BfD kritisieren Vermüllung

Bahn lehnt Verkauf ab: Rückschlag für Pläne an vermüllten Bahnhof

Alles andere als eine Visitenkarte ist das Umfeld des Sprendlinger Bahnhofs. Dort hat sich wieder viel Müll angesammelt.                                                                                                                                               
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Alles andere als eine Visitenkarte ist das Umfeld des Sprendlinger Bahnhofs. Dort hat sich wieder viel Müll angesammelt.                                                                                                                                     

Das Umfeld des Sprendlinger Bahnhofs ist vermüllt, wie die Fraktion der Bürger für Dreieich (BfD) kritisiert. Die Bahn denkt nicht an einen Verkauf.

Dreieich - Alles andere als eine Vistenkarte ist das Umfeld des Sprendlinger Bahnhofs. Dieses zeigt sich vermüllt, kritisiert die Fraktion der Bürger für Dreieich (BfD). Zudem muss der Dreieicher Magistrat einen Dämpfer für seine Pläne zur Umgestaltung hinnehmen. Die Bahn will das Gelände nicht an die Stadt verkaufen.

„Die Bahn kommt ihren Verpflichtungen als Grundstückseigentümerin nicht nach.“ Diesen Schluss zieht Natascha Bingenheimer (BfD) nach einer Begehung. Anlass sei eine Anfrage zum aktuellen Sachstand der Fraktion in der Gremienrunde im vergangenen Monat gewesen. „Ein Bahnhof und dessen Umfeld sollten das ansprechende Entrée einer Stadt sein. Am Sprendlinger Bahnhof jedoch kann angesichts weiter zunehmender Vermüllung nur noch von einer Abfallkippe die Rede sein“, zeigt sich Bingenheimer empört. Sie verweist darauf, dass sich ihre Fraktion seit 2017 mit dem Thema befasst.

In der Antwort zur jüngsten Anfrage muss der Magistrat einräumen, dass es nicht gelungen ist, das Grundstück zu kaufen. Mit dem Erwerb sollte nicht nur die Grundlage für die Entwicklung eines zeitgemäßen Mobilitätsknotens geschaffen werden – eine städtebaulich ansprechend und funktional gestaltete Schnittstelle zwischen Bahn, Bus, Rad und Autos. Ziel war es auch, Unterhaltung und Pflege der Anlage in die Zuständigkeit der Stadt zu bringen. Nach Angaben des Magistrats war in den vergangenen drei Jahren konkret mit der Bahn verhandelt worden. Man habe dazu ein Kaufangebot unterbreitet, das auf einem Wertgutachten basiert habe.

Nachdem die Bahn die Flächen öffentlich zum Kauf angeboten habe, wiederholte die Stadt nach eigenen Angaben das Kaufangebot und fasste gleichzeitig den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Mobilitätsknoten Bahnhof Sprendlingen“, um die angestrebte Entwicklung des Areals im Sinne der städtebaulichen Bedeutung und verkehrlichen Funktion zu sichern. Obwohl die Deutsche Bahn Immobilien schließlich erklärt habe, der Stadt die Flächen zu dem angebotenen Preis veräußern zu wollen, sei es nicht zu der zugesagten Übersendung eines Kaufvertrages gekommen. Mit Schreiben vom 31. Dezember 2020 habe die Stadt mitgeteilt bekommen, dass die von der Bundesregierung aufgesetzte Dachstrategie „Starke Schiene“ zu einer veränderten Betrachtungsweise von potenziell entbehrlichen Grundstücken geführt habe und die Verkaufszusage deshalb zurückgezogen werde. Das sei der letzte Kontakt gewesen.

„Das Ziel der Umsetzung eines Gesamtkonzeptes für das Bahnhofsumfeld soll nicht aufgegeben werden, auch wenn die Fläche im Eigentum der Deutschen Bahn bleibt“, betont Bürgermeister Martin Burlon. Allerdings werde die Realisierung unter den gegebenen Bedingungen erschwert und zerfalle in Einzelschritte unterschiedlicher Maßnahmenträger. Zunächst will die Stadt barrierefreie Bushaltestellen planen und bauen, da diese im öffentlichen Straßenraum liegen. Für die weiteren Bestandteile eines zukunftsorientierten Verkehrsknotenpunktes – barrierefreier Zugang zu den Gleisen, Radabstellanlagen, P&R-Anlage – sei jedoch eine Abstimmung mit der Bahn erforderlich.

„Die Prognose ist insgesamt nicht erfreulich“, betont Bingenheimer. Die Stadt müsse ein neues Konzept entwickeln. Die BfD fragen sich aber, ob für die Deutsche Bahn andere Regeln gelten als für normale Grundstücksbesitzer. Jeder Privatmann, der seine Liegenschaft derart verkommen lässt, hätte bereits Post vom Amt erhalten, um die Müllablagerungen zu beseitigen. Damit sei im Normalfall auch ein Ordnungsgeld verbunden. „Warum gelten diese Regeln nicht für die Deutsche Bahn?“, so die BfD. Darauf angesprochen verweist Claudia Scheibel, Sprecherin der Stadt, auf die zahlreichen Briefe, die an die Bahn geschickt wurden. (Von Holger Klemm)

Die Bürger für Dreieich (BfD) haben eine Fotodokumentation zur Vermüllung des Bahnhofsumfelds erstellt.

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