Richtig reagieren

Stadt schult Mitarbeiter im Umgang mit dementen Menschen

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Auf dem Weg zur „demenzfreundlichen Kommune“ ist die Stadt einen weiteren Schritt vorangekommen. Mitarbeiter der Verwaltung haben an einer Schulung teilgenommen, um gezielt reagieren zu können.

Dreieich – In der Bundesrepublik leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gegenwärtig rund 1,7 Millionen Menschen, bei denen eine demenzielle Erkrankung diagnostiziert ist – Tendenz steigend. 2050 könnte die Zahl bei drei Millionen liegen. Von Frank Mahn

Die starke Zunahme resultiert aus der steigenden Lebenserwartung und der Überalterung der Gesellschaft. Die Stadt hat jetzt ihre vielfältigen Aktivitäten auf dem Weg zur „demenzfreundlichen Kommune“ um einen weiteren Baustein ergänzt. 17 Angestellte der Verwaltung haben sich im Zuge der Kampagne „Gemeinsam für einen guten Umgang mit Menschen mit Demenz“ einen Tag lang schulen lassen. Vor allem Mitarbeiter, die unmittelbar mit Publikum zu tun haben (Bürgerbüro, Ordnungsamt oder Bücherei), nahmen das Angebot wahr. Dabei ging es primär darum, sie für Situationen zu sensibilisieren, in denen ihnen im Arbeitsalltag Menschen mit unerwartetem oder nicht üblichem Verhalten begegnen.

Und das kommt vor, wie Yvonne Walther von der städtischen Seniorenarbeit berichtet. Zum Beispiel, wenn jemand im Bürgeramt seinen Pass verlängern lassen will und einfache Nachfragen nicht beantworten kann. Wenn jemand sein Geburtsdatum nicht nennen kann, ist das natürlich nicht gleichbedeutend mit einer demenziellen Erkrankung. Es kann aber sein, umso wichtiger ist ein wertschätzender Umgang. In der Schulung haben die Mitarbeiter gelernt, in solchen Situationen keinen Druck aufzubauen und denjenigen nicht zu bedrängen. Die Inhalte der Schulung sind im Intranet der Stadt abrufbar, damit die Kollegen sich schlau machen können. Weitere Termine sind angedacht.

In Dreieich gibt es für Betroffene und ihre Angehörigen schon seit Jahren ein umfangreiches Hilfs- und Beratungsangebot. Vor gut zehn Jahren wurde das Demenzforum ins Leben gerufen. Das Netzwerk aus Fachkräften, Ehrenamtlern und interessierten Bürgern organisiert zum Beispiel die Demenzwochen mit Workshops, Vorträge und anderen Veranstaltungen. Einen Überblick über die Hilfs- und Entlastungsangebote in der Stadt liefert eine Broschüre, die unter anderem im Rathaus ausliegt. Sie informiert auch über die Auszeitgruppen des Diakonischen Werks in der Winkelsmühle oder den Gesprächskreis für pflegende Angehörige unter Leitung von Eva Helfmann.

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„Wir sind Vorreiter und wollen Vorbild für andere Kommunen sein“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer. Es sei zudem wünschenswert, dass Kirchen, Betriebe und Vereine das Thema Demenz stärker aufgreifen. Mit den Schulungen wolle die Stadt ein Zeichen setzen und andere zum Nachahmen inspirieren.

Die städtische Seniorenarbeit bietet das ganze Jahr über mit unterschiedlichen Kooperationspartnern Vorträge, Lesungen und Informationsveranstaltungen an, um möglichst viele Menschen zu erreichen. So stellt Burkhard Spinnen am Dienstag, 12. März, um 19 Uhr in der Stadtbücherei Auszüge seines Buchs „Die letzte Fassade: wie meine Mutter dement wurde“ vor. Darin beschreibt er, wie die Krankheit der Mutter sein Leben völlig durcheinander gebracht hat. Unvermittelt verkehren sich alle Verhältnisse, die Mutter-Sohn-Beziehung erfährt eine radikale Veränderung.

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