Bedauern bei CDU, SPD und FWG

Scheitern der Lettkaut-Pläne: Gärtner und Grüne sind erleichtert

Birgit Däsch und Hartmut Schmitt freuen sich, dass die Kleingärten in der Lettkaut nicht für den Bau einer Internationalen Schule weichen müssen. Für den Erhalt der Anlage hatten die Mitglieder des Kleingärtnervereins vehement gekämpft.(c)Foto: zcol
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Birgit Däsch und Hartmut Schmitt freuen sich, dass die Kleingärten in der Lettkaut nicht für den Bau einer Internationalen Schule weichen müssen. Für den Erhalt der Anlage hatten die Mitglieder des Kleingärtnervereins vehement gekämpft.

Dreieich - Freude, Überraschung, Enttäuschung, Irritation – das Aus für den von seinen Befürwortern mit dem Etikett „Leuchtturmprojekt“ versehenen Sport- und Bildungscampus in der Lettkaut ruft erwartungsgemäß unterschiedliche Reaktionen hervor. Von Frank Mahn

Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) muss sich von mehreren Fraktionen Kritik gefallen lassen, nicht nur von den Grünen, die von Beginn an gegen die Pläne protestiert hatten. „Wir sind sehr erleichtert. So kann unsere Kleingartenanlage hoffentlich komplett erhalten bleiben, wie sie schon so viele Jahre besteht. Es wird auch die Gärtner wieder motivieren, denn viele haben in diesem Jahr nichts gemacht. Sanierungsarbeiten an den Hütten und größere Pflanzaktionen sind weitgehend ausgesetzt worden. Denn niemand wollte mehr Geld und Mühe in den Garten investieren, wenn wir möglicherweise bald ausziehen müssen“, sagt Michael Vogel, stellvertretender Vorsitzender des Kleingartenvereins.

Auch sein Vorstandskollege Hartmut Schmitt atmet auf, traut dem Braten aber noch nicht recht. „Wir müssen die Situation natürlich weiter beobachten, die Fußballakademie ist ja noch nicht vom Tisch. Wir haben das Projekt wahrscheinlich mit unserem Widerstand verzögert. Aber ich vermute, dass hinter dem Scheitern eher die Untere Naturschutzbehörde steckt. Der Bau der Schule und der angeschlossenen Fußballakademie hätten schließlich massive Eingriffe in die Natur bedeutet.“

Die CDU sei überrascht von der Entwicklung und bedauere sie, gibt Fraktionschef Hartmut Honka zu Protokoll. Man habe die Idee begrüßt und durch die Zustimmung zur Aufstellung des Bebauungsplans Unterstützung dokumentiert. Doch von Anfang an hätten vor allem die „einsamen Entscheidungen“ von Bürgermeister Dieter Zimmer rund um die Kündigung der Pachtverträge die Diskussion und das politische Klima in Dreieich belastet, sagt Honka. „Dass er jetzt genau dieses Klima und die darauf basierenden, zum Teil vollkommen überzogenen Diskussionsbeiträge als Grund für das Scheitern heranzieht, ist eine sehr merkwürdige Argumentation.“

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Auch die Klage Zimmers, das fehlende öffentliche Bekenntnis der Politik habe die hinter dem Projekt stehenden Unternehmer Hans Nolte und Hans Strothoff enttäuscht und verunsichert, ist für Honka hanebüchen. Ohne den Parlamentsbeschluss von CDU, SPD, FDP und FWG „wäre das Thema bereits im vergangenen Jahr gestorben“. Honka vermutet hinter dieser Pauschalkritik ein Ablenkungsmanöver, weil die Planung auch nach einem Jahr scheinbar nicht vom Fleck gekommen sei. Den oder die Verantwortlichen für die Verzögerungen müsse Zimmer schon im Rathaus und nicht in der Politik suchen.

In der Lettkaut sieht die CDU nach wie vor Entwicklungspotenzial. Honka und Co. schwebt eine Neuordnung der Vereinsflächen vor. „Auf Dauer ist eine Zusammenführung der Kleingartenflächen im Seegewann vermutlich besser und für alle Beteiligten zukunftsfähiger.“

Bedauern über das Scheitern bekundet auch die Partei des Bürgermeisters. Aber: „Wir können verstehen, dass dieser Planungsprozess gezeigt hat, dass sich das Projekt nicht in der gewünschten Zeit realisieren lässt und dann eben andere Alternativen für die Projektbeteiligten sinnvoller zum Ziel führen“, erklärt SPD-Fraktionschef Holger Dechert. Die SPD hofft nach seinen Worten, dass es dem SC Hessen Dreieich und Eintracht Frankfurt gelingen wird, mit „erheblich geringerem Aufwand“ in der Lettkaut doch noch eine internationale Fußballakademie zu realisieren, also ohne chinesische Beteiligung.

Bilder: Kleingärtner protestieren gegen Lettkaut-Pläne

Lettkaut in Dreieich: Kleingärtner protestieren und geben Unterschriften ab
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Spätestens seit Bekanntwerden der Bedenken übergeordneter Behörden im Frühjahr sei das Ende der hochfliegenden Pläne absehbar gewesen, konstatieren die Grünen. „Die Initiatoren inklusive Bürgermeister haben die Sache von Anfang an falsch angepackt und völlig unterschätzt“, urteilt Fraktionssprecherin Heidi Soboll. Für die Grünen sei die Lettkaut immer der falsche Standort gewesen. „Das Vorgehen der Initiatoren bis hin zur unabgestimmten Kündigung für den Kleingartenverein durch den Bürgermeister haben dem Projekt die öffentliche Akzeptanz entzogen“, meint Sobolls Kollege Roland Kreyscher. „Die zum Teil rüde geführte öffentliche Auseinandersetzung haben die Beteiligten selbst provoziert, aber Selbstkritik ist Fehlanzeige.“ Zimmer habe mit seiner Vorgehensweise „sogar die eigenen Genossen verstört“, so Kreyscher. In der Lettkaut eine abgespeckte Variante einer Internationalen Akademie zu etablieren, sehen die Grünen ebenfalls höchst kritisch.

Die FWG ist perplex und enttäuscht. „Nach über einem Jahr voller Planungen, Entscheidungen des Stadtparlaments und öffentlicher Diskussionen wird das Vorhaben nun überraschend beerdigt“, wundert sich Fraktionschef Marco Lang. Die Kritik Zimmers an der Politik hält auch er für verfehlt. Die Freien Wähler hätten mehrfach öffentlich für das Projekt und eine transparente und zügige Umsetzung geworben, so Lang. Die unterstützenden Fraktionen nun für das Scheitern mitverantwortlich machen zu wollen, sei „nicht fair“. Der schleppende Fortgang des Bauleitverfahrens habe nichts mit politischen Entscheidungen zu tun, „denn die Umsetzung des im Stadtparlament getroffenen Aufstellungsbeschlusses erfolgte ja im Nachgang durch die Stadtverwaltung selbst“, sagt Marco Lang.

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