellt worden, die unter städtebaulichen Gesichtspunkten und von der zukünftigen Nutzung als hervorragend zu bezeichnen ist“, lobt Siegfried Kolsch, Vorsitzender des Villa-Schott-Arbeitskreises der Dreieicher SPD-Fraktion.

Geplant ist nun, das zerfallene Gebäude in ein modernes Wohnhaus umzugestalten. Außerdem gesellen sich auf der insgesamt 3060 Quadratmeter großen Fläche drei weitere Stadtvillen sowie eine Tiefgarage hinzu.

„Der blockhafte, massive Putzbau mit seinen prägnanten Sandsteinprofilen wird behutsam in Stand gesetzt“, versichert Jourdan. Dabei blieben die beiden hölzernen Treppenhäuser erhalten, lediglich die fehlenden Geländer gebe es zu ersetzen. Auch die Schablonenmalerei an den Wänden des Treppenhauses werde man sichern. Insgesamt sollen in der Villa Schott drei Wohneinheiten entstehen.

„Sich harmonisch in die Umgebung einfügen“

Nebenan, sprich ebenfalls an der Darmstädter Straße, wird das zweite Gebäude errichtet, das in Bezug auf die Höhe und die horizontale Sandsteingliederung an die Villa angepasst wird. Der Neubau soll sich in der Gliederung symmetrisch auf sein Nachbargebäude beziehen und vier Wohneinheiten beherbergen. Das Besondere: Die zweite Villa wird komplett barrierefrei sein.

Die Häuser Nummer drei und vier werden hinter der Villa Schott ihren Platz finden und der Straße Am Taubhaus zugewandt sein. Auch hier wird die einheitliche Gebäudehöhe beibehalten. Als Blickfang ist ein Steildach vorgesehen, wie es beispielsweise am alten Rathaus zu finden ist. Geplant sind insgesamt zwölf Wohnungen, davon vier ebenfalls barrierefrei. Die drei Neubauten werden sich auch im Hinblick auf die gewählten Materialien auf die Villa Schott beziehen und sich laut Jourdan „harmonisch in die Umgebung einfügen“.

Die Villa Schott - 1902 gebaut - gammelt seit einigen Jahrzehnten vor sich hin. Jetzt endlich wird sie grundlegend saniert und dann auch wieder bewohnbar sein.

Sämtliche Wohnungen will man außerdem mit großzügigen Balkon- oder Terrassenflächen ausstatten. Auch der Lärmschutz zur Straße und vor allem zur Bahnlinie hin soll gewährleistet sein, so der Architekt. Die großen Bäume, die sich auf dem Grundstück befinden, werden weitgehend erhalten, nur wenige müssen weichen. Für vier von ihnen ist eine Ersatzpflanzung vorgesehen. Zum Bau der Tiefgarage, die von der Darmstädter Straße aus zu erreichen sein wird und 28 Stellplätze bietet, muss ein bestehendes Garagengebäude entfernt werden.

Die fertigen Wohnungen werden eine Größe von 90 bis 150 Quadratmetern haben. Zum Großteil wird es sich um Mietwohnungen handeln. Sicher werden einige von ihnen auch zum Verkauf angeboten werden, berichtet Jourdan. Die genaue Anzahl stehe jedoch noch nicht fest.

Die gesamte Bauzeit wird zirka zwei Jahre betragen.

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