36 Stunden Schatzjagd

Dreieichcon: Rollenspieltreffen bringt Fans, Autoren und Verlage zusammen

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Kunstvolle Gestaltung: Illustratorin Tokala (Katharina Niko) gibt ihren Fans im Sprendlinger Bürgerhaus Einblicke in ihre jüngsten Werke zu dem Spiel „Inrah“.

Die Situation wird brenzlig im dunklen Verlies: Die Monster werden gefährlich, aber die Gruppe rund um den Tisch in der Stadtbücherei will sich den Schatz nicht durch die Lappen gehen lassen.

Dreieich –  Magier Julian Menz (13) nutzt seine Zauberkräfte und wirft einen Feuerball: Gefahr gebannt. leider hat er dabei den Barbaren von Kevin Pelikan verletzt. „Das macht nichts, ich habe noch 13 Leben“, sagt dieser.

Schon seit dreieinhalb Stunden brütet die siebenköpfige Spielgruppe über den Abenteuern der „Dungeons of Doria“ von Spielleiter Viktor Ahrens. Mit Julian Menz und Jonas Rein (15) sitzen zwei Teenager aus Gießen am Tisch, der Spielleiter kommt aus dem Rodgau und ist seit vielen Jahren aktiver Besucher der Dreieichcon. Für den Offenbacher Kevin Pelikan ist das Rollenspieltreffen in Dreieich hingegen eine Premiere: „Es ist großartig, hier zusammen zu sitzen. Wir wissen nie, was passiert, decken zufällig Karten auf und entwickeln die nächste Strategie, um die Schätze zu heben und die Monster zu bekämpfen“, erläutert er seine Begeisterung am Rollenspiel.

Dreieichcon: 36 Stunden lang dreht sich alles um die Fantastik

Christian de Ahna, zum 29. Mal federführender Organisation der Convention, beschreibt die Faszination so: „Das Rollenspiel ist wie ein Film, in den man selbst einsteigt und die Abenteuer lenken kann. Ein unglaubliches Kopfkino!“ Mit einem zwölfköpfigen Kernteam und rund 80 Helfern aus ganz Deutschland stellt er das Rollenspieltreffen seit 1995 auf die Beine. In den Anfangsjahren noch zwei Mal im Jahr, seit 1999 nur noch einmal.

36 Stunden lang dreht sich im Bürgerhaus und der Stadtbücherei alles um die Fantastik. Die rund 1500 Besucher spielen ihre eigenen Abenteuer und erleben die führenden Autoren der Szene bei Lesungen ihrer Neuerscheinungen. Sie können mit Illustratoren ins Gespräch kommen und bei Workshops und Podiumsdiskussionen über die Herausforderungen der Zukunft des Rollenspiels diskutieren. „Die Dreieichcon ist das größte Rollenspieltreffen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir wachsen stetig und theoretisch hätten wir uns schon 2001 nach Frankfurt orientieren müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden“, sagt de Ahna. Aber die Verbundenheit nach Dreieich ist groß. Da muss sich das Team eben anders helfen: Erstmals wird in vier Tagungsräumen eines Hotels gespielt. Für nächstes Jahr – die 30. Ausgabe – sind dort bereits neun Räume angemietet.

Lange anhaltende Faszination: Kevin Pelikan (rechts) taucht gemeinsam mit seinen Mitspielern in die Welt von „Dungeons of Doria“ ein und sitzt viele Stunden über dem Spielbrett in der Stadtbücherei Sprendlingen. Fotos: jost

Viel Unterstützung bekommt das Team von Ulisses, dem größten Rollenspielverlag Europas, der mit einem großen Stand präsent ist. Er hält die Rechte an „Das schwarze Auge“, dem hierzulande verbreitetsten Rollenspiel. Traditionell bietet de Ahna aber den Kleinverlagen eine große Bühne. „Die komplette Rollenspielszene profitiert jedoch von der Diversität. Wir müssen uns nichts vormachen: Wir sind der größte Verlag Europas, aber mit unseren 37 Mitarbeitern dennoch ein Nischenmarkt“, kommentiert Jens Ballerstädt, Marketing-Chef von Ulisses. Für die Dreieichcon hat Chefredakteur Nikolai Hoch eine Überraschung im Gepäck: „Sternenträger II – Der Klang des Feyrasaal“ wird im Bürgerhaus exklusiv vorab präsentiert. Die Idee zum neuen Elfenabenteuer im Hochglanz-Mantel, die auf eine 25 Jahre alte Geschichte von Erfolgsautor Bernhard Hennen aufbaut, stammt von de Ahna, der den Autor für diese Idee begeistern konnte. „Es ist weltweit einmalig, dass wir diese Geschichte der Phileasson-Saga, die gerade in Romanform erscheint, mit alten und unseren neuen Abenteuern verknüpfen. Es ist für mich als Fan großartig, dass die Profis diese Idee umgesetzt haben“, freut sich der Organisator der Dreieichcon.

VON NICOLE JOST

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