Mitglieder strafen Neukirch ab

Kleingärtner werfen Vorsitzenden aus dem Verein

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Konsterniert: Günter Neukirch nach seiner Abwahl.

Dreieich - Mit großer Mehrheit haben die Mitglieder des Kleingärtnervereins Sprendlingen den bisherigen Vorsitzenden Günter Neukirch abgewählt. Doch das ist nicht die einzige Schlappe, die er an diesem denkwürdigen Abend im Bürgerhaus hinnehmen muss. Von Frank Mahn 

Die Versammlung geht noch einen Schritt weiter und schließt Neukirch aus. Vor dem Eingang zum Saal bilden sich Schlangen. Die Kleingärtner müssen ihre Anwesenheit per Unterschrift dokumentieren. Gekommen sind sie, weil das restliche Vorstandsteam eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen hat. Die Neukirch-Opposition hat ein sogenanntes Minderheitenbegehren auf den Weg gebracht, um den Vorsitzenden in die Wüste zu schicken. 100 Mitglieder haben dieses Begehren unterstützt. Der Andrang ist groß, die Sitzung beginnt mit 20-minütiger Verspätung. Im Bürgerhaus harren 165 Mitglieder (von insgesamt 246) der Dinge, die da auf sie zukommen sollten. Neukirch sitzt auf dem Podium und gibt sich äußerlich gelassen. „Ich bin hier, um herauszufinden, was mir vorgeworfen wird. Die Vorgehensweise der Initiatoren halte ich für moralisch bedenklich“, sagt er. Und: Ihm sei der Antrag nicht zugegangen, eine Abstimmung mithin nicht möglich. Zumindest in dieser Hinsicht sollte er seine Meinung im Laufe des Abends ändern.

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Die Kassenprüfer Silvia Rühl und Alexander Grimm stellen die Ergebnisse ihrer Revision vor und kreiden Neukirch eine ganze Latte von vermeintlichen Verfehlungen an. Die seien im Wesentlichen von einem Wirtschaftsprüfer bestätigt worden. Auf einer Leinwand zeigen sie teils abenteuerlich anmutende Belege und Quittungen. Schludrige Abrechnungen, finanzielle Unregelmäßigkeiten, undurchsichtige Transaktionen, Vermischung von privaten Belangen und denen des Vereins, sind einige der Punkte, die sie nennen. So seien 2800 Euro einer Versicherung nach einem Sturmschaden am Vereinsheim auf Neukirchs Privatkonto geflossen. Das könne passieren, sagt Grimm. Aber: „Warum ist die Summe danach nicht gleich aufs Vereinskonto überwiesen worden?“ Bis heute sei der Verbleib der gesamten Summe nicht aufgeklärt. Ungereimtheiten gebe es zudem bei Abstandszahlungen in Folge von Pächterwechseln in einigen Gärten.

Alleingänge, unhöfliches, ja aggressives Verhalten gegenüber Kommunalpolitikern, fehlende Transparenz, Polarisierung der Mitglieder durch gezielte Falschinformation – es sind heftige Vorwürfe, denen sich Neukirch ausgesetzt sieht. Mehrmals erteilt ihm Moderator Jens Bremecker das Wort, um sich zu verteidigen. Doch auf etwas wirklich Substanzielles warten die Zuhörer vergeblich. Neukirch macht aber nicht den Eindruck, als sei er sich einer Schuld bewusst. Das bringt einen Kleingärtner auf die Palme. „Du biegst Dir die Welt, wie sie Dir am besten gefällt. Du hast keinerlei Unrechtsempfinden.“

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Auf Bremeckers Frage, ob er bereit sei, den Vorsitz niederzulegen, antwortet Neukirch: „Ich möchte, dass die Versammlung abstimmt.“ 122 der 165 Stimmberechtigten sprechen sich für die Abwahl aus, 38 kreuzen auf dem Zettel Nein an, fünf Enthaltung. Nicht so deutlich ist das Ergebnis beim Verfahren zum Vereinsausschluss. Hier werden 99 Ja-, 48 Neinstimmen und 15 Enthaltungen gezählt.

Bis zur ordentlichen Jahreshauptversammlung im September führt der zweite Vorsitzende Michael Vogel kommissarisch das Amt. Eine Idee des Vorstands wird am Dienstag gleich in die Tat umgesetzt: die Gründung einer fünfköpfigen Kommission, die mit dem Magistrat über die Zukunft der 95 Gartenparzellen in der Lettkaut verhandeln soll. Die sind in Gefahr, weil Hans Strothoff dort eine neue Internationale Schule bauen möchte. Im Rathaus wird dieses Projekt befürwortet, die Kleingärtner möchten so viele Parzellen erhalten wie möglich. Konkrete Gespräche darüber hat es bislang nicht gegeben. Die Kleingärtner streben nun Verhandlungen an und haben bereits ein Schreiben an die Stadt geschickt. Man suche den Kontakt, um eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. „Wir hoffen, dass wir für die Lettkaut das Optimum herausholen können“, sagt Michael Vogel.

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