Mitarbeiter von Thermo Fisher demonstrieren für Erhalt von Arbeitsplätzen

Stellenverlagerung aus „reiner Habgier“

Zeichen der Solidarität: Rund 50 Mitarbeiter von Thermo Fisher zeigten bei einer Kundgebung ihre Verbundenheit mit den Kollegen in Langenselbold. Foto: Jost

Dreieich – Die Mitarbeiter von Thermo Fisher Scientific in Buchschlag zeigen sich solidarisch: Rund 50 Angestellte des Unternehmens stehen am Dienstagvormittag mit selbst gebastelten Schildern auf der Straße Im Steingrund und bekunden ihre Verbundenheit mit dem Schwester-Standort im Main-Kinzig-Kreis. VON NICOLE JOST

„Es sollen dort 102 Stellen im Bereich der Buchhaltung und anderen Innendiensttätigkeiten verlagert werden. Die Stellen werden in Billiglohnländer wie Ungarn und Schottland verschoben“, erläutert Dr. Edeltraud Thiry, Vorsitzende des Betriebsrats von Thermo Fisher in Dreieich. Schon seit April 2018, als diese Pläne bekannt wurden, kämpfen die Betriebsräte aller Standorte für den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland. .

Die Konzernleitung habe nach Gesprächen mit dem Betriebsrat und der IG Metall den Verhandlungstisch verlassen und gehe den Klageweg am Landesarbeitsgericht, um die Forderung nach einem Sozialtarifvertrag für die betroffenen Mitarbeiter zu umgehen, so Thiry.

Der Konzern mit Stammsitz in den USA hat weltweit rund 75 000 Mitarbeiter, davon 4 500 in Deutschland. Langenselbold ist die größte Niederlassung mit rund 800 Mitarbeitern. Am Standort Dreieich werden ausschließlich Analysesysteme für die Pharmaindustrie, Umweltinstitute und Universitäten vertrieben und es gibt eine eigene Finanzabteilung. Insgesamt arbeiten in Buchschlag 400 Menschen.

Während Betriebsrat und IG Metall in Langenselbold die Mitarbeiter am Dienstag zu Warnstreiks aufgerufen haben, bekunden die Niederlassungen in Bremen, Erlangen, Freiburg und Dreieich mit Demonstrationen den Zusammenhalt. Betriebsratsvorsitzende Thiry macht auf der Straße im Industriegebiet bei der Kundgebung deutlich, wie wichtig die Solidarität mit dem Werk in Langenselbold ist: „Wir sind alle von diesen Stellenverlagerungen betroffen. Wenn der Konzern jetzt mit diesem Handeln durchkommt, war das nur der Anfang“, ist sie überzeugt. Der Betriebsrat von Thermo Fisher ist erbost über das Vorgehen, denn der Konzern stehe blendend da, es würden große Gewinne erzielt und es sei die „reine Habgier“, dass Bereiche ausgelagert werden, nur um an den Gehältern zu sparen. „Wir sind es, die diesem Konzern das Geld bringen – nicht die Aktionäre!“, stellt Thiry fest und erntet Applaus auf der Straße.

Die Mitarbeiter in Dreieich seien bereits jetzt unmittelbar betroffen. 14 Stellen in der Buchhaltung seien schon nach Budapest verlagert worden. „Einige Kollegen wurden in die Abteilung internationale Finanzen verschoben, andere haben gekündigt. Erst vorletzte Woche haben wir traurige Abschiede gefeiert von Mitarbeitern, die zum Teil schon Jahrzehnte bei Thermo Fisher beschäftigt waren“, berichtet Edeltraud Thiry.

Die Geschäftsleitung von Thermo Fisher ist gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen.

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