von Sprendlingen nach Götzenhain gesägt

Junger Forstwirt unterstützt Feuerwehr kurzerhand bei Beseitigung von Sturmschäden

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Voller Einsatz mit der Kettensäge: Stadtbrandinspektor Markus Tillmann lobte Daniel Gerhardt für seine Hilfe.

Dreieich – Für Daniel Gerhardt war es kein großes Ding mitanzupacken: Er hat die Erfahrung, er weiß, wie man mit einer Kettensäge umgehen muss und er sah die Not.

Als am Sonntag vor einer Woche der Sturm über Dreieich fegte und eine Schneise der Verwüstung hinterließ, war der 25 Jahre alte, gelernte Forstwirt schnell zur Stelle. „Ich habe kurz geschaut, ob mein Wintergarten was abbekommen hat, bin in meine Schnittschutzhose gestiegen, habe meine Kettensäge geschnappt und direkt in Dreieichenhain losgelegt“, erklärt der junge Mann.

Nachdem er bereits etliche Bäume am Neurothweg, die quer über die Straße lagen, entfernt hat, ist der Tank seiner Kettensäge leer. „Dann stand er im Feuerwehrhaus in der Tür. Er hat gesagt: Ich kann helfen, ich bräuchte nur Benzin“, berichtet Stadtbrandinspektor Markus Tillmann von der Begegnung mit Gerhardt. Die Freiwilligen Feuerwehr Dreieich habe an diesem Abend eine immense Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung erfahren. „Viele Leute brachten Getränke und Essen an die Einsatzstellen unserer Leute – aber dass jemand so konkret, in Schutzkleidung mit Säge vor der Tür stand, das hatten wir so auch noch nicht“, lobt Tillmann. Als Gerhardts Kettensäge wieder Benzin hat, macht er sich auf den Weg an die Bahnlinie. Dutzende umgestürzte Bäume versperren den Weg der Dreieichbahn – im Hinblick auf den Verkehr am kommenden Morgen ist es ein dringendes Anliegen, die Strecke freizuschneiden. „Den Anfang machte eine riesige Douglasie, aber ich habe mich dann den kompletten Weg von Sprendlingen nach Götzenhain gesägt“, berichtet Gerhardt.

Von der Feuerwehr gleich angeworben

Als Forstwirt kennt er sich mit den Gefahren umgestürzter Bäume aus. Es gehe immer darum, die Spannung der gebrochenen Stämme richtig einzuschätzen. Eine lebensgefährliche Bedrohung, wenn man nicht weiß, was man tut, betont er. „Das war natürlich sehr hilfreich, dass wir einen Fachmann vor Ort hatten“, sagt Tillmann. Für Gerhardt wird der Einsatz sogar ganz angenehm: „Ich durfte nur noch sägen, brauchte nichts mehr wegräumen, das haben die Helfer hinter mir übernommen“, erzählt der Forstwirt mit einem Grinsen. Er lobt die Stimmung unter den Aktiven, die bis nachts um halb eins gemeinsam geschuftet haben. Danach gibt es ein gemeinsames Pizzaessen im Feuerwehrhaus. „Im Feuerwehrauto auf dem Weg nach Hause wurde ich dann schon gefragt, ob ich mir nicht vorstellen kann, bei der Feuerwehr einzusteigen“, erzählt Gerhardt. Ihnen muss er leider eine Absage erteilen: Er habe es nicht so mit Feuer, sagt der junge Mann. Aber wenn mal wieder nach einem Sturm ein Einsatz mit Kettensäge gefragt sei, stehe er wieder zur Verfügung. „Das ist ja schon einmal eine gute Nachricht“, sagt Bürgermeister Martin Burlon, der sich bei Gerhardt persönlich für den selbstlosen Einsatz bedankte.

Regelmäßige Einsätze könnte Daniel Gerhardt ohnehin erst einmal nicht garantieren: Der Forstwirt geht im Oktober zum Studium der Forstwissenschaften an die Uni nach Göttingen.

VON NICOLE JOST

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