Mit zwei gefällten Weiden illegalen Trampelpfad in den Baierhansenwiesen gesperrt

Spekulationen schießen in Dreieich ins Kraut

Schwer zu sagen, ob die Blockade des illegalen Trampelpfads im Moment noch existiert. Unbekannte hatten sie in den vergangenen Tagen entfernt, Mitarbeiter des DLB die Stämme wieder an ihren Platz befördert.
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Schwer zu sagen, ob die Blockade des illegalen Trampelpfads im Moment noch existiert. Unbekannte hatten sie in den vergangenen Tagen entfernt, Mitarbeiter des DLB die Stämme wieder an ihren Platz befördert.

Die Fällung von zwei Weiden in den Baierhansenwiesen in Dreieich hat für Irritationen gesorgt. Doch die Stadt beruhigt und erklärt den Vorgang.

Dreieich – Wenn im Naherholungsgebiet Baierhansenwiesen Arbeiter mit Motorsägen am Werk sind, schießen schnell Spekulationen ins Kraut. So auch dieser Tage wieder, als zwei Weiden gestutzt wurden – was in sozialen Netzwerken Entrüstung auslöste und Verschwörungstheorien gedeihen ließ. So kann man dort unter anderem lesen, das Kapital blase zum Angriff auf Grund und Boden und „die Aktion Baugebiet Baierhansenwiesen nimmt Fahrt auf“.

„Die Maßnahme hat nichts mit irgendwelchen Bauspekulanten zu tun“, hält Claudia Scheibel, Leiterin der Pressestelle im Rathaus, dagegen. Die Aussage bezieht sich vermutlich auch auf die dubiosen Schreiben einer Neu-Isenburger Investmentgesellschaft, die von Privatleuten Garten- und Ackerflächen in den Baierhansenwiesen und im Seegewann erwerben möchte (wir berichteten).

Um was geht’s im konkreten Fall? Die Stadt hat in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises zwei Weiden fällen lassen. Das geschah vor dem 1. März, also regulär vor Beginn der Brut- und Setzzeit. Mit den Ästen wurde ein illegaler Trampelpfad gesperrt, doch die Stämme verschwanden nach kurzer Zeit. Unbekannte hatten sie zur Seite gezogen, damit der Weg wieder passierbar ist. Mittlerweile haben Mitarbeiter des städtischen Dienstleistungsbetriebs (DLB) die Barrikade aus Holz wieder an ihren Platz befördert.

„Ehrlich gesagt: Ich bin ratlos und ich finde das Verhalten dieser unbekannten Leute rücksichtslos und egoistisch“, sagt Karl Markloff, Ressortleiter Infrastruktur und Umwelt im Dreieicher Rathaus. Die beiden Weidenstämme seien im Einvernehmen mit der UNB gefällt worden, bestätigt Ursula Luh, Sprecherin des Kreis Offenbach, auf Anfrage. Seit Jahren schon ist es ein Problem in dem Landschaftsschutzgebiet, dass Spaziergänger abseits der öffentlichen Wege und trotz Verbots durch die Wiesen laufen. Immer wieder werden Schilder und sogar junge Pflanzen rausgerissen. Auch über den Schlagsbach legen Unbekannte immer wieder Bretter, um direkt auf die Wiesen zu kommen. Dabei ist deren Betreten nicht erlaubt: „Das ist zum einen Privatgelände, über das man sowieso nicht einfach laufen darf. Und dann ist es auch noch eine ökologisch besonders wertvolle Wiese, auf der seltene Pflanzen wachsen, die natürlich nicht kaputt getrampelt werden sollen“, erläutert Markloff.

Aus diesem Grund sei das Areal im vergangenen Jahr auch aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen worden – es wird nur noch einmal im Jahr von einem Landwirt gemäht. Um Spaziergänger insbesondere mit Hunden von der Querung abzuhalten, wurde der Weg mit Bäumen abgeriegelt, die bei Pflegemaßnahmen ohnehin gekürzt werden mussten. „Wir stellen in den vergangenen Jahren durchaus fest, dass die Menschen den Schutz der Wiese akzeptieren. Die meisten Spaziergänger, Radfahrer und Hundehalter nutzen den eigens dafür gestalteten Rundweg um die Baierhansenwiesen. Sie sind vernünftig und wir haben mit Aufklärung auch vieles erreicht. Aber ein paar Unverbesserliche gibt es eben immer“, ärgert sich Markloff über diese Rücksichtslosigkeit.

Rückendeckung bekommen die Verantwortlichen von den Grünen, bei denen das Thema Natur- und Umweltschutz bekanntlich sehr hoch hängt. Es gehe darum, bedrohte Pflanzenarten auf der Wiese zu schützen. „Entsprechende vorherige natürliche Abgrenzungen (Hecke) und Hinweise (Schilder) wurden leider immer wieder zerstört, wobei auch seltene Pflanzen zu Schaden kamen“, schreibt die Partei. Allerdings kann sie sich auch leise Kritik nicht verkneifen: „Ob es klügere Lösungen gibt, als im frühen Frühjahr ausgerechnet Weiden zur Sperrung eines illegalen Pfades zu fällen, sei dahingestellt.“ (Von Nicole Jost Und Frank Mahn)

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