Auf dem Burggelände

Spanisch schlemmen in Holzhütten: Neue Form der Außengastronomie in Dreieich

Hüttendorf mit Lagerfeuer: Wenn das Licht an einer der Buden im Burggarten Rot leuchtet, haben die Gäste einen Wunsch.
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Hüttendorf mit Lagerfeuer: Wenn das Licht an einer der Buden im Burggarten Rot leuchtet, haben die Gäste einen Wunsch.

Der Dreieichenhainer Burggarten hat sich in ein kleines Hüttendorf verwandelt. Die stabilen Häuschen des Geschichts- und Heimatvereins stehen aufgereiht im Halbkreis vor der historischen Kulisse. In den Abendstunden sind die Dächer durch bunte LED-Lichter beleuchtet und auf dem Platz sorgt ein knisterndes Feuer in einer Schale für noch mehr Atmosphäre.

Dreieich - Nein, der Verein probt nicht für den Weihnachtsmarkt im Dezember, denn der fällt ja bekanntlich aus. Ein Blick in die Hütten verrät: Hier können Gäste der spanischen Tapas-Bar El Castillo in kleiner Runde mit vier bis maximal acht Personen essen. Ganz individuell hat Gastronomin Susann Garcia die Buden gestaltet: In der ersten Holzhütte hängt die Flagge Mallorcas, die nächste ist mit der Fahne der Kanaren bestückt und die letzte in der Reihe, die sogenannte VIP-Hütte, ist in den Farben von Madrid gehalten.

„Die Außenbeleuchtung hat einen zusätzlichen Sinn“, erklärt Susann Garcia. „Mithilfe einer Fernbedienung können unsere Gäste aus der Hütte heraus das Licht auf Rot oder Grün stellen. Rot signalisiert uns, dass die Gäste eine neue Bestellung aufgeben möchten.“

Damit niemand friert, sind die mit Gartenmöbeln und Leuchten ausstaffierten Hütten auch mit einer kleinen Dachheizung ausgestattet. Fall es doch mal kühl wird, gibt es zusätzliche Decken, die täglich gewaschen werden. „Morgen installieren wir noch Plexiglasscheiben in den Häuschen. Die ganze Zeit war es noch warm genug, dass wir die Klappen einfach so öffnen konnten. Jetzt dichten wir die Fenster ab, dann können unsere Gäste rausschauen und haben es trotzdem warm“, kündigt Garcia weitere Verbesserungen für den perfekten Tapasabend an. Neueste Idee ist ein spanisches Raclette, das es ab dieser Woche gibt. Dabei können sich die Feinschmecker die Gambas al Ajillo direkt am Tisch zubereiten.

Für das Hüttendorf im Burggarten gilt die Binse: „Not macht erfinderisch.“ Susann Garcia hat vor zwei Monaten fieberhaft überlegt, wie sie ihre spanische Tapas-Bar heil über die kalte Jahreszeit bringen kann. Über die Sommermonate war sie mit spanischen Festivals auf dem großen Platz vor dem Dreieichmuseum ja schon durchaus erfinderisch. „Ich habe mir wirklich den Kopf zerbrochen, denn mit den kühler werdenden Abenden kamen auch die Absagen. Gerade die ältere Kundschaft kommt gerne, wenn sie draußen sitzen kann. Die Leute wollen das Risiko in einem geschlossenen Raum nicht eingehen“, erklärt Garcia. Dabei hat sie Tische und Stühle im Restaurant schon erheblich reduziert, statt bis zu 60 Gäste bewirtet sie derzeit nur noch 30 Besucher.

Mit den Hütten kann sie jetzt Geselligkeit in separater Runde anbieten. „Unsere Gäste wissen das neue Angebot sehr zu schätzen. Schon die ersten Abende waren die Buden sehr gut gebucht und am Wochenende haben wir keine Hütte mehr frei. Es ist ein idealer Ort auch für kleine Weihnachtsfeiern oder Familienessen“, ist Susann Garcia dem Geschichts- und Heimatverein dankbar, dass er ihr den Platz zur Verfügung stellt. Die Holzhäuschen, die eigentlich für den Weihnachtsmarkt genutzt werden, sind vom Gewerbeverein Dreieichenhain. Für die Gastronomie sei die Situation in der Pandemie extrem schwierig. „Ich werde kämpfen. Dieses Lokal hier ist mein Traum, den ich seit fünf Jahren lebe. Den werde ich mir durch Corona nicht zerstören lassen.“ (Von Nicole Jost)

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