Strecke zwischen Frankfurter Südbahnhof und Langen

Gesperrte S-Bahn-Strecke: Ersatzverkehr nervt Anwohner - Busse zu schnell und extrem laut

Die grüne Linie des Schienenersatzverkehrs der S-Bahn zwischen Frankfurt-Süd und Langen fährt auch die Haltestelle Sprendlingen-Süd an, was bei den Anwohnern auf wenig Verständnis stößt.
+
Die grüne Linie des Schienenersatzverkehrs der S-Bahn zwischen Frankfurt-Süd und Langen fährt auch die Haltestelle Sprendlingen-Süd an, was bei den Anwohnern auf wenig Verständnis stößt.

Wegen Bauarbeiten fahren die S-Bahnlinien 3 und 4 aktuell nicht zwischen dem Frankfurter Südbahnhof und Langen. Noch bis zum 27. Juli ist ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet – auf zwei unterschiedlichen Strecken. Kritik gibt es nun an der Wegeführung.

Dreieich – Die rote Linie steuert alle Bahnhöfe zwischen Frankfurt Süd und Langen an, die grüne fährt über das Isenburg-Zentrum und die Haltestelle Sprendlingen Süd. Das stößt bei Anwohnern auf Unverständnis. Diese halten die Haltestelle für baulich ungeeignet für Gelenkbusse und nicht behindertengerecht ausgebaut. „Warum wurde, wenn die grüne Strecke schon sein muss, nicht die Haltestelle Sprendlingen Mitte ausgewählt?“, fragt Anwohner Thomas Müller. Von dort sei die fußläufige Verbindung zum Sprendlinger Bahnhof, der übrigens nicht von der S3 und S4 angefahren wird, nicht länger. Die Haltestelle Sprendlingen Mitte sei eine Doppelhaltestelle, behindertengerecht ausgebaut und somit wesentlich besser geeignet.

„Alternativ hätte man die grüne Line auch über den Haltepunkt Weibelfeld führen können, welcher wegen seines guten Ausbaustandards und keiner direkt angrenzenden Wohnbebauung viel besser geeignet wäre“, so Müller. Der kleine Umweg für den Bus wäre wesentlich benutzerfreundlicher. Am Weibelfeld hätte man auch bequem zu anderen Buslinien umsteigen können. Zudem möchte der Anwohner wissen, warum der Ersatzverkehr nicht als Schnellverbindung vom Südbahnhof zum Teil über die A661 und B486 nach Langen geführt worden ist.

Sprendlingen: S-Bahn-Strecke wegen Bauarbeiten gesperrt - Ersatzverkehr sorgt für Ärger bei Anwohnern

Ein weiterer Kritikpunkt sind die großen Busse, die maximal mit zehn Personen pro Fahrt besetzt sind. Zudem würde in den Nachmittagsstunden ein leerer Bus hinter dem ersten herfahren. Müller: „Die Haltestelle Sprendlingen Süd ist normal schon mit rund 120 Busstopps pro Richtung am Tag sehr stark belastet.“ Mit dem Ersatzverkehr gebe es dann weit mehr als 200 Stopps pro Richtung – mit einer entsprechenden Mehrbelastung durch Lärm und Abgase. „Gerade in Coronazeiten, bei denen die meisten Anlieger ihre Ferien zuhause verbringen, ist diese zusätzliche Belastung verantwortungslos. Wir können unseren Garten nicht nutzen“, beklagt Müller. Da die Busse vor den Schlafzimmern halten, sei an geregelten Schlaf nicht zu denken.

Zudem möchte er darauf hinweisen, dass auf der hoch belasteten Darmstädter Straße nicht grundlos aus Lärmschutzgründen vor etwa vier Jahren Tempo 30 eingeführt wurde und die Straße aus südlicher Richtung für Laster über zwölf Tonnen gänzlich gesperrt und aus nördlicher Richtung nur für Lieferverkehr freigegeben ist. „Wenn man im Vorfeld nicht nur betriebsbedingt geplant hätte, sondern auch die Belange der Anwohner und die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt hätte, wäre dies vermeidbar gewesen“, betont er.

Sprendlingen: Bauarbeiten an S-Bahn-Strecke - Ersatzverkehr nervt Anwohner 

Auf Facebook wird auch Kritik an der roten Linie laut. Die Busse in Richtung Buchschlag seien viel zu schnell und extrem laut. „An Schlaf bei gekippten Fenstern ist nicht zu denken“, heißt es da. Zudem würden kaum Fahrgäste mitfahren.

Die Pressestelle der Deutschen Bahn AG verweist auf Anfrage darauf, dass Umfang und Streckenverlauf des Schienenersatzverkehrs mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund sowie mit der Kreisverkehrsgesellschaft abgestimmt worden sei. Dabei sei bewusst eine zweite SEV-Linie, die „grüne Linie“, eingeplant worden, um eine kürzere Fahrzeit zu ermöglichen und um eine Überlastung des lokalen Busverkehrs zu vermeiden. Im Interesse der Nutzer wurden Haltestellen in Wohngebieten angebunden. „Am Ende ist jede Route ein Kompromiss, der nicht allen Interessen gerecht werden kann“, betont die Bahn. Von Holger Klemm

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare