Ausdauersport hält Ausnahmeathlet Dieter Macholdt (67) jung

Sich zu quälen ist seine Leidenschaft

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Der Sport hält ihn jung. Mit seinen 67 Jahren ist Dieter Macholdt noch immer topfit.  

Sprendlingen - Seine Trophäen hat Dieter Macholdt im Keller versteckt. Eine riesige, dunkelbraune Schrankwand steht hier, vollgepackt mit Pokalen, Medaillen und Erinnerungsfotos, alle akribisch sortiert. „Ach, die“, winkt Macholdt ab und schlägt mit der Hand in die Luft. Von Manuel Schubert 

Seine Erfolge möchte er nicht an die große Glocke hängen. „Im Wohnzimmer werden Sie nichts finden, was mit Triathlon zu tun hat. “ Dabei könnte der Sprendlinger durchaus stolz auf seine Erfolge sein. Schließlich geht der ehemalige Lehrer der Heinrich-Heine-Schule auch mit 67 Jahren regelmäßig bei Duathlons und Triathlons an den Start.

„Die olympische Distanz ist noch drin“, freut sich Macholdt, der vier bis fünf Mal in der Woche trainiert. Aber „nur noch“ ein bis anderthalb Stunden, wie der Rentner fast beiläufig erwähnt. Zu Fuß übers Feld oder auf dem Mountainbike durch den Wald geht es Richtung Langen. Auch wenn es wie aus Kübeln schüttet. Das könne beim Wettkampf schließlich genauso passieren, findet das SKG-Mitglied. Als der 67-Jährige mit einem Kaffee am Esstisch Platz nimmt, sieht er eher aus wie ein Mittfünfziger. Groß, schlank, das grau-blonde Haar schick zur Seite gekämmt. An den Füßen – ein Hinweis auf Macholdts große Passion: neongelbe Laufschuhe.

333. Wettkampf im Dezember absolviert

Als er im Dezember beim Frankfurter Nikolaus-Duathlon an den Start ging, konnte sich Macholdt anschließend über ein krummes Jubiläum freuen: Es war sein 333. Wettkampf im Bereich des Duathlons und Triathlons. Macholdt kneift die Augen zusammen und grinst. Der Geschäftsführer der Deutschen Triathlon-Union habe ihm verraten, „dass niemand in Deutschland mehr hat“. Bei 333 wird es jedoch aller Voraussicht nach nicht bleiben. Ende Januar möchte Macholdt beim „Dirty Race“, einem Cross-Lauf bei Heilbronn, starten. Im Februar soll es beim Rodgau-Duathlon weitergehen.

Ohne die Fähigkeit, sich quälen zu können, ist beim Ausdauersport kein Blumentopf zu gewinnen. Das Bild zeigt den Sprendlinger bei einem Duathlon.  

Und wann ist Schluss? „Knie und Bänder machen noch ganz gut mit“, erzählt Macholdt. Das Laufen bereite ihm einfach einen „riesigen Spaß“, so der frühere Sportlehrer. Kein Zweifel, dieser Mann wird laufen, bis er nicht mehr kann. Doch dabei sein ist für Macholdt noch lange nicht alles. „Ich schmeiße bei Wettbewerben alles in die Waagschale“, gibt er sich kampfeslustig. In seiner Altersklasse schaffe er es meist unter die ersten drei, vier. „Und wenn ich vor ein paar jungen Läufern ins Ziel komme, freut mich das natürlich ungemein“, sagt Macholdt und lächelt verschmitzt.

Doch der Sport ist für den Senior lange nicht alles mehr. Er hat spät geheiratet und ist noch später Vater geworden. Seine Töchter sind zwölf und 15 Jahre alt. Die Prioritäten haben sich seitdem verschoben. „Ich habe lang genug nur für Job und Sport gelebt“, sagt Macholdt. Mittlerweile lasse er für die Familie auch mal einen Wettkampf sausen. Und die Triathlon-Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Laufen) komme für ihn nicht mehr in Frage. Nicht aus konditionellen Gründen, sondern weil das Training zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Als vor 15 Jahren Tochter Ronja das Licht der Welt erblickte, trug Macholdt sie am Ende eines Wettkampfes mit durchs Ziel. „Da habe ich Rotz und Wasser geheult“, sagt er und holt tief Luft. „Das sind diese Momente, an die man sich erinnert.“

Große Leidenschaft Triathlon

1985, als der Triathlon nach Deutschland schwappte, habe er sich „gleich drauf gestürzt“, erinnert sich Macholdt. Wurde er anfangs noch für einen Spinner gehalten („Wegen der langen Distanzen!“), fand Macholdt schnell gefallen an der Extremsportart und konnte auch alsbald erste Erfolge feiern. Für seinen ersten Wettkampf in Koblenz baute Macholdt noch sein Stadtrad um. „Und das Wasser habe ich verprügelt“, berichtet er lachend, doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Mit dem vierten Platz verfehlte Macholdt bei seiner Premiere das Treppchen nur knapp. Später sollten mehrere Teilnahmen beim Ironman auf Hawaii folgen. „Davon“, so Macholdt, „träumt jeder.“ Bei etlichen Welt- und Europameisterschaften trat er für die deutsche Nationalmannschaft an.

Und wenn der ehemalige Zehnkämpfer irgendwann nicht mehr kann, ist bereits für Nachwuchs gesorgt. Tochter Ronja habe bereits 25 Kurzstrecken-Triathlons absolviert, erzählt Macholdt stolz, und bei Franka, der Jüngeren, seien es auch schon 18. Vielleicht werden daraus ja auch mal 333.

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