Auf Herausforderungen reagieren

Stadtfernsehen in der Weibelfeldschule geht neue Wege

+
Im AV-Studio der Weibelfeldschule wird emsig gearbeitet, wenn nicht gerade Ferien sind. Das Foto zeigt (von links) Schüler Zahn Hong Wang, die Lehrer Klaus Dumuscheit, Anja Cuaio, Carsten Kirchberger, Schülerin Guya Schäffler und Lehrerin Svenja Gerhardt.

Dreieich - Ein Fernsehstudio vermutet man an einer Schule eigentlich nicht. Doch genau über ein solches verfügt die Weibelfeldschule. Von dort wird das Stadtfernsehen in das Dreieicher Kabelnetz eingespeist. Von Holger Klemm 

Beim eigenen Programm bleibt es aber nicht mehr, um den Herausforderungen der sozialen Netzwerke und modernen technischen Möglichkeiten begegnen zu können. Ende der 70er Jahre fing alles mit dem Kauf einer Videokamera durch einen Lehrer an. Es folgten ein Modellversuch in den 80er Jahren, bei dem Schüler für Senioren Videomagazine produzierten, ein regelmäßiges Eventfernsehen ab 1998 mit wochenweisem Programm bei bestimmten Veranstaltungen, die dauerhafte Sendelizenz 2003 und der Start des 24-Stunden-Programms 2005. Seit dem Umbau der Weibelfeldschule vor zehn Jahren findet sich das Stadtfernsehen mit seinem gut ausgestatteten AV-Studio für Sendetechnik, TV- und Tonaufnahmen, Redaktionsräumen und den digitalen Schnittplätzen im Verwaltungstrakt der Schule. Seit Kurzem ist der Sender im Kabelnetz der Medicom auch im Sprendlinger Norden und damit in ganz Dreieich sowie bald ebenfalls in Langen und Egelsbach zu empfangen.

Lange vorbei sind die Zeiten, als man alle 90 Minuten Sendekassetten wechseln musste, sollte es mit dem Programm weitergehen. „Das übernimmt heute der Computer“, sagt Lehrer Klaus Dumuscheit und zeigt auf einen schwarzen Schrank in einer Ecke. Der Computer hat Zugriff auf unzählige Programmstunden der vergangenen Jahre. Und monatlich kommen bis zu zwei aktuelle Stunden neu hinzu. So nahmen die jungen Fernsehmacher in den vergangenen Wochen das Speed-Dating unserer Zeitung zur Kommunalwahl, das „Take Five plus“-Konzert der Schulen und an Ostern das Jesus-Musical in der Langener Stadthalle auf. Feste Termine sind beispielsweise die Ausbildungsmesse im November, der Tag der offenen Tür oder der jährliche Besuch der Dreieicher Viertklässler im Studio.

Doch auf dem Erreichten können sich Dumuscheit und Kollegen längst nicht mehr ausruhen, sondern sie stehen vielmehr vor neuen Herausforderungen. „Mit der Fernsehtechnik allein können sie heute die Jugendlichen längst nicht mehr beeindrucken“, berichtet Lehrerin Anja Cuaio. Das Smartphone bietet heute Jugendlichen jede Menge eigene Möglichkeiten. Zudem schaut der Nachwuchs kein normales Fernsehen mehr, sondern ruft Serien und Sendungen auf dem Laptop ab, wann immer er will.

Keine leichte Aufgabe für das Lehrerteam, das Interesse am Stadtfernsehen hoch zu halten. Deshalb bleibt die Einrichtung nicht mehr auf den Wahlpflichtkurs der achten bis zehnten Klassen begrenzt, sondern bezieht auch Oberstufenschüler ein. Zudem werden Unterrichtsprojekte der Gesamtschule enger mit dem AV-Studio verknüpft. „Wir stellen unser Equipment den Kollegen zur Verfügung“, so Dumuscheit. Das Stichwort lautet „Medienkompetenz“. „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass sie nicht nur Filme aufnehmen können, sondern auch bewusst gestalten können“, berichtet Lehrer Carsten Kirchberger. Auf den Prozess komme es an.

Ein Beispiel ist das Mittelalterprojekt von Lehrer Eric Lindner. Dabei haben Gruppen die Aufgabe, bestimmte Themen zu bearbeiten und sie in einem You Tube-Video den Mitschülern zu erklären. „Dabei geht es auch um die Bedeutung von You Tube“, erklärt Lindner. Viele glauben, heute gar nicht mehr lesen zu müssen. Ihrer Ansicht nach genügt es, die Infos für den Unterricht durch You Tube zu bekommen. Dieser Prozess soll hinterfragt werden.

Für ein Recycling-Projekt, mit dem Geld für karitative Zwecke gesammelt werden soll, entwickelt Lindner einen Image-Film mit einer Trickfilmfigur. In einem anderen Projekt arbeitet Kunstlehrerin Svenja Gerhardt mit der Trickboxx. Fotostrecken und Zeichnungen der Schüler werden zum Ausgangspunkt für Trickfilme.

Kleine Kästen, großes Kino: So funktionieren Streamingboxen

Intensiv nutzen die Fernsehmacher die sozialen Netzwerke, um auf sich aufmerksam zu machen. Auf Facebook werden Drehtermine angekündigt, auf You Tube findet sich ein Kanal des Stadtfernsehens mit Sendungen wie dem beliebten Kino-Magazin, das von einem ehemaligen Schüler gemacht wird, der Aufzeichnung des Speed-Datings zur Kommunalwahl oder einem Bericht über eine Führung mit dem kürzlich verstorbenen Heimatkundler Arno Baumbusch zur Geschichte der Sprendlinger Juden. „Gern gesehen werden auch die Fahrten auf Bahnstrecken aus dem Blickwinkel des Lokführers“, weiß Kirchberger.

Monatlich kommen aktuelle Programme dazu. Die Teinehmer des Wahlpflichtkurses, die so in verschiedene Berufe rund um Medien reinschnuppern, sind mit den Kameras bei den unterschiedlichsten Veranstaltung unterwegs. Manchmal leiht das AV-Studio seine Technik auch anderen Schulen aus wie für den Politischen Salon der Langener Dreieich-Schule.

Erster Termin nach den Ferien ist ein Heimspiel. Die Schüler nehmen am Freitag, 15. April, ab 19.30 Uhr den Blues-Abend mit dem Gitarren-Duo Rusty Strings (Harry Hamburger und Pit Mikkelsen) auf. Kirchberger. „Das Konzert ist auch eine gute Möglichkeit, sich als Schule der Öffentlichkeit zu präsentieren.“

Kommentare