Wolf Dieter Gäbert war 37 Jahren an der Max-Eyth-Schule

Schulleiter in Dreieich geht in den Ruhestand

Die Entlassungsurkunde bekam Wolf Dieter Gäbert (Zweiter von rechts) von Markus Winter (Staatliches Schulamt) überreicht; im Beisein von Landrat Oliver Quilling (links) und Bürgermeister Martin Burlon.
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Die Entlassungsurkunde bekam Wolf Dieter Gäbert (Zweiter von rechts) von Markus Winter (Staatliches Schulamt) überreicht; im Beisein von Landrat Oliver Quilling (links) und Bürgermeister Martin Burlon.

Er hat zahlreiche Entwicklungen und Umbrüche erlebt. Wolf Dieter Gäbert war 37 Jahre an der Max-Eyth-Schule in Dreieich. Nun geht der Schulleiter in den Ruhestand.

Dreieich – Es ist ein gemütliches Büro mit großem Schreibtisch, einer Couch-Sitzecke und einem großen Besprechungstisch, an dem regelmäßig das Schulleitungsteam tagt. „Ich kann es noch gar nicht so richtig sagen, wie es sich anfühlen wird, hier nicht mehr zu sitzen. Ich glaube, das kommt erst nach dem Urlaub, nach den Sommerferien, wenn ich nicht mehr hierher zurück- komme“, sagt Wolf Dieter Gäbert mit einem Schmunzeln.

Am Mittwochmittag bekam der Leiter der Max-Eyth-Schule in der Aula im Haus des Lebenslangen Lernens von Markus Winter, Staatliches Schulamt Offenbach, seine Entlassungsurkunde überreicht. 37 Jahre nach seinem Antritt als junger Referendar an dem beruflichen Gymnasium in Dreieich und nach acht Jahren als Chef der großen Schule mit 2 200 Schülern und 160 Lehrern ist nun also Schluss.

Als Frankfurter Bub im Gallusviertel aufgewachsen, zieht er mit seinen Eltern mit zwölf Jahren nach Götzenhain. „Das war schon ein kleiner Kulturschock, im Gallus war das Klima rauer“, erinnert sich der Pädagoge. 1976 macht er Abitur an der Ricarda-Huch-Schule und studiert nach dem Zivildienst an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Frankfurt Wirtschaftspädagogik mit Germanistik als Nebenfach. Mit dem Staatsexamen als Diplom-Handelslehrer in der Tasche wird er 1984 Referendar an der Max-Eyth-Schule. „Ich habe die ganze Entwicklung live miterlebt. Das besondere an dieser Schule ist, dass wir für viele junge Leute eine neue Chance bieten. Jeder, der zu uns kommt, beginnt mit einer weißen Weste und kann einen Neustart hinlegen“, erläutert Wolf Dieter Gäbert. Die Schülerschaft sei so vielfältig wie die zahlreichen Lehrer. Vom Förderschüler, der in der Berufsvorbereitung weiter reift, bis zu den Abiturienten, die auf dem Sprung an die Universitäten sind.

Für Gäbert persönlich gab es durchaus Momente, wo er sein Lehrerdasein hinterfragt hat: „Mitte der Neunziger steckte ich in einer Krise und habe mich gefragt, ob das jetzt schon alles ist.“ Er übernimmt mehr Verantwortung und bleibt.

Der langjährige Schulleiter Walter Schwarz, neben dem Wolf Dieter Gäbert 2007 stellvertretender Schulleiter wird, habe die Entwicklung des beruflichen Gymnasiums sehr gepusht. „Es ist sein Verdienst, dass seine Idee des Campus und des HLL hier verwirklicht wurde. Das hat uns als Schulgemeinde und das Arbeitsumfeld extrem verbessert“, erinnert sich der scheidende Schulleiter gerne an die Eröffnung des Campus im Februar 2009, der seitdem unter anderem die Max-Eyth-Schule, die Schule für Erwachsene und die VHS unter einem Dach beheimatet und für modernste Arbeitsbedingungen sorgt. Das berufliche Gymnasium wird in der Folge für die Schülerschaft attraktiver und wächst um 500 Schüler. Mit dem plötzlichen Tod von Schwarz wird Gäbert kommissarisch Schulleiter, 2014 wird er offiziell zum Chef ernannt.

Wolf Dieter Gäbert ist ein sportlicher, offener und kommunikativer Mensch. Sein Führungsstil ist wohl am besten mit demokratisch zu beschreiben. „Meine Tür im Büro steht immer offen. Ich arbeite wahnsinnig gerne mit diesem tollen Schulleitungsteam zusammen. Das wird mir sehr fehlen“, sagt der scheidende Chef. Als sogenannte selbstständige berufliche Schule hat die Max-Eyth-Schule mehr Verantwortung als manch andere Schule in Hessen. Das Budget ist frei planbar, im Umkehrschluss muss der Schulleiter auch das Personalbudget passend planen.

Jetzt ist Wolf Dieter Gäbert ziemlich „nervös und gespannt“, wie er selbst sagt. Am Freitag steht die große Verabschiedung mit dem Kollegium an. „Ich gehe mit einem hervorragenden Gefühl. Die Max-Eyth-Schule ist gut bestellt und hat ein funktionierendes Team. Ich mache mir gar keine Sorgen um die Zukunft der Schule.“

Furcht vor Langeweile im Ruhestand hat Gäbert nicht. Der Sprendlinger will weiter sportlich sein, viel Rad fahren, Ski laufen und joggen. „Ich will mehr kochen und vielleicht fange ich an zu malen“, sagt der 64-Jährige. Seine Frau Helga ist Lehrerin an der Ricarda-Huch-Schule und bleibt noch im Dienst. Deswegen muss die Fahrt mit dem ausgebauten VW-Bus nach Kroatien weiterhin in den Ferien geplant werden. Ehefrau Helga und die Kinder Felix (30) und Katharina (26) waren bei der feierlichen Übergabe der Entlassungsurkunde natürlich dabei.

Von Nicole Jost

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