Dirigent Rolf Wurtinger mit Landesehrenbrief überrascht

Schon als Bub die Liebe zur Musik entdeckt

+
Überraschung: Rolf Wurtinger (Zweiter von links) wurde vom Kreisbeigeordneten Carsten Müller mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet. Darüber freuen sich auch Ehefrau Jutta und Thomas Erb, Vorsitzender des Musikvereins.

„Das ist ein untrügliches Zeichen, dass alle dichtgehalten haben: Rolf Wurtinger trägt kurze Hosen“, sagt Kreisbeigeordneter Carsten Müller am Sonntag auf dem Festplatz in Offenthal schmunzelnd.

Offenthal – Der Dirigent des Musikvereins ahnt nicht, dass er an diesem Morgen mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet wird. Dabei hat er sich die Ehrung redlich verdient: Seit 30 Jahren leitet Wurtinger (54) das Orchester des Musikvereins Offenthal, seit mehr als 45 Jahren ist er Vereinsmitglied und seit 35 Jahren im Vorstand aktiv. Neben Carsten Müller, der Wurtinger die Nadel ans Jubiläums-T-Shirt steckt, gratulieren Christoph Degen, Präsident des Hessischen Musikverbandes, und Landesmusikdirektor Karsten Meier.

Schon als Kind ist Rolf Wurtinger mit seinen Eltern bei Veranstaltungen, auf denen der Musikverein spielt. Er selbst startet seine musikalische Karriere an der Blockflöte. „Ich erinnere mich gerne, wir hatten nämlich eine tolle Flötenlehrerin und haben schon damals im Quintett gespielt. Ich war der einzige Bub unter vielen Mädchen. Da habe ich mich sehr wohlgefühlt,“ verrät Wurtinger lachend. Die Liebe zu den Blasinstrumenten bleibt. Er steigt schon früh auf die Klarinette um und findet den Weg in den Musikverein.

„Ich hatte noch nicht einmal die Ausbildung“

Dass er dort die Leitung des Orchesters übernimmt, resultiert aus einer schwierigen Situation: „Ende der 80er Jahre sah es nicht so gut aus für den Verein. Wir haben uns aus Mangel an Mitspielern mit der Spielgemeinschaft Langen-Egelsbach zusammengeschlossen. Das führte aber dazu, dass noch mehr Offenthaler absprangen, die den Weg nach Langen zu den Proben nicht auf sich nehmen wollten“, erzählt Wurtinger. Das Ziel ist aber die Rettung des Vereins. Den verbliebenen Aktiven gelingt es, wieder ein eigenes Orchester auf die Beine zu stellen. Mit der Ausbildung junger Spieler und dem Comeback des Orchesters steigt Wurtinger als Dirigent ein. „Ich hatte noch nicht einmal die Ausbildung. Ich habe das aber schnell beim Hessischen Musikverband nachgeholt.“

Wurtinger liegt richtig mit der Entscheidung, die musikalischen Nachmittage des Orchesters wieder zu richtigen Konzerten zu entwickeln. Ein großes Augenmerk legt der Dirigent bis heute auf eine gründliche Nachwuchsarbeit, um die jungen Menschen zu fördern und über das Jugendorchester in das große Orchester zu integrieren. Nach den Höhepunkten aus 30 Jahren als musikalischer Leiter gefragt, erzählt Wurtinger mit leuchtenden Augen vom großen Konzert zum 90. Geburtstag des Vereins vor zehn Jahren: „Da war das Polizeiorchester zu Gast bei uns. Wir haben drei Lieder zusammengespielt. Da den Ton anzugeben, für so viele und professionelle Musiker, das war schon ein Erlebnis.“

Die Musik bedeutet ihm persönlich innere Zufriedenheit und Glück. Ein Instrument zu spielen sei schön, in Gemeinschaft noch schöner und dann auch noch jungen Menschen diese Leidenschaft nahe zu bringen, sei das Größte überhaupt, schwärmt der Landesehrenbriefträger.

Überraschende Auszeichnung

Persönliches Lebens- und Liebesglück hat ihm die Musik zudem auch gebracht: Ehefrau Jutta, damals bis heute selbst beim Blasorchester Dreieich aktiv, hat er über das gemeinsame Musizieren kennengelernt. Da ist es keine Frage, dass der eigene Nachwuchs ebenfalls musikalisch ist. Die Töchter Tina und Sandra spielen Trompete und Waldhorn im Orchester.

Die Auszeichnung ist eine Überraschung für ihn: „Wenn ich gewusst hätte, dass ich am Sonntagmorgen noch mal vor Carsten Müller, Philipp Degen und Karsten Meier auf der Bühne stehe, hätte ich natürlich lange Hosen getragen“, sagt Wurtinger grinsend. Aber gefreut hat er sich wie Bolle. Es sei ihm eine große Ehre. „Und es ist ein Zeichen, dass ich manches richtig gemacht habe. Ich freue mich sehr über diese Wertschätzung.“ Für die Zukunft wünscht er sich und seiner Familie Gesundheit und weiterhin Freude an der Musik; für seinen 100 Jahre alten Verein weiter viele tatkräftige Unterstützer, die das Orchester mit Leben, Nachwuchs und viel Musik füllen. Wenn er einen Wunsch frei hätte: „Ein Tuba- und ein Posaunenspieler wären nicht schlecht.“  

njo

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare