Schau zur Geschichte des Christbaums

Einst war der Schmuck essbar

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Die neue Schau zum Weihnachtsfest im Dreieich-Museum ist eröffnet: Sammlerin Rita Breuer (oben links) am Beginn der Zeitreise mit einem „essbaren“ Weihnachtsbaum. Auch Disneys Feen-Figur Tinkerbell ist als Baumschmuck zu sehen.

Dreieichenhain - In der Weihnachtszeit gehört das Dreieich-Museum wieder einmal dem eifrigen Sammler-Paar Rita und Judith Breuer aus dem Sauerland. Von Leo F. Postl

Nach der politischen Weihnachtsausstellung im vergangenen Jahr treiben es beide diesmal buchstäblich auf die Spitze: Unter dem Titel „Weihnachtsglanz auf Tannenspitzen“ zeigen Mutter und Tochter eine sehenswerte Reise durch 150 Jahre Kulturgeschichte rund ums Weihnachtsfest, heben dabei insbesondere den Schmuck der Baumspitze hervor. Bis zum 19. Januar bleiben die Exponate in Dreieichenhain. So geht es in gleich mehreren Vitrinen um das schicke obere Ende des Tannenbaums. Als zentraler Blickfang, das wird schnell deutlich, kann die Baumspitze mal als bekleideter Wachsengel daherkommen, aber auch als Walt Disneys Feen-Figur Tinkerbell. „Rita und Judith Breuer haben für diese Ausstellung die prächtigsten und originellsten Baumspitzen für uns ausgesucht“, freut sich Corinna Molitor, die Leiterin des Dreieich-Museums.

Eigentlich wollte sich Rita Breuer einen Kindheitstraum erfüllen und wieder einmal einen so prächtig geschmückten Weihnachtsbaum aufstellen, wie sie ihn aus der Zeit ihrer Kindheit von Oma und Opa gekannt hatte. Doch schnell stieß sie bei dem Vorhaben an Grenzen – der passende Schmuck fehlte. „Ich bin zu Antiquitätenhändlern gegangen und die haben mich wieder weggeschickt. Ich sollte es doch mal auf Flohmärkten versuchen, denn für solche Sachen interessiere sich kaum jemand“, erzählt Breuer. Also durchstöberte sie unzählige Flohmärkte – und könnte mittlerweile selbst ein Dutzend bestücken. „Mit der Zeit haben das auch andere mitbekommen und jetzt findet man kaum noch was Besonderes“, so die Sammlerin, die in Tochter Judith eine begeisterte Verbündete hat.

Ein reines Zierobjekt

„Der Tannenbaum, ja es war ursprünglich eine einfache Tanne, war früher nur in der besseren Gesellschaft zu finden. Erst mit der Zeit ist es ein Fest für alle Familien geworden“, erzählt Judith Breuer. Mehr in der evangelischen Bevölkerung sei der Weihnachtsbaum zuerst verbreitet gewesen, da die katholische Kirche sich zunächst nur auf die Krippe konzentrierte. „Weihnachten, so wie wir es heute kennen, gibt es erst seit rund 150 Jahren“, betont Breuer. So wie die Mode und der Zeitgeist sich wandelten, so verändere sich auch das Bild des Weihnachtsbaums. „Zu Anfang war er voll mit essbarem Schmuck von Plätzchen bis zu roten Äpfeln, erst später wurde er zum reinen Zierobjekt.“

Breuer nimmt die Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung mit auf eine Zeitreise durch die Entwicklung des Weihnachtsbaums, zeigt dabei viele, teils filigrane Spitzen und auch manch kitschigen Auswuchs wie die Mickey-Mouse-Variante. „Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen... ” – so beschrieb es vor 150 Jahren Knecht Ruprecht im berühmten Weihnachtsgedicht von Theodor Storm. Seither hat sich der geschmückte Christbaum zum weltweit beliebtesten Symbol des Weihnachtsfestes entwickelt – mit der Baumspitze als zentralem Blickfang. Neben Zeichnungen und Fotografien aus der „Glanzzeit“ des Weihnachtsbaums stechen immer wieder der Schmuck und die Zierspitzen ins Auge; mal sind sie aus Metall, mal aus scheinbar zerbrechlichem Glas.

Geöffnet ist die Schau im Dreieich-Museum samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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