Schleppende Nachfrage bei Restposten

Dreieich - Auch Dreieicher Einzelhandel lockt mit Rabattaktionen zum Ende des Winters / Wirtschaftskrise macht sich bemerkbar

Dreieich Auch wenn es den Winterschlussverkauf als solchen offiziell nicht mehr gibt, können sich auch die Dreieicher Schnäppchenjäger gegen Ende der kalten Jahreszeit wieder auf das eine oder andere günstige Angebot in den Geschäften des Einzelhandels freuen.

Mit der Änderung des Rabattgesetzes im Juli des Jahres 2001 fielen die Einschränkungen bei Preisnachlässen weg, Gewerbetreibende und Händler dürfen seitdem das ganze Jahr über ein reduziertes Warensortiment anbieten, was früher nur beim Winter- und Sommerschlussverkauf erlaubt war.

„Wir nennen es nicht mehr Winterschlussverkauf, aber um diese Jahreszeit reduzieren wir bestimmte Posten besonders, auch wenn wir das ganze Jahr über Rabattaktionen anbieten“, sagt Einzelhändler Stephen Kalliwoda.

Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Geschäft „Kalliwoda Shoes & Clothing“ in der Frankfurter Straße 135 in Sprendlingen; auf Herbst- und Winterware des vergangenen Jahres gibt es dort momentan Vergünstigungen zwischen 30 und 50 Prozent.

Trotz der Wirtschaftskrise sehen die Rabattaktionen ähnlich wie in den vergangenen Jahren aus.

„Was sich geändert hat: Man ist im Einkauf vorsichtiger.“ Denn die Krise mache sich bei der Nachfrage bemerkbar, „aber nicht einschneidend“, so Kalliwoda. „Bei qualitativ hochwertiger und dementsprechend teurer Ware ist überhaupt kein Rückgang der Nachfrage zu verzeichnen, die Standardware geht jedoch schlechter.“

Bei „Dolce Vita - Wäscheshop Bohl“ in der Frankfurter Straße 15 bekommt man „die Restposten aus der vergangenen Saison um bis zu 50 Prozent“ günstiger - von Unterwäsche über Bademäntel bis hin zu Schlafanzügen. „Wir reduzieren unsere Ware nur zu den Saisonwechseln, um Platz für die Sachen der neuen Saison zu machen“, erklärt Tina Bohl.

Auch wenn sich die Wirtschaftskrise auf die Nachfrage auswirke, seien die Vergünstigungen nicht höher als in den vergangenen Jahren: „Wir merken schon, dass die Kundenfrequenz stark nachgelassen hat, doch hochwertige Marken haben ihren Preis, und da können wir die Preise nicht noch mehr senken, das wissen die Kunden auch.“ Wichtig sei, „dass qualitative Niveau zu halten.“ Auch Tina Bohl zieht aus der sinkenden Nachfrage die Konsequenz, „dass wir weniger einkaufen“.

Ihr sei aufgefallen, dass die Kundschaft mehr nach bestimmten Sachen suche und präzisere Wünsche äußere.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Ingeborg Hänel gemacht. „Die Kunden kommen gezielter und wenn sie nicht das Gewünschte finden, gehen sie auch öfters wieder ohne dann statt dessen zum Beispiel ein reduziertes Stück mitzunehmen“, so die Inhaberin von „Hänel Moden“ in Sprendlingen an der Ecke Frankfurter Straße/Westendstraße.

„Die Wirtschaftskrise macht schon zu schaffen, das steht außer Frage. Man merkt einfach, dass weniger los ist.“ Trotzdem seien die Rabatte für die Restposten der vergangenen Saison nicht höher als in den vergangenen Jahren.

Auch größere Preisnachlässe würden da nicht helfen, glaubt Hänel. „Die Restware von letzter Saison ist teilweise schon um bis zu 50 Prozent reduziert, trotzdem kaufen die Leute weniger, aber das liegt einfach an der allgemein schwierigen Zeit, in der wir gerade leben. Seit 14 Tagen gibt es bei mir schon Sonderangebote, und es ist schwierig, jetzt noch reduzierte Ware zu verkaufen. Die Kunden sind schon teilweise auf der Suche nach den Frühjahrsangeboten.“

Der Winterschlussverkauf existiert also de facto immer noch, auch wenn Preisnachlässe oftmals nicht mehr so genannt werden.

Die befragten Gewerbetreibenden stimmen darin überein, dass noch höhere Rabatte das falsche Mittel sind, der sinkenden Nachfrage zu begegnen. Statt dessen ist man beim Wareneinkauf zurückhaltender.

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