In Kasan 

Sprendlingerin nimmt an Weltmeisterschaft der Berufe teil 

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Man kann nur einmal teilnehmen. Es gibt also nur eine Chance. Jessica Jörges Intensiv arbeitet Jessica Jörges in der elterlichen Garage an einem Logo, wie sie es auch bei der Weltmeisterschaft in Kasan zur Aufgabe bekommen wird. 

So langsam steigt die Spannung. In zwei Wochen wird Jessica Jörges an den World Skills, den Weltmeisterschaften der Berufe, im russischen Kasan antreten. Dort peilt die Sprendlinger Malerin eine Medaille an. 

Sprendlingen – „Doch die Konkurrenz ist groß“, weiß die 21-Jährige, die sich in den vergangenen Monaten intensiv auf die Herausforderung vorbereitet hat.

Bei den World Skills treten mehr als 1500 Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Ländern in mehr als 50 Berufen an. An den Start gehen nicht nur Handwerker, sondern auch Vertreter aus den Bereichen Dienstleistung oder IT. Die Altersgrenze liegt bei 23 Jahren. „Man darf nur einmal teilnehmen. Es gibt also nur eine Chance.“ Und die will die Malerin nutzen.

Das deutsche Team tritt mit 39 Aktiven an. Für diese bedeutet der Austragungsort eine besondere Herausforderung, sind doch dort die deutschen Fußballer bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr schmählich aus dem Wettbewerb geflogen. „Wir wollen es besser machen“, verspricht Jörges. Zudem geht es darum, zu zeigen, dass die deutsche duale Ausbildung eine hervorragende Basis für Top-Leistungen in der Arbeitswelt ist.

Einen Zahn zulegen 

Den Weg nach Kasan hat die Sprendlingerin mit Bravour geschafft – als Innungs- und Landesbeste sowie als Bundessiegerin. Auch die Hürde der Auswahlwettbewerbe wurde genommen. Zusätzlich Blut geleckt hat sie im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften in Budapest, die sie als Zuschauerin verfolgen durfte. „Danach habe ich bei den weiteren Qualifikationen noch einen Zahn zugelegt.“

Zur Vorbereitung dienten Trainingslager, Camps und Wettbewerbe. Heimischer Übungsort ist die Garage der Eltern in der Emsstraße. An einer Wand prangt ein Logo der WM-Stadt Kasan. Das Umsetzen eines solches Logos wird eine der Disziplinen sein, die auf Jörges vom 22. bis 27. August im Südwesten Russlands warten. „Das hier ist nur ein Übungsobjekt. Das Prüfungslogo bekommen wir erst kurz vorher mitgeteilt.“ Daneben muss tapeziert, eine Tür mit Spritzpistole und mit der Hand lackiert und Farbe gemischt werden. Hinzu kommen eine Schnelligkeitsaufgabe und eine in freier Technik. Jeder Teilnehmer hat dabei einen Experten an der Seite, der auch die Ergebnisse der anderen bewerten wird.

Besonders reizvoll an der WM findet die junge Sprendlingerin, einen Einblick in die Arbeitsweise anderer Länder im Bereich Malen und Lackieren zu bekommen.

Zwei Tage zum Eingewöhnen

Am Freitag der kommenden Woche wird sich das deutsche Team treffen, um den Zusammenhalt zu stärken und auch zur Ruhe zu kommen. Der Flug nach Russland geht am 19. August. „Wir haben zwei Tage zum Eingewöhnen und zum Kennenlernen des Geländes“, beschreibt sie, die für ihre Aufgaben wie jeder Teilnehmer eine Kabine zugewiesen bekommt.

„Ganz besonders nervös werde ich bei der Eröffnungsfeier sein, wenn wir ins Stadion einlaufen“, gibt sie zu. Und dieses wird voll besetzt sein. Dem eigentlichen Wettkampf blickt sie zuversichtlich entgegen. Ihr Ziel ist es, eine Medaille mitzubringen. „Das wäre das Größte.“ Doch dafür muss alles klappen.

Und was sind die Pläne für die Zeit danach? Jörges will auf jeden Fall ihren Meister machen und den Blogg „Bunte Zukunft“ weiterführen. Dann will sie entscheiden, wie es weitergeht. An einer weiteren WM dürfte die Sprendlingerin nicht mehr starten, aber bei den Europameisterschaften 2020 in Graz. „Doch ich will nach Kasan erst mal schauen, ob ich mir den Stress noch einmal antun möchte.“

Von Holger Klemm 

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