Endspurt beim Stadion-Umbau

Schlussoffensive im Sportpark

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Das kleinste Regionalliga-Stadion Deutschlands ist für bis zu 3 000 Zuschauer ausgelegt. In zwei Wochen muss alles fertig sein.

Dreieich - Heute in einer Woche beginnt für den SC Hessen Dreieich in Stadtallendorf das Abenteuer Regionalliga. Derweil wird im eigenen Sportpark an allen Ecken und Enden gearbeitet, damit der Ausbau des Stadions bis zum ersten Heimspiel gegen den TSV Steinbach Haiger am 4. August abgeschlossen ist. Von Frank Mahn 

Ein ausverkauftes Haus erwartet der Verein am 25. August – im Derby gegen den OFC.
Sascha Schnobrich weiß seit Wochen manchmal nicht, wo ihm der Kopf steht. Der Geschäftsführer der Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH ist ständig gefragt auf der Baustelle. Die von SC Hessen-Gründer Hans Nolte ins Leben gerufene DSBM ist Eigentümerin des Hahn Air Sportparks und sie sorgt dafür, dass er in zwei Wochen den Anforderungen der Regionalliga entspricht. Dabei stehen die Verantwortlichen mächtig unter Druck. Ende April trug der Aufsteiger sein letztes Hessenliga-Heimspiel in der Lettkaut aus, das Zeitfenster ist folglich klein. Gerade einmal drei Monate bleiben, um die infrastrukturellen Voraussetzungen für die vierthöchste Fußballklasse zu schaffen.

So sind separate Zugänge für Heim- und Auswärtsfans Vorschrift, auch im Stadion sind die Anhänger zu trennen. Deshalb wird im Sportpark tonnenweise Stahl verbaut. Auch direkt um das Spielfeld herum. Die Zäune sind eine Auflage des Fußballverbandes, Stichwort Sicherheit. „Daran führt leider kein Weg vorbei“, bedauert Hans Nolte. Bis zu 3000 Zuschauer können künftig die Partien verfolgen, davon ein Drittel auf Sitzplätzen. Die neue Heimtribüne auf der Gegengeraden ist komplett überdacht, für Gästefans wurden eine Sitz- und eine Stehtribüne mit einer Kapazität von etwa 600 Plätzen errichtet. 700 Zuschauer haben auf der neuen Stehtribüne hinter dem Heimtor Platz.

Klein, aber fein

Die Arena ist klein, aber fein. „Eine Besonderheit des Stadions kann man nicht sehen“, sagt Nolte. Die Sportstätte sei 2014 ohne Steuergelder gebaut und jetzt erweitert worden. Es sei nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, semiprofessionellen Fußball zu finanzieren, ist Noltes Überzeugung. „Wir haben entschieden, Regionalliga spielen zu wollen, also tragen wir auch die Kosten.“ Nolte spricht von einer Summe im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Im Zuge des Stadion-Umbaus entsteht auch ein neuer Dusch- und Umkleidetrakt für die Nachwuchsteams des Vereins.

Er ist nicht nur schön anzusehen. Der neue Rasen ist, was Fußballer gerne als Teppich bezeichnen. Stockfehler kann hier kein Kicker dem Grün anlasten. Etwa 250.000 Euro hat die DSBM für den perfekten Untergrund in die Hand genommen. Der Boden wurde bis zu einer Tiefe von einem Meter neu aufbereitet, dann der Rasen eingesät. Naturrasen, weil er langlebiger ist als Rollrasen. Das hat seinen Preis. Für die Pflege sind per anno zirka 50.000 Euro veranschlagt.

Auf gut das Fünffache beziffert Nolte die jährlichen Ausgaben für die Unterhaltung des Sportparks. Die Betriebskosten von rund 15.000 Euro pro Regionalliga-Heimspiel sind darin noch nicht mal enthalten. Auch dafür komme allein die DSMB auf, sagt der Hahn-Air-Chef, der 2013 die Gründung des SC Hessen auf den Weg gebracht hatte. Die DSBM, die mittlerweile zehn Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt, lebt laut Nolte „vom Engagement der Wirtschaft in Stadt und Kreis“.

Bilder aus dem Trainingslager des SC Hessen Dreieich

Der Verein muss für die Regionalliga – die Vorstufe zum Vollprofitum – aber nicht nur eine Vielzahl von Auflagen erfüllen. Er braucht auch deutlich mehr Manpower. Dabei hat sich die Marketing-Aktion „Komm’ ins Team der ersten Stunde“ als voller Erfolg entpuppt. Mehr als 200 Leute hatten sich beworben, um ehrenamtlich oder auf 450-Euro-Basis den Verein zu unterstützen und das Abenteuer Regionalliga miterleben zu können. 50 sind jetzt dabei – als Ordner, Integrationsbeauftragte, Betreuer der Einlaufkinder, VIP-Betreuer, Fanbeauftragter oder Würstchenbräter.

Und wo sieht Macher Nolte den SC Hessen perspektivisch? An die 3. Liga verschwende er keinen Gedanken, sagt der Unternehmer. Das verbiete sich angesichts der Dichte von höherklassigen Vereinen in der Rhein-Main-Region. Und für eine Stadt mit etwas mehr als 40.000 Einwohnern wäre die 3. Liga eine Nummer zu groß, meint Nolte. Für das Team um Trainer Rudi Bommer gehe es darum, nicht abzusteigen. Die Mission Klassenerhalt beginnt am nächsten Samstag in Stadtallendorf. Und beim ersten Auftritt im neuen rot-weißen Schmuckkästchen „würden wir uns freuen, wenn mehr als 1000 Zuschauer kommen“.

Parkplatz-Regelungen und Kartenvorverkauf

In Deutschlands vierthöchster Fußball-Liga sind die Anforderungen hoch. So müssen die Fans von Heim- und Gastmannschaft nicht nur im Stadion getrennt werden, sondern auch außerhalb und auf dem Weg dorthin. Die Heimfans können das Parkhaus von Hahn Air Lines nutzen. Für die Gäste-Anhänger hat die DSBM eine Vereinbarung mit der Firma Biotest getroffen. Sie stellt bei den Heimspielen ihr Parkhaus zur Verfügung. Während die Heimfans über die Straßen An der Trift und An der Lettkaut den Sportpark erreichen, werden die Besucher von auswärts durch den Wald zum Parkplatz an der L 3262 geleitet, queren die Straße und gelangen über den Feldweg südlich der Kleingärten in den Gästeblock. Noch in der Prüfung ist, ob für das Überqueren eine mobile Fußgängerampel aufgestellt wird.

Begonnen hat in dieser Woche der Verkauf der Tageskarten für die ersten beiden Heimspiele gegen Steinbach Haiger (4. August) und Balingen (11. August), Anpfiff ist um 14 Uhr. Stehplatzkarten gibt es ab elf Euro (ermäßigt neun). Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre sind für fünf Euro dabei. Sitzplätze gibt’s ab 15 Euro (nicht überdacht) bzw. 30 Euro (überdacht). Auch hier sind Ermäßigungen möglich. Auch Dauerkarten können bestellt werden, sie beginnen bei 99 Euro. Wann der Vorverkauf für das Derby gegen den OFC beginnt, gibt der SC Hessen noch bekannt. Alle weiteren Informationen auf der Homepage des SC Hessen Dreieich.

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