Projekttag der Max-Eyth-Schule

Dem Thema Flucht ein Gesicht geben

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Im Workshop mit den Intea-Klassen, zu denen junge Flüchtlinge gehören, erkannten die Teilnehmer schnell ihre Gemeinsamkeiten und schrieben dieses Plakat.

Dreieich - „Neue nette Menschen mit verschiedener Herkunft kennengelernt, die genau gleich wir sind“ – haben Schüler der Max-Eyth-Schule auf ein Plakat geschrieben. Dieser Spruch fasst gut den Projekttag zu Flucht und Asyl zusammen, an dem mehr als 100 Schüler teilnehmen. Von Holger Klemm 

„Wir wollten dem Thema ein Gesicht geben“, betont Lehrer Matthias Stock, der mit Kollegen den Tag vorbereitet hat. Bei Flüchtlingen handelt es sich seiner Ansicht nach nicht um eine Welle oder eine Naturkatastrophe, sondern um Menschen mit den gleichen Hoffnungen, Wünschen und Hobbys wie die der Schüler. Und das wird an dem Tag mehr als deutlich. Die Teilnehmer kommen mit Flüchtlingen zusammen und hören deren bewegende Geschichten. Der Pädagoge hofft, dass der Tag mit Vorträgen und Workshops auch Anregungen zum Engagement gegeben hat. Mit den jährlichen Projekttagen möchte die MES Themen intensiver beleuchten, wie es im normalen Unterricht nicht möglich ist. Beim aktuellen geht es um Fluchterfahrungen, Integration, Hilfsmöglichkeiten, Menschenrechte, aber auch um Begegnungen mit Schülern der Intea-Klassen, in denen Flüchtlinge lernen.

Zu den Referenten gehören Verone Schöninger (Flüchtlingshilfe Erzhausen/Egelsbach), die Neu-Isenburger Pfarrerin Silke Henning, Dr. Emmanuel Ogbungwezeh (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, IGFM), Vertreter der Stadt und von Amnesty International. Gespannt verfolgen die Teilnehmer den Vortrag von Ogbungwezeh mit Infos aus erster Hand zu Nigeria, das unter der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zu leiden hat. Er hat selbst eine Schwester bei einem Terroranschlag verloren. Der IGFM-Vertreter tritt für religiöse Toleranz ein und wendet sich entschieden gegen Intoleranz. Auch nach seinem Vortrag suchen Schüler das Gespräch mit ihm. „Der Vormittag hat auch mir viel gebracht“, sagt er und lobt die Offenheit der Teilnehmer.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Beeindruckt zeigen sich die Zuhörer ebenfalls über den Bericht des iranischen Ingenieurs, der in seiner Heimat gefoltert wurde, fliehen musste und in Deutschland sehr schnell die Sprache gelernt hat. Nun hofft er, bald arbeiten zu können. „Einige meiner Kollegen werden ihn zu weiteren Gesprächen in ihre Klassen einladen“, ist sich Organisator Stock sicher. So bewegt sind die Schüler nach seinem Bericht. Viele Teilnehmer lernen erstmals Schüler der Intea-Klassen (Integration und Abschluss) kennen. In dem Workshop finden die jungen Leute schnell heraus, dass sie dieselben Interessen und Hobbys wie Fußball haben. Und dort entsteht das eingangs erwähnte Plakat. Schon jetzt helfen Schüler den jungen Flüchtlingen beispielsweise bei den Hausaufgaben. Nun dürften es einige Unterstützer mehr werden.

„Wir haben Geschichten gehört, die man aus den Nachrichten kennt.“ Schülerin Karen Palacios berichtet von einem Flüchtling, auf dessen Überfahrt auf dem Mittelmeer viele ertrunken sind. „Der Projekttag hat uns viele Anregungen gegeben“, so die Mitschüler René Steinbrecher und Luca Friedrich. Eine direkte Folge gibt es bereits. Spontan entsteht die Idee, an der MES eine Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zu bilden.

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