Platz vor dem Hooschebaabrunnen

Schmuck in jeder Hinsicht

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Enthüllung im Regen. Seit gestern erinnert ein neuer Gedenkstein an die beiden Schöpfer des Hooschebaabrunnens, Hermann Will und Arno Baumbusch. Alfred und Rosi Liederbach, Willi Ott (alle Freunde Sprendlingens, von links) und Erster Stadtrat Martin Burlon lobten zudem die Neugestaltung des Platzes.

Dreieich - Das Timing hätte besser sein können. Doch die Freude über die gelungene Neugestaltung des Platzes um den Hooschebaabrunnen konnte der strömende Regen nicht trüben. Von Frank Mahn 

Aus der unansehnlichen Anlage am Lindenplatz ist ein kleines Schmuckstück geworden – mit einem neuen Gedenkstein zu Ehren von Hermann Will und Arno Baumbusch. Ein schöner Ort sei es geworden, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer bei der Einweihung. Recht hat er. Man kann sich auch im Regen gut vorstellen, dass es sich auf den neuen Bänken im Schatten der Erasmus-Alberus-Kirche gut aushalten lässt. Willi Ott, Vorsitzender der Freunde Sprendlingens, ist froh, dass „unser jahrelanges Nörgeln wegen des erbarmungswürdigen Zustands des Platzes“ endlich zu einem Ergebnis geführt hat. Und das könne sich sehen lassen.

Das Konzept hat federführend Lisa-Marie Schmandt entworfen. Die Gärtnermeisterin des städtischen Dienstleistungsbetriebs hat dem Platz ein komplett neues Gesicht gegeben. Sieht man vom Brunnen ab, blieb kein Stein auf dem anderen. Die verwitterten Bänke sind verschwunden, die Feuerdornhecken wurden durch eine Staudenmischpflanzung ersetzt, statt des stark verwurzelten Pflanzbeets ziert ein schickes Holzdeck die Anlage, eine Blumenesche soll später die unansehnlichen Fassaden der angrenzenden Gebäude verdecken.

Die Freunde Sprendlingens hatten gehofft, den Platz am 6. März einweihen zu können, dem zweiten Todestag des Heimatforschers Arno Baumbusch. Doch das vorübergehende Comeback des Winters verzögerte die Arbeiten. Die haben unter dem Strich übrigens zirka 10.000 Euro gekostet.

Hooschebaafest 2016 auf dem Lindenplatz: Bilder 

Im Vorfeld war bei den Freunden Sprendlingens die Idee gereift, den bisherigen Marmorstein durch einen Sandstein zu ersetzen, der sowohl an Hermann Will als auch an Arno Baumbusch erinnert. Letzterer, Steinmetz von Beruf, hatte 2001 den Gedenkstein für Will angefertigt, war mit seiner Arbeit aber selbst nicht zufrieden. Die Schrift ließ sich nur schlecht lesen und der weiße Marmor passte nicht zum Ambiente des Orts. Der neue Stein tut es. Er lag Jahrzehnte im Kirchgarten. Die Firma Burkard hat ihn gesäubert, die Inschrift eingraviert und aufgestellt. Ohne Berechnung, wie Willi Ott betont.

Den Brunnen hatten der Künstler Will (1912-1981) und der Steinmetz Baumbusch gemeinsam verwirklicht. Will schuf die Symbolfigur mit den Dreiviertelhosen, Baumbusch entwarf den Wasserspender und baute ihn. Seit der Einweihung 1977 hat er sich zu dem identitätsstiftenden Markenzeichen Sprendlingens entwickelt.

Vorkerb in Sprendlingen: Bilder

Arno Baumbusch beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte. Das Interesse rührte aus eigener leidvoller Erfahrung. 1931 in Neu-Isenburg geboren, zog er 1944 mit seiner verwitweten Mutter aus dem ausgebombten Elternhaus nach Sprendlingen. Später sammelte er Bilder und hielt Vorträge über Alt-Sprendlingen. Baumbusch hinterließ Willi Ott einen Stick mit seinem Lebenswerk, darunter eine Datei „Jugenderinnerungen“. Ott war zutiefst bewegt von den Schilderungen eines jungen Menschen während des Kriegs. Diese Erinnerungen haben die Freunde Sprendlingens, mit Zustimmung von Baumbuschs Familie, als Büchlein herausgegeben. Es ist für fünf Euro bei Willi Ott zu haben.

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