Impulse für Innenstadt

Suche nach mehr Attraktivität für Sprendlingen

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Fahrradfahrer haben in der Sprendlinger Innenstadt, allen voran in der Hauptstraße, einen schweren Stand. Zu dominant ist dort der Autoverkehr. Viele Radler weichen deshalb auf die Gehwege aus – erlaubt ist das nicht. Dabei kommt es nicht selten zu Konflikten mit Fußgängern.

Dreieich - Die Aufenthaltsqualität der Sprendlinger Innenstadt lässt arg zu wünschen übrig. Mit einem neuen Bebauungsplan will die Stadt die Attraktivität erhöhen und legt bei diesem Prozess auch Wert auf die Meinung der Bürger.

An die Interviews auf der Straße schloss sich jetzt ein Workshop an. Konflikte zwischen Autos und Fahrrädern auf Haupt- und Frankfurter Straße, generell zu viel Verkehr in der Innenstadt, zu hohe Feinstaubbelastung, hässliche Fassaden, zu viel Leerstand, zu wenig Mülleimer und zu wenig Aufenthaltsqualität – die Liste der Kritikpunkte ist lang. Nach der Interviewserie auf der Straße hat die Stadt am Samstag zu einem Planungsworkshop in den kleinen Saal der SKG eingeladen. Unter Leitung des Frankurter Landschaftsarchitekten Dirk Schelhorn und dem Team aus dem Bauamt mit Martin Krauskopf, Sigrid Römer und Kerstin Langstroff sind die Bürger aufgefordert, ihre Meinung und Anregungen zu einem neuen Bebauungsplan für die Innenstadt einzubringen. Die Resonanz ist mau, gerade mal 20 Leute sind gekommen. Aber die arbeiten engagiert mit.

Laszlo Boroffka, Vorsitzender des Dreieicher Jugendparlaments, erläutert die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe in der Planungswerkstatt.

Gleich das Ergebnis auf die erste Frage fällt verheerend aus. Beim Bürgerbarometer, wie der Innenstadtbereich derzeit empfunden wird, können die Teilnehmer Punkte von eins bis zehn vergeben. Die leuchtend roten Aufkleber landen in der Spanne eins bis drei. In einer Gruppenarbeitsrunde stellt sich heraus, dass viele der Anwesenden mit dem Auto, dem Rad und zu Fuß in der Innenstadt unterwegs sind und auch das Einkaufsangebot nutzen. Dünn wird es bei der Frage „Verbringen Sie ihre Freizeit in der Innenstadt?“ Das tut kaum einer – außer auf ein Bier in einer der Gaststätten.

Im zweiten Arbeitsschritt und der Fragestellung „Was würden sie ändern/verbessern?“ kommen konkrete Vorschläge. ADFC-Vorsitzender Bernd Kiefer wünscht sich die Aufwertung des Egenberger-Parkplatzes, eine Verschönerung der Fassaden, die Einbeziehung des vom ADFC erstellten Verkehrskonzepts in die Planung und generell mehr gepflegtes Grün. Spannend ist seine Anregung, sich von der Stadt Günzburg etwas abzuschauen: „Dort wurde eine Onlineplattform geschaffen, über die man bei den Einzelhändlern bestellen kann. Der örtliche Taxiunternehmer liefert noch am gleichen Tag aus.“

Monika Schmidt plädiert für mehr Sitzgelegenheiten. Es folgen Wünsche nach mehr Sauberkeit und besser geordnetem Verkehr. Auch Kritik an dem Bauprojekt „Neue Mitte“ wird laut.

Bilder: Rock'n'Roll Days im Bürgerhaus Sprendlingen

Dirk Schelhorn moderiert gewohnt souverän, ohne Endlos-Diskussionen aufkommen zu lassen. Er fasst den Nachmittag auch zusammen: „Die prägnantesten Themen sind der Verkehr, die Aufenthaltsqualität in der Stadt und die Ästhetik des öffentlichen Raums. Das sind Dinge, die wir nicht in zwei Jahren hinbekommen, aber wir können Einfluss darauf nehmen und das Quartier kann sich verändern“, sagt der Fachmann. Es seien viele Anregungen gekommen, beispielsweise der Hinweis auf mehr Mülleimer oder Sitzgelegenheiten. Um hier aktiv zu werden, seien keine Bebauungsplanänderungen erforderlich. „Aber für andere Probleme braucht es durchaus Konsequenz und auch den Mut, mal ein Pilotprojekt zu starten. Dann muss man halt auch versuchsweise eine Straße sperren“, legt er der Dreieicher Politik ans Herz. „Heimlich“, so sagt Dirk Schelhorn abschließend, sei er schon auf der Suche nach einer kleinen Maßnahme, die sich als sichtbarer Erfolg schnell umsetzen lasse.

Die Ergebnisse aus der Planungswerkstatt werden der Politik vermutlich schon in der nächsten Ausschussrunde Ende Mai präsentiert. Erster Stadtrat Martin Burlon verspricht den Aktiven, auch weiter an dem Prozess beteiligt zu werden. „Dann hoffen wir mal, dass unsere Ideen wahrgenommen werden“, sagt Teilnehmerin Susanne Hormel. (zcol)

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