Ein Puzzlestück zur Energiewende

Stadtwerke nehmen  erste öffentliche Stromtankstelle Dreieichs in Betrieb

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Seit gestern ist die erste öffentliche Stromtankstelle in Dreieich in Betrieb. Beim symbolischen Einstöpseln freuen sich (von links): Klimaschutzmanagerin Annika Jung, Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt, Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Arta, Erster Stadtrat Martin Burlon und Bürgermeister Dieter Zimmer.

Dreieich - Ein klitzekleiner Schritt für die Menschheit, ein durchaus bedeutsamer für Dreieich. Die Stadtwerke haben gestern auf dem Egenberger-Parkplatz ihre erste öffentliche Stromtankstelle in Betrieb genommen. Von Frank Mahn 

An der blauen Säule können zwei „Stromer“ gleichzeitig betankt werden, wobei ein Platz für das Carsharing reserviert ist. Der Markt in der Stadt ist gar nicht mal so klein. Fast 200 Elektroautos sind in Dreieich zugelassen, darunter natürlich auch Hybridfahrzeuge. „Geladen wird hauptsächlich zuhause oder auf der Arbeit“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Arta. Sein Unternehmen sehe aber auch einen Bedarf für eine Säule im öffentlichen Raum. „Die Mobilitätswende ist Teil der Energiewende“, so Arta. Wer sein Auto an der blauen Zapfstelle andockt, füllt die Batterie mit 100 Prozent Ökostrom.

Arta sieht die Stadtwerke in der Pflicht, die Energiewende vor Ort voranzutreiben. Gerade auch mit Blick auf die Dieselaffäre seien alternative Mobilitätskonzepte erforderlich. Der Geschäftsführer verweist darauf, dass bereits die Hälfte des Stadtwerke-Fuhrparks mit Erdgas betrieben wird. Das Unternehmen hat seit vielen Jahren ein Förderprogramm für Erdgasautos. Wer das in Anspruch nimmt, kann bis zu sechs Monate kostenlos tanken. Dafür gibt’s zwei Anlaufstellen: die Total-Tankstelle in der Darmstädter Straße und die Aral-Tankstelle im Kurt-Schumacher-Ring.

Zum Fuhrpark des Energieversorgers gehört auch ein E-Auto, ein VW up!. Die Reichweite ist überschaubar, aber für den Stadtverkehr seien Stromer ideal, so Arta. Jetzt im Winter reicht eine Tankfüllung für etwa 70 bis 80 Kilometer, Licht und Heizung erhöhen den Verbrauch. Im Sommer bringt es der Kleinwagen auf etwa 120 Kilometer. Arta geht davon aus, dass der Fuhrpark des Unternehmens noch weiter umgestellt wird. „Elektroautos sind leise, schadstoffarm und in Unterhalt und Betrieb günstiger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor“, zählt der Geschäftsführer die Vorteile auf. In der Anschaffung allerdings sind sie vergleichsweise teuer. Die Nachfrage nach der vom Bund ausgelobten Umweltprämie in Höhe von 4 000 Euro ist zuletzt etwas gestiegen, aber weit davon entfernt, ein Renner zu sein.

Kleine Elektroautos für die Stadt

Die Verbrauchskosten sind definitiv ein Argument pro Stromer. Wer sich bei den Stadtwerken eine Ladekarte für die neue Säule besorgt, ist im Monat mit 25 Euro dabei. Dafür gibt’s eine Flatrate, heißt: Der Autobesitzer kann unbegrenzt zapfen. Möglich ist auch die Zahlung über eine App. Dann sind für eine Ladung allerdings neun Euro fällig. Die Ladezeit beziffert Pascal Steinmetz von den Stadtwerken auf etwa eineinhalb bis zwei Stunden, je nach Modell und Batteriestand. Und in der Zwischenzeit? Kann der Besitzer in der Innenstadt einkaufen oder abends ausgehen, wirbt Arta für den Standort. In Betrieb ist die Säule rund um die Uhr.

Einer der beiden Parkplätze ist für ein Auto des Carsharing-Anbieters app2drive reserviert. Der hat auf dem Egenberger-Parkplatz zwei Wagen stationiert, einer davon soll gegen einen Stromer ausgetauscht werden.

Verstehen Sie E- Mobilität?

Die ehrgeizigen Pläne, die Wiesbaden verfolgt, sind nach Einschätzung von Steffen Arta nicht auf Dreieich übertragbar. Wiesbaden hat sich vorgenommen, bis 2022 die erste Großstadt Deutschlands zu werden, in der nur noch Elektro- und Brennstoffzellenbusse fahren. Als kritisch sieht der Geschäftsführer die Reichweite und nennt als Beispiel die Linie OF-64, die zwischen Offenthal und dem Flughafen verkehrt. „Das ist schon eine ziemlich lange Strecke.“

Langfristig planen die Stadtwerke den Ausbau ihres Angebots von Ladestationen für zuhause. Mit einer sogenannten Wallbox in der Garage lässt sich ein Stromer wesentlich schneller aufladen als am normalen Haushaltsanschluss. An der Steckdose kann das einen halben Tag dauern – effektiv ist anders.

Informationen rund um E-Mobilität in Dreieich und zum Bezahlverfahren für die neue Zapfsäule gibt es bei den Stadtwerken in der Eisenbahnstraße 140 (Tel.: 06103/602-0) oder im Netz.

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