Schweres Gerät auf sensiblem Terrain

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Matthias Scherbaum mit einer topografischen Karte des Lorscher Geländes. Wenn die August Fichter GmbH die Umgestaltung der Außenanlage 2013 abgeschlossen hat, wird sie nicht viel länger in Sprendlingen beheimatet sein. Die Firma zieht mit 320 Mitarbeitern nach Raunheim.

Dreieich/Lorsch - In so gut wie jedem Geschichtsbuch ist die Torhalle des Klosters Lorsch abgebildet. Unesco-Weltkulturerbe – das klingt nach was. Mitarbeiter der Firma August Fichter bekommen das derzeit eingerüstete Baudenkmal täglich live zu Gesicht. Von Cora Werwitzke

Die zurzeit noch in Sprendlingen ansässige Firma hat den Wettbewerb um die Umgestaltung des Klostergeländes gewonnen.

Matthias Scherbaum, Geschäftsführer der August Fichter GmbH, Sparte Garten- und Landschaftsbau, Straßen- und Sportstättenbau, faltet einen Plan auseinander. „Es gibt nur wenige erhaltene Gebäude auf dem Gelände.“ Er deutet auf die eingezeichneten Grundrisse. „Der Großteil des eigentlichen Klosters ist nicht mehr erhalten.“ Aufgabe sei es nun unter anderem, die Konturen des ehemaligen Gemäuers mit Abdrücken in der Rasenfläche kenntlich zu machen. „Durch ein Wechselspiel aus Erhöhungen und Vertiefungen“, konkretisiert er. Besucher sollen dort künftig die nicht mehr vorhandenen Mauern des 764 gegründeten Klosters erkennen. Das Land Hessen als Auftraggeber erhofft sich davon „eine bessere Erlebbarkeit der Klosterstätte“.

Kolonne aus Sprendlingen

Seit Dezember rückt eine Kolonne aus Sprendlingen aus – „bisher, um eine Baustraße als Zugang zu schaffen“, erläutert Scherbaum. Während der kalten Phase lagen die Bauarbeiten auf Eis. In ein paar Tagen soll es wieder losgehen. Die Arbeit rund um denkmalgeschützte Bauten nennt Scherbaum „hochsensibel“. Im aktuellen Projekt gibt’s beispielsweise einen alten Mönchsfriedhof, der nur einen halben Meter unter der Erde vermutet wird. Schweres Gerät könnte auf dem Gelände unliebsame Erschütterungen auslösen, „deshalb können wir lediglich leichte Fahrzeuge mit möglichst breiten Ketten einsetzen“, so der Betriebsleiter. Ein Denkmalpfleger begleitet das Projekt, das Ende 2013 zum Abschluss kommen soll. Noch ziemlich lange hin, könnte man meinen. „Es sind eben viele Leute involviert“, liefert Scherbaum die Erklärung. „Es kann jederzeit passieren, dass wir wegen archäologischer Grabungen Pausen einlegen müssen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Firma solchen Herausforderungen stellt. Zu ihren Referenzprojekten gehören die Außenanlagen des Klosters Eberbach und der Mönchhofkapelle in Raunheim. Scherbaum berichtet, dass die renommierten Aufträge innerhalb der vergangenen fünf Jahre wegweisend für die Firma waren: „Dem Denkmal-Trio steht unser Banken-Trio gegenüber“, führt er aus. Deutsche Bank, Bundesbank und Europäische Zentralbank – den Zuschlag zur Gestaltung der Außenbereiche bekam jeweils Fichter.

„Dieser Kontrast ist Absicht“

Die Pläne, nach denen sich die Firma jetzt am Kloster Lorsch richtet, stammen vom Architekturbüro Topotek 1. „Wie man hier sieht“, Scherbaum wendet sich wieder der topografischen Karte zu, „sind auch neue Wege vermerkt. Sie sind abstrakt-modern angeordnet.“ Besucher sollen sie nicht mit historischen Befestigungen verwechseln. „Dieser Kontrast ist Absicht“, verdeutlicht er.

Vorerst kommen Ausflügler freilich weniger auf ihre Kosten. Zugänglich ist das Gelände im Moment zwar noch, aber der Besuch ist „zunehmend mit Einschränkungen verbunden“, weiß der Betriebsleiter. Folglich muss 2013 wohl die Abbildung der Torhalle im Geschichtsbuch reichen. Bevor es sich nächstes Jahr dann doppelt lohnt, die von (Noch-)Sprendlinger Hand verlegte Kontur des nicht mehr sichtbaren Klosters entlang zu schreiten.

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