Corona-Schließung

Minigolf macht dicht: Verein wehrt sich

Kurz nach der Eröffnung Mitte April absolvierte diese Familie die 18 Bahnen der Anlage an der Koberstädter Straße. Seit Samstag ist sie geschlossen.
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Kurz nach der Eröffnung Mitte April absolvierte diese Familie die 18 Bahnen der Anlage an der Koberstädter Straße. Seit Samstag ist sie geschlossen.

Der SV Dreieichenhain hat seine Minigolfanlage an der Koberstädter Straße am Wochenende schon wieder schließen müssen. Empörung macht sich unter den Minigolfern breit.

Dreieich - Die Minigolfanlage in Dreieich muss wegen des zu hohen Inzidenzwertes seine Tore wieder schleißen. Der Verein will diese Anordnung aber nicht kampflos akzeptieren. Nach Angaben des Vorsitzenden Christoph Knittel wurde bereits ein Anwalt kontaktiert. Knittel sagt dazu: „Auf dessen Einschätzung warten wir jetzt.“ Zudem hat sich der SVD an den Landtagsabgeordneten Hartmut Honka (CDU) gewandt.

Die Anweisung kam am Freitag vom Land, das städtische Ordnungsamt musste sie vollstrecken. Knittel ist einigermaßen fassungslos, die Schließung von Minigolfanlagen sei völlig unverständlich. „Wir haben uns vor der Öffnung intensiv mit der Corona-Schutzverordnung beschäftigt“, sagt Knittel.

Hier werde zwischen Freizeitaktivitäten und der Ausübung von Amateur- und Freizeitsport unterschieden. „Es ist für mich völlig unerklärlich, wie man in Wiesbaden zu der Annahme kommt, dass es sich bei Minigolf im Wesentlichen um eine Freizeitaktivität handelt.“

Minigolfanlage Dreieich: Vorstand will Verbot nicht widerstandslos hinnehmen

Offensichtlich lasse man auch außer Acht, dass es sich um eine Sportart handele, die durch den Deutschen Minigolfsport Verband organisiert werde und zudem durch den Deutschen Olympischen Sportbund anerkannt sei, stellt der Vorsitzende klar. „Diese Anordnung zeugt für mich von Unwissenheit oder Ignoranz der handelnden Personen, schlimmstenfalls von einer Kombination aus beidem, was wir nicht gewillt sind widerstandslos hinzunehmen.“

Seit Samstag bestimmen allerdings nicht mehr die Länder die Regeln, maßgeblich ist das ergänzte Bundesinfektionsschutzgesetz. Da hat der SVD-Chef natürlich reingeschaut: „Laut gesetzlicher Regelung ist der Freizeitsport für zwei Personen oder den eigenen Haushalt möglich. Ferner für Gruppen von bis zu fünf Kindern bis 14 Jahre, sofern der Sport kontaktlos ausgeübt wird“, weiß Knittel.

Auch den geforderten Abstand von drei Metern zwischen den Spielgruppen könne problemlos eingehalten werden. „Ein Hygienekonzept wurde bereits vergangenes Jahr erarbeitet und die komplette Saison erfolgreich umgesetzt“, sagt Knittel.

Ähnlicher Fall in Niedersachsen: Betreiber der Minigolf-Anlagen durften wieder öffnen

Hoffnung macht ihm ein nach seinen Worten unanfechtbarer Eilbeschluss des Oberverwaltungsgericht Niedersachsen. Dort sei Mitte April in einem ähnlich gelagerten Fall eindeutig Minigolf als Sportart anerkannt worden. Die Betreiber der Anlagen durften wieder öffnen. Knittel erhofft sich eine Signalwirkung von dem Urteil.

Hält die Anordnung aus Wiesbaden für rechtswidrig: Vorsitzender Christoph Knittel.

Auch Bürgermeister Martin Burlon fällt es schwer, die Entscheidung nachzuvollziehen. „Ich bedauere, dass vor allem den Familien hier eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung genommen wird. Durch die Einordnung des Landes von Minigolf als Freizeitaktivität und nicht als Sport wie Golf, Tennis oder Reiten kam es zu dieser Untersagung.

Es bleibt abzuwarten, ob die seit Samstag auch bei uns geltende Bundesnotbremse hier eine andere Auslegung zulässt. Nähere Informationen des Bundes liegen uns jedoch noch nicht vor.“ Hartmut Honka hat dem SV Dreieichenhain derweil versichert, das Thema an entsprechender Stelle zur Sprache zu bringen. (Frank Mahn)

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