Stadtverwaltung schult Mitarbeiter im Umgang mit dementen Menschen

Wenn „Vergessen“ kritisch wird

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Symbolbild

Dreieich - Das Thema Demenz betrifft durch Überalterung immer mehr Menschen – auch in Dreieich. Die Stadt hat sich nun auf die Fahne geschrieben, eine demenzfreundliche Kommune zu werden. Erster Schritt dazu ist eine Mitarbeiterschulung.

„Demenz ist zwar kein Tabu mehr, wird uns aber in Zukunft immer mehr beschäftigen“, sagt Gabriele Buchwald von der Seniorenarbeit der Stadt. Deutschlandweit seien rund 1,6 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter: In Dreieich machen die 65- bis 79-Jährigen etwa 15 Prozent der Bevölkerung aus. Vor allem die Zahl der über 80-Jährigen werde stark zunehmen – und das Thema so immer wichtiger.

Demenz ist ein schleichender Prozess, wissen Buchwald und ihre Kollegin Yvonne Walther. Sie zu erkennen ist in der Frühphase nicht immer einfach, aber notwendig. Nicht zuletzt, weil Menschen mit beginnender Demenz die Krankheit nicht wahrhaben möchten, und versuchen, sie zu verstecken. „Viele Menschen mit Demenz im frühen Stadium ziehen sich zurück und geben ihre Freizeitbeschäftigungen auf“, sagt Buchwald. Dabei sei es meist möglich, weiter im Chor zu singen oder Sport zu treiben. „Es ist gerade wichtig, dass die Menschen weiter an der Gesellschaft teilhaben“, so die Mitarbeiterin der Seniorenarbeit.

Anlässlich der Demenzwochen, die am Sonntag, 2. September, starten, hat die Dreieicher Stadtverwaltung beschlossen, Mitarbeiter aus „publikumsrelevanten“ Sparten des Rathauses im Umgang mit dementen Menschen zu schulen. 16 Beschäftigte aus Bürgerbüro, Ordnungsamt, Integrationsbüro, Bücherei und Stadtteilarbeit erfahren, wie sie eine beginnende Demenz bei ihrem Gegenüber erkennen und mit „irritierendem Verhalten“ umgehen. Die Schulung organisieren die Personaldienste und die Seniorenarbeit der Stadt zusammen mit der Beratungs-, Fortbildungs- und Service GmbH Demenzsupport Stuttgart, die das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz und deren Begleitern fördern will. Die auf Dreieich zugeschnittene Fortbildung soll Ende November starten.

Zeitgleich werben die städtische Seniorenarbeit und die Leitstelle Älterwerden des Kreises mit einer Plakat-Kampagne „für einen guten Umgang mit Menschen mit Demenz“. Jeder könne dazu beitragen, dass Betroffene und ihre Angehörigen nicht ausgegrenzt werden.

Denn die Stadt hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine „demenzfreundliche Kommune“ zu werden. Die Medizin könne erst wenige Antworten auf die Demenz geben, die am häufigsten in Form von Alzheimer auftritt. „Es geht demnach vornehmlich nicht um Heilung, sondern darum, wie wir demenzerkrankten Menschen in unserem Umfeld begegnen; nicht um fertige Lösungen, sondern eine freundlichere Einstellung und Haltung gegenüber den Betroffenen und ihren Familien“, teilt die Verwaltung mit. Deshalb soll es in den kommenden Jahren weitere Veranstaltungen geben.

Pflegekurse erleichtern die Versorgung der Lieben

Es sei zudem wünschenswert, dass Kirchen, Betriebe und Vereine das Thema Demenz stärker aufgreifen. „Wir würden uns freuen, wenn zukünftig weitere Institutionen, Gewerbetreibende und Firmen sich anschließen und ihre Mitarbeiter zu diesem Thema sensibilisieren“, betont Bürgermeister Dieter Zimmer. Die städtische Seniorenarbeit habe in dieser Hinsicht bereits einige Anläufe gestartet. „Doch viele Gewerbetreibende glauben, Demenz sei kein Thema für sie.“ Deshalb wolle die Stadtverwaltung mit ihrer Schulung mit gutem Beispiel vorangehen. „Das ist ein erster Schritt, damit wollen wir zeigen ,Wir tun etwas!‘“, erklärt Walther. Weitere Schulungen für die Mitarbeiter sollen folgen.

Öffentlich auf die Erkrankung und den Umgang mit ihr aufmerksam machen sollen auch die Demenzwochen Dreieich. Das Demenzforum – ein Netzwerk aus Fachkräften, Freiwilligen und interessierten Bürgern – organisiert bis zum 19. Oktober Workshops, Vorträge und andere Veranstaltungen zum Thema mit Partnern wie der Winkelsmühle des Diakonischen Werks, dem Haus Dietrichsroth, Kirchen und Vereinen. Den Auftakt bildet am Sonntag um 14.30 Uhr das Sonntagscafé „Move for Dementia“ in der Winkelsmühle. (jrd)

Das Programm der Demenzwochen ist unter www.dreieich.de abrufbar, Flyer liegen im Rathaus und in teilnehmenden Einrichtungen aus. Über die Schulung informieren Yvonne Walther unter Tel.: 601-247 und Gabriele Buchwald, Tel.: 601-245.

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