Ins neue Zeitalter katapultiert

Wie Dreieicher Schulen das erzwungene digitale Lernen während der Corona-Krise handhaben

Heiß begehrtes Klopapier: Welcher Dino bekommt wie viele Rollen? Referendar Mohammed Tayyar verrät es den Gerhart-Hauptmann-Schülern in der Videoauflösung.
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Heiß begehrtes Klopapier: Welcher Dino bekommt wie viele Rollen? Referendar Mohammed Tayyar verrät es den Gerhart-Hauptmann-Schülern in der Videoauflösung.

Das Lerne während der Corona-Krise stellt viele Schulen vor neue Herausforderungen. Das Internet ist eine wichtige Hilfe.

Dreieich – Während der Corona-Krise ist vieles ganz anders als gewohnt – auch das Lernen. Da die Schulen geschlossen sind, müssen Lehrer ihren Schützlingen auf anderen Wegen Wissen vermitteln. Zwei Beispiele zeigen, wie das gehen kann – und wo noch Luft nach oben ist. Seit Beginn des Schuljahres nutzt die Ricarda-Huch-Schule (RHS) das sogenannte Schulportal, das das Kultusministerium eingerichtet hat. Auf dem hessenweiten Onlineportal – ehemals LANiS (Leicht administrierbare Netzwerke in Schulen) – können alle teilnehmenden Schulen eine digitale Lernumgebung einrichten: Es können Stundenpläne, Kalender und Lerngruppen verwaltet oder Dokumente ausgetauscht werden. Da es eine offizielle Plattform ist, sind Datenschutzfragen kein Problem. „Von der Infrastruktur her sind die Möglichkeiten also da“, sagt Rainer Tyszkiewicz, stellvertretender Schulleiter des Sprendlinger Gymnasiums. Aber was die Nutzung angehe, stünden alle Beteiligten – Lehrer, Schüler und Eltern – noch am Anfang. „Mit der Corona-Krise wurde dieser Prozess jetzt beschleunigt“, sagt Tyszkiewicz. „Wir wurden quasi ins neue Zeitalter katapultiert.“

Deshalb gebe es organisatorisch momentan noch keine klare Linie. Die Lehrer der RHS stellen ihren Schülern auf unterschiedlichen Wegen Material zur Verfügung. „Das ist gerade noch individuell – die meisten verschicken es allerdings elektronisch, über das Portal oder per Mail“, sagt Tyszkiewicz. Die Schulleitung habe aber beschlossen, dass das vereinheitlicht werden soll. Dazu wird bei den Lehrern gerade abgefragt, wie sie vorgehen. „Wir möchten es für Schüler und Eltern durchsichtiger gestalten“, sagt Tyszkiewicz. Wenn das coronabedingte digitale Lernen nach den Osterferien weiterläuft, soll klar ersichtlich sein, wie die Schüler an Unterlagen für das jeweilige Fach gelangen. Daran kann die Schule arbeiten, es gebe aber ein anderes großes Problem. „Die Serverkapazität reicht nicht aus“, sagt Tyszkiewicz. „Wer zwischen 10 und 12 Uhr auf das Portal zugreifen möchte, kommt meistens nicht rein.“ Denn jetzt müssten es eben alle gleichzeitig nutzen.

Die Gerhart-Hauptmann-Schule (GHS) bietet neben wöchentlichen Arbeitsaufträgen, die auf der Schulhomepage stehen, etwas Besonderes. Die Lehrer geben den Grundschülern auf einem Youtube-Kanal Anregungen, um die Zeit zu Hause sinnvoll zu verbringen. Es gibt Bastelanleitungen, Malaufgaben, Sportübungen und Rätsel als Videos zum Nachmachen.

In den Clips sagen die Lehrer aber auch, wie es ihnen geht und, dass sie sich freuen, die Kinder wiederzusehen. „Als Lehrkräfte machen wir uns in dieser Ausnahmesituation Gedanken um das Wohlbefinden unserer Schüler. Die Situation ist sehr belastend“, sagen die rBFZ-Lehrerinnen (regionales Beratungs- und Förderzentrum) Sandra Wittmaack und Edith Sturm, die die GHS betreuen. Die Pädagoginnen loben den Einfallsreichtum und das Engagement des Kollegiums. „Bisher stand die Nutzung von digitalen Medien stark im Hintergrund. Das hat sich mit der Einstellung des regulären Unterrichts ad hoc grundlegend geändert.“ Die Lehrer setzten durch die neue Kommunikation mit Schülern und Eltern Ideen um, die vorher kaum möglich schienen. Die Schulleitung koordiniert alles. „Es ist eine gute Vernetzung, die Tag für Tag weiter ausgebaut wird. Und wir können die emotionale Bindung zu den Schülern aufrechterhalten, die Grundbedingung für erfolgreiches Lernen ist“, so Wittmaack und Sturm.

Die Grundschule hat schon über 40 Videos veröffentlicht. „Die Resonanz ist gewaltig und die Kinder sind mit Begeisterung dabei“, sagen die Lehrerinnen. Auch die Eltern seien begeistert. Nicht zuletzt dürfen die Kinder selbst kreativ werden und eigene Videos drehen. Und damit es nicht langweilig wird, gibt es vor den Osterferien noch eine besondere Überraschung.

Infos im Internet

youtube.com (Suchbegriff: Gerharts Mäuseschule)

Eine Firma aus Dreieich hat derweil eine Corona-App programmiert, die den Nutzer bei Kontakt mit einem Infizierten warnt.

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