Gutachten zu Sportanlagen

Zwei Plätze geraten ins Abseits

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Der Sportplatz An der Sandkaut ist die Heimat des FC Offenthal. Eine kostspielige, findet Gutachter Andreas Kampmann und empfiehlt eine Verlagerung des Betriebs auf das Susgo-Gelände Am Sportplatz.

Dreieich - Wenn es nach der Ingenieurgesellschaft L. A. U. B. aus Kaiserslautern geht, gibt es in Dreieich bald zwei städtische Sportplätze weniger. Von Frank Mahn

Gutachter Andreas Kampmann empfiehlt der Kommune, die Anlagen An der Sandkaut (Offenthal) und Im Haag (Dreieichenhain) wegen zu geringer Auslastung aufzugeben. Das Gelände In der Neuen Lach (Sprendlingen) sollte noch einmal tiefgehender betrachtet werden. Es sind die von der Stadt erhobenen Nutzungsgebühren, die vor allem den Fußballvereinen seit 2014 Kummer bereiten. Glücklich ist mit dem Modell keiner, auch im Rathaus nicht. Eingeführt wurde es, um im Bereich der Sportplatzunterhaltung ein im Kienbaum-Gutachten gefordertes Einsparvolumen von 300.000 Euro im Jahr zu erzielen. Die von den Vereinen zu schließende Lücke liegt für das vergangene Jahr voraussichtlich noch bei knapp 80.000 Euro.

Es war die IG Sportplatz (SG Götzenhain, SV und TV Dreieichenhain, JFV 2014 Dreieichenhain-Götzenhain und SC Buchschlag), die einen anderen Weg vorschlug, um Geld zu sparen. Ihre Idee, die städtischen Anlagen von einem externen Gutachter bewerten zu lassen, griff der Magistrat auf – das Ergebnis liegt seit Kurzem vor.

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Landschaftsarchitekt Kampmann stellte seine Untersuchung am Montagnachmittag dem Magistrat und am Abend den Mitgliedern der Sportplatzkommission vor. Seine Ausführungen und Schlussfolgerungen werden vor allem dem FC Offenthal und dem SV Dreieichenhain nicht schmecken. Der Rasenplatz des SVD Im Haag ist der mit Abstand am geringsten ausgelastete Platz im Stadtgebiet. Bei der Beurteilung der Auslastung wurden unter anderem Richtwerte des DFB zu Grund gelegt – demnach kann ein Rasenplatz etwa 725 Stunden im Jahr bespielt werden, ohne dauerhafte Schäden davonzutragen.

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Beim SVD sind es gerade einmal 193 Stunden (27 Prozent). Im Verhältnis zu den Kosten und durch die Nähe zur TVD-Anlage an der Breiten Haagwegschneise empfiehlt Kampmann die Aufgabe des Platzes und die Verlägerung des Betriebs auf das Gelände des Nachbarvereins. Der dortige Naturrasen würde dann rechnerisch auf eine Auslastung von 71 Prozent kommen, „was einer noch durchschnittlichen Belastung entspricht“, so Kampmann.

Ähnlich bewertet er die Situation in Offenthal. Zwar ist der Rasen des FCO stärker belegt als der auf dem Susgo-Gelände (41 und 37 Prozent), aufgrund seiner Lage als Einzelplatz und der Unterhaltskosten sei der Platz An der Sandkaut aber weder wirtschaftlich noch sinnvoll. Der gesamte Offenthaler Fußballbetrieb kann nach Ansicht des Gutachters auf dem Susgo-Areal abgewickelt werden, zumal dort auch ein Kunstrasen vorhanden ist.

Standorte mit mehreren Plätzen erhalten

Etwas anders sieht’s in Sprendlingen aus. Trotz der höchsten Auslastung des ausschließlich vom FV 06 genutzten Platzes In der neuen Lach (45 Prozent) sollte nach Auffassung von Andreas Kampmann ein Umzug an die Maybachstraße geprüft werden. Das Gelände dort sei zwar in Kombination mit dem Kunstrasen die insgesamt am stärksten frequentierte Sportstätte in der Stadt, biete aber noch Potenzial.

Grundsätzlich, so der Gutachter, sei es sinnvoll, Standorte mit mehreren Plätzen zu erhalten statt solche mit Einzelplätzen. Bei Ersten sei in der Regel eine bessere Infrastruktur (Wege, Parkplätze, Umkleidegebäude etc.) vorhanden. Zudem seien Standorte mit mehreren Feldern unter dem Strich kostengünstiger zu unterhalten. Eine höhere Belastung führe zwar zu Mehrausgaben bei der Pflege, die aber in keinem Verhältnis zur Kosteneinsparung durch die Aufgabe eines Platzes stünden, heißt es in der Expertise.

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Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) ist vorsichtig optimistisch. Das Gutachten habe den Weg zu weiteren Einsparpotenzialen aufgezeigt. Konkrete Summen, wie viel Geld sich durch die Schließung eines Platzes generieren ließe, will er nicht nennen. Nur so viel: „Ein Platz wird nicht reichen, um das Konsolidierungsziel zu erreichen.“ Der Erste Stadtrat ist aber guter Dinge, dass die „bei allen Beteiligten unbeliebten“ Sportplatznutzungsgebühren bald ad acta gelegt werden können. Die Vereine müssten sich nun erst einmal beraten, meint der Erste Stadtrat. Der Magistrat werde einen Vorschlag ausarbeiten, der dann dem neuen Stadtparlament vorgelegt werde. Mit einer Entscheidung rechnet Burlon erst Mitte des Jahres.

Und was passiert mit den Plätzen, sollten sie tatsächlich aufgegeben werden? Zu Bauland vergolden lassen sie sich jedenfalls nicht, weil sie im Außenbereich liegen. Sie würden also der Natur überlassen. „Rein theoretisch“, so Burlon, „könnte sie auch jemand für einen symbolischen Euro pachten“.

Zustand gut bis befriedigend

Gutachter Andreas Kampmann hat die sieben städtischen Naturrasenplätze auf ihren Zustand und ihre Auslastung hin unter die Lupe genommen. Diese Plätze seien qualitativ wesentlich stärker von der Pflege und den Nutzungsstunden abhängig als die vorhandenen Tennen- beziehungsweise Kunstrasenplätze., so der Fachmann. „Diese wurden bei den möglichen Nutzungsstunden jedoch miterfasst und berücksichtigt.“ Kampmann hat für den Gesamtzustand der Plätze Schulnoten vergeben. Daraus ergibt sich folgendes Bild (in Klammern die jährliche Nutzungsdauer und die Auslastung):

  • Am Sportplatz Offenthal: 2,0 (269 Stunden, 37 Prozent)
  • An der Sandkaut Offenthal: 2,0 (296 Stunden, 41 Prozent)
  • Maybachstraße Sprendlingen: 2,1 (305 Stunden, 42 Prozent)
  • Rheinstraße Götzenhain: 2,3 (306 Stunden, 42 Prozent)
  • Im Haag Dreieichenhain: 2,3 (193 Stunden, 27 Prozent)
  • Breite Haagwegschneise Dreieichenhain: 2,6 (320,5 Stunden, 44 Prozent)
  • In der Neuen Lach Sprendlingen: 3,0 (329 Stunden, 45 Prozent)

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