Reise ins alte Sprendlingen

Theater auf dem Lindenplatz in Dreieich: Regisseur Karl Hofmann plant lokalhistorisches Stück

Das Stück „Wie die Stroh-Anna die Preußen besiegte“ war 1989 erstmals auf dem Lindenplatz zu sehen – damals schon mit Karl Hofmann (links).
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Das Stück „Wie die Stroh-Anna die Preußen besiegte“ war 1989 erstmals auf dem Lindenplatz zu sehen – damals schon mit Karl Hofmann (links).

Eigentlich wollte Regisseur Karl Hofmann an seinen Erfolg zum Stadtjubiläum 2017 anknüpfen und im September noch einmal das Theaterstück „Wie die Sprendlinger den Hainern die Kühe klauten“ von Hans Obermann auf dem Lindenplatz präsentieren.

Dreieich – Doch angesichts der Pandemie konnte davon keine Rede sein. Hofmann ist aber keiner, der so schnell die Flinte ins Korn wirft. Für 2021 plant er mit „Als die Stroh-Anna die Preußen besiegte“ ein weiteres Stück von Obermann, dem ehemaligen Leiter der Studiobühne. Die Vorarbeiten für die Reise ins alte Sprendlingen haben bereits begonnen.

Ein erstes Treffen mit Mitspielern hat es schon gegeben. Hofmann braucht aber noch einige Interessierte, die Rollen übernehmen oder als Statisten mitmachen wollen. Auch über die Teilnahme eines Chors würde er sich freuen, da das Stück mit Liedern aufwartet. Das Ganze eignet sich ebenfalls für Leute, die noch keine großen Erfahrungen mit der Schauspielerei gesammelt haben. Zudem sind hinter den Kulissen weitere helfende Hände erwünscht.

Hofmann hat sich schon mal den Lindenplatz im Hinblick auf eine mögliche Aufführung angeschaut. So möchte er das turbulente Geschehen vor der Blauen Blumen und dem Nebenhaus über die Bühne gehen lassen. Und da hatte er ein schönes Erlebnis. Bei der Blauen Blume zeigte man sich angetan von der Idee – ebenso wie der Bewohner des benachbarten Hauses. Doch damit nicht genug. Im Inneren zeigte dieser Hofmann ein Foto von der Aufführung von „Als die Stroh-Anna die Preußen besiegte“, die 1989 auf dem Lindenplatz gezeigt wurde, übrigens unter der Mitwirkung von Hofmann.

Ihm gefallen die Stücke von Hans Obermann, der die Lokalhistorie auf heitere Weise verarbeitet hat. „Bei der Stroh-Anna geht es um eine resolute junge Frau, die verhindern will, dass Soldaten Burschen aus Sprendlingen für den Militärdienst rekrutieren“, beschreibt Hofmann. Die Preußen werden betrunken gemacht und die jungen Männer befreit.

Mit den Aufführungen von „Als die Sprendlinger den Hainern die Kühe klauten“ landeten Karl Hofmann und sein Ensemble einen großartigen Erfolg. Daran soll im kommenden Jahr angeknüpft werden.

Allerdings hat sich das Ganze so nicht abgespielt. Obermann, der sich intensiv mit der heimischen Geschichte beschäftigt, hat vielmehr zwei Geschehnisse aus Sprendlingen zu der Komödie verarbeitet. Er sprach in einem Artikel für den Band „Landschaft Dreieich“ von 1990 selbst davon, dass sich Wahrheit und Dichtung die Waage halten.

So gab es eine Anna-Margarete Stroh, geboren 1703, die sich so gar nicht an die damaligen Gepflogenheiten hielt und gegen die guten Sitten verstieß. Sie wurde bestraft, weil sie Tabak rauchte, Umgang mit Burschen hatte und freche Streiche ausführte. Vor die Wahl einer Geldstrafe oder Arrest gestellt, entschied sie sich für Letzteres, um das Geld zu sparen. Unter dem Jubel der Sprendlinger soll sie zum Arresthaus gebracht worden sein. Zudem gab es von 1700 bis Ende des 18. Jahrhunderts in Gasthäusern Rekrutierungsbüros, die junge Sprendlinger zum Kriegsdienst für fremde Länder anwarben. Dabei waren alle Mittel recht: gutes Essen, ein Handgeld, aber auch Trinkereien bis zum Umfallen. Hatte der Sprendlinger seine Unterschrift oder seinen Daumendruck gegeben, galt danach eine Weigerung oder Flucht als militärisches Vergehen. Für Obermann waren das Anregungen genug, ein vergnügliches Theaterstück zu schaffen.

Die Aufführungen sind vom 17. bis 19. September 2021 geplant – in der Hoffnung, dass dann die Pandemie vorbei ist. Das nächste Treffen ist für den 18. November angesetzt, Anfang 2021 sollen die Proben beginnen. Wer Interesse hat, mitzumachen, meldet sich per E-Mail an hofmannwk@t-online.de. (Von Holger Klemm)

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