Ärger über Versicherung

Ein Jahr nach Thomas Cook-Pleite: Urlauber warten auf Entschädigung

Insolvenz
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Einige Urlauber, die von der Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook betroffen sind, warten immer noch auf die Erstattung ihrer Kosten.

Thomas Cook-Pleite: Auch ein Jahr später wartet ein Paar aus Dreieich auf die Erstattung des Schadens. Im Urlaub wurden sie einfach vor die Tür gesetzt.

  • Vor gut einem Jahr ist der Reiseveranstalter Thomas Cook insolvent gegangen.
  • Seitdem warten viele Kunden auf die Erstattung ihrer Reisekosten – auch ein Paar aus Dreieich.
  • Das Paar wurde im Urlaub sogar vor die Tür gesetzt und ärgert sich über die Versicherung.

Dreieich/Berlin – Vor einem Jahr meldete der Reiseanbieter Thomas Cook Insolvenz an. Zehntausende Menschen mussten ihre Reisepläne aufgeben, ihren Urlaub abbrechen oder draufzahlen. Schnell wurde klar, dass die 110 Millionen Euro, die für den Versicherungsfall zur Verfügung standen, nicht ausreichen würden, um die Betroffenen in vollem Umfang zu entschädigen.

Letztendlich sollte jeder Urlauber 17,5 Prozent seiner Schadenssumme von der Versicherung erstattet bekommen, die Bundesregierung kündigte an, den Rest der Kosten zu übernehmen. Doch wie sieht es ein Jahr danach aus? Sind die betroffenen Urlauber inzwischen entschädigt worden?

Paar aus Dreieich von Thomas Cook-Pleite betroffen: „Wir werden völlig alleingelassen“

Auch Thorsten Schaff und Angela Jannasch wurden während ihres Urlaubs in Andalusien von den Ereignissen kalt erwischt: Nach Bekanntwerden der Pleite stellte ihr Hotel den – bereits bezahlten – Aufenthalt den Gästen erneut in Rechnung. Als das Paar aus Dreieich sich weigerte, wurde es kurzerhand vor die Tür gesetzt.

Sie suchten sich eine neue Unterkunft in einer weitaus weniger komfortablen Pension, verbunden mit Zusatzkosten für Übernachtung und Verpflegung. Seitdem bemühen sie sich um Rückerstattung, doch zu ihrem Verdruss ist bisher wenig passiert. „Wir werden völlig alleingelassen“, ärgert sich Thorsten über die zuständige Versicherung. „Schon im Urlaub wurden wir im Stich gelassen, weil man weder bei Neckermann Reisen, Thomas Cook oder der Versicherung jemanden erreichen konnte. Es gab niemanden, der einem half“, erzählt Angela. „Und diese Hilflosigkeit setzt sich bis heute fort.“

Thomas Cook-Pleite: 200.000 Anträge auf Erstattung – Paar aus Dreieich im Telefonmarathon

Zwar erhielten sie nach einigen Monaten 60 Euro, der Betrag entsprach jedoch nicht annähernd der errechneten Schadenssumme. „Da begann der leidige Telefonmarathon“, erzählt Thorsten. Mehr als zehnmal telefonierten sie bereits mit der Versicherung, wurden jedoch bisher immer wieder vertröstet. „In jedem der Gespräche wurde mir versprochen, dass man sich um unseren Fall kümmert und ich den Differenzbetrag erhalte“, schildert Angela. „Ich verstehe nicht, warum die Neuberechnung bis heute knapp fünf Monate dauert. Auch meiner Bitte um den Rückruf eines Vorgesetzten wurde bis heute nicht entsprochen.“

Und ihr Freund Thorsten glaubt: „Das ist Absicht und Masche der Versicherung: mit Freundlichkeit die Anrufer und Thomas-Cook-Geschädigten so lange hinzuhalten, bis sie aufgeben.“ Das Problem bei der Sache: Erst wenn der Fall mit der Versicherung geklärt ist, kann beim Bund die Erstattung der Restkosten beantragt werden.

Bernd Engelien, Pressesprecher der zuständigen Zurich Versicherung, bedauert den Fall: „Dass die Urlauber genötigt wurden, vor Ort erneut zu zahlen, und aus dem Hotel geworfen wurden, ist in der Tat ärgerlich und hätte nicht vorkommen dürfen.“ Aufgrund fehlender Detailinfos könne er zu dem konkreten Fall allerdings „leider keine Angaben machen“. Insgesamt seien rund 200.000 Anträge auf Erstattung eingegangen. „Die berechtigten Ansprüche haben wir bereits bis Ende Juni bearbeitet und mit einer vorläufigen Quote von 17,5 Prozent reguliert.“ Seines Wissens habe die Bundesregierung bislang rund 5000 Fälle bearbeitet.

Erstattung von Kosten nach Thomas Cook-Pleite: Kompliziertes Verfahren und hoher Aufwand

Felix Methmann, Referent im Team Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), ist nicht überrascht, dass die Bundesregierung erst so wenige Ansprüche beglichen hat. „Es ist ungemein schwierig, das Onlineportal für die Erstattung zu bedienen“, bemängelt er. Das Verfahren sei „absolut kritikwürdig“ und es gebe viele Beschwerden, dass es „unglaublich lange“ dauere.

Die Tatsache, dass von den 200.000 Fällen erst 68.000 Anträge beim Bund eingegangen sind, spiegele das Problem wider. „Ich fürchte, dass für viele Betroffene das Verfahren zu kompliziert und der Aufwand zu hoch ist, sodass sie es bleiben lassen“. Er kritisiert besonders, dass der Bund einen Nachweis über das sogenannte Chargeback-Verfahren verlangt: Kunden, die mit Kreditkarte bezahlt haben, sollen demnach bei ausbleibender Leistung ihr Geld zunächst von der Bank zurückfordern. Da es oftmals mehrere beteiligte Parteien gebe, sei nicht immer klar, wer zuständig sei, zum Beispiel verweise oftmals der Kreditkartenanbieter auf die Hausbank und umgekehrt. Auch die Fristen seien häufig ein Problem, immerhin ist die Insolvenz bereits ein Jahr her. Doch ohne den Nachweis eines erfolglosen Chargeback-Verfahrens erkenne der Bund den Anspruch nicht an.

Im Falle des Dreieicher Paares sei die Rechtslage schwierig, „wenn die Urlauber eine andere Unterkunft aufgesucht haben“, sagt der Verbraucherschützer. Da sie allerdings anhand eines Schreibens nachweisen können, dass ihr ursprüngliches Hotel sie rausschmiss, hält er ihren Anspruch für berechtigt und rät, bei weiteren Verzögerungen einen juristischen Beistand hinzuzuziehen. Eine Häufung von Beschwerden über die Rückerstattung der Zurich Versicherung sei dem vzbv jedoch nicht bekannt. (Von Niels Britsch)

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