Festakt zum 40-jährigen Bestehen mit Ministerin

Rockenberg-Verein hilft jungen Strafgefangenen

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Justizministerin Eva Kühne-Hörmann betonte die Bedeutung der Arbeit des Rockenberg-Vereins. Das Foto zeigt sie mit (von links) Moderator Prof. Dr. Friedrich Thießen, Philipp Walkenhorst (Uni Köln), Klaus Ernst (Anstaltsleiter der JVA Rockenberg) und dem Vorsitzenden Frits Baron van Dedem.

Dreieich - Der Rockenberg-Verein bietet jugendlichen Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) bei Butzbach Perspektiven für ein Leben nach der Haft und bringt Licht in den grauen Alltag hinter Gittern. Von Paul Dieler 

Das 40-jährige Bestehen der ehrenamtlichen Gemeinschaft wird mit einem Festakt mit 140 Gästen in der evangelischen Kirche Buchschlag gefeiert. „Vor Gott sind wir keine Nummer“ – das Thema des Gottesdienstes, der vor vier Jahrzehnten die Initialzündung für den Rockenberg-Verein gab, könnte bis heute dessen Leitspruch sein. Für die Jubiläumsfeier kehrt man an jenen Ort zurück, an dem 1977 ein Gottesdienst des damaligen Gefängnispfarrers Otto Seesemann mit jugendlichen Straftätern die Gemeinde derart beeindruckte, dass noch im selben Jahr der Verein entstand.

Seitdem existiert ein gemeinnütziges Bündnis, dessen Ziel es ist, jugendliche Strafgefangene mit Bildungsangeboten dazu zu befähigen, den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Heute tragen 85 Mitglieder jährlich mit einem Budget von 35.000 Euro dazu bei, dass etwa 160 Gefangene bei ihrer Resozialisierung mit Lerntraining und Förderungsprogrammen begleitet werden, betont Frits Baron van Dedem, Vorstandsvorsitzender seit 2003. Pro Jahr könnten an die 2500 Lerntrainerstunden finanziert werden. Dabei gehe es nicht nur um den Erwerb schulischer Kenntnisse, sondern auch um Kommunikationsfähigkeit, Konzentrations- und Durchhaltevermögen.

Zu den Gästen zählt die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Sie nimmt die Jubiläumsfeier zum Anlass, die Bedeutung der nicht einfachen Arbeit und die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen zu betonen. Sie lobt die vorbildliche Trägerschaft und das hohe Engagement: „Mein Ziel ist es, mit der Teilnahme an diesem Festakt zu dokumentieren, wie wichtig mir der Verein ist.“ Junge Straftäter wieder auf den richtigen Weg zu bringen, helfe nicht nur den Tätern, sondern schütze auch die Opfer.

Um Durchhaltevermögen, den Gefängnisalltag mit scheinbar hoffnungslosen Jugendlichen und die Motive, die die ehrenamtliche Mithilfe trotz aller Rückfälle zum Weitermachen anspornt, geht es bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Klaus Ernst, Leiter der JVA Rockenberg, zieht eine Bilanz der Entwicklung. Dabei stellten insbesondere die zunehmend multikulturelle wie auch multireligiöse jugendliche Klientel, hohe Gewaltbereitschaft, geringere Ausbildungseignung, hohe Drogengefährdung und auch die Zunahme der psychisch kranken Jugendlichen den heutigen Jugendstrafvollzug vor große Herausforderungen. In Rockenberg lege man mit dem in den 1970er Jahren eingeführten Wohngruppenvollzug hohen Wert auf Resozialisierung. Versucht werde, dort ein Milieu zu schaffen, das die Entwicklung der Strafgefangenen fördert. Gleichzeitig konnte man unter anderem mit Unterstützung des Vereins das Angebot an schulischer Betreuung und Möglichkeiten für Berufsabschlüsse ausbauen. Wer einen beruflichen Abschluss erreicht, habe eine günstigere Zukunftsprognose, so der Anstaltsleiter.

Wer mit diesem Souvenir in der Türkei erwischt wird, kann zehn Jahre im Gefängnis landen

Der Bericht eines ehemaligen Häftlings zeigt, dass das Herzblut des Rockenberg-Vereins bei einer Vielzahl der Klienten auf fruchtbaren Boden fällt. Der 31-Jährige verbüßte vor zehn Jahren eine Jugendstrafe und konnte auch dank der Unterstützung aus Buchschlag während seiner Haftzeit eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abschließen. Dazu gehörten unter anderem Büchergutscheine für Ausbildungsliteratur: „Ich wusste gar nicht, dass ich die von euch bekommen habe. Im Nachhinein: Danke.“

Im Anschluss stellt der Leiter der Sozialtherapeutischen Abteilung, Norbert Cloß, Kunstprojekte der jugendlichen Straftäter vor, die in der Ausstellung „Wir lassen uns hinter die Maske schauen!“ in der Kirche zu sehen sind. Durch Bilder und Plastiken gewähren die Insassen spannende Einblicke in ihre Gedankenwelt. Nach dem Festakt haben die Besucher bei einem Suppen-Buffet der „Kochenden Männer“ der Versöhnungsgemeinde Gelegenheit zu einem regen Gedankenaustausch.

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