Egelsbacher Tierherberge möchte übernehmen

Wende in Sachen Tierheim?

+
Wie würde wohl die Wahl dieses Hundes ausfallen, wenn er das Schicksal des Tierheims mitbestimmen könnte? Noch in diesem Jahr soll die Entscheidung für einen neuen Betreiber fallen.

Dreieich - In die Diskussion um die Übernahme des Tierheims kommt Bewegung. Sah bislang alles danach aus, dass ein Züchter zum Zuge kommt, hat nun auch die Tierherberge Egelsbach ein Übernahmekonzept eingereicht. Von Holger Klemm 

Interesse melden ebenfalls der Tierschutzverein Langen/Egelsbach und die Tierhilfe aktiv an, die zu diesem Zweck fusionieren wollen. Die Tierherberge am Flugplatz Egelsbach, die bis Mitte 2015 ein neues Gelände benötigt, hatte bereits im vergangenen Jahr ein Auge auf die Einrichtung im Haag geworfen, dann aber abgewunken. Damals hieß es, dass sich die Sache zu lange hinziehen werde. Doch nun haben die Verantwortlichen den Hut in den Ring geworfen und ein Übernahmekonzept präsentiert. „Die Rahmenbedingungen haben sich geändert“, begründet Sprecherin Cornelia Finkbeiner. „Wir sind von unserem zukunftsfähigen Konzept überzeugt, verfügen über eine wirtschaftliche solide Basis und freuen uns auf einen transparenten und fairen Vergabeprozess“, betont sie.

Ende April hat der geschäftsführende Vorstand des Tier-Rettungs-Dienstes Frankfurt als Träger die Pläne eingereicht. Ziel ist die Weiterentwicklung des Dreieicher Tierheims zu einem Begegnungszentrum zwischen Mensch und Tier. Neben den klassischen Aufgaben und der Vermittlung sollen Workshops und Seminare angeboten werden, der Pensionsbereich für berufstätige, urlaubende oder kurzfristig erkrankte Tierbesitzer erweitert und Veranstaltungen für die Familien organisiert werden. Geplant ist auch ein kleines Café. Die Mitarbeiter würden übernommen. Vorsitzende Petra Franci sieht Chancen für beide Seiten: „Das Tierheim wird liebevoll gepflegt.“ Der Investitionsstau, der auf bis zu 600.000 Euro geschätzt wird, schreckt die Tierherberge nicht, da sie schon länger für ein neues Gelände gespart hat.

Noch nicht alle Voraussetzungen geschaffen

Parallel zu ihrer Bewerbung bleiben die Verantwortlichen aber mit der Prüfung von potenziellen Neubaugrundstücken am Ball. Für das bislang favorisierte Gewerbegrundstück in Dietzenbach lägen derzeit noch nicht alle Voraussetzungen für einen endgültigen Kauf vor.

Lesen Sie dazu auch:

Tauziehen geht ohne die IG weiter

Zwei Private buhlen ums Tierheim

Unabhängig von der Tierherberge haben auch der Tierschutzverein Langen/Egelsbach und die Dreieicher Tierhilfe aktiv einen Vorschlag unterbreitet. Den Mitgliedern geht es darum, einen gewerblichen Züchter als Betreiber des Tierheims zu verhindern. Für Evelin Bohlscheid, Vorsitzende der Tierhilfe, wäre dies ein „Horrorszenario“. Gefundene oder abgegebene Tiere würden als zweit- oder drittklassig abgestempelt. Die beiden Vereine wollen fusionieren und gegebenenfalls weitere Vereine ins Boot holen und ihre Mitglieder und Finanzmittel einbringen. Das jeweilige Vereinsvermögen könnte an das Tierheim übertragen werden. „Mit der Fusion, den künftigen Mitgliedsbeiträgen sowie einer Überarbeitung der derzeitigen Kostenstruktur kann das Tierheim insgesamt wirtschaftlich betrieben werden“, glauben die beiden Vorsitzenden Marlis Bahr und Evelin Bohlscheid. Die notwendigsten Sanierungsarbeiten könnten mit dem zugeflossenen Kapital in Angriff genommen werden. Außerdem hätten Sponsoren Interesse angemeldet. Im Gespräch mit Kommunalpolitikern sei der Vorschlag auf Wohlwollen gestoßen.

Hätten Sie es gewusst? So alt werden Tiere

Hätten Sie es gewusst? So alt werden Tiere

Die vom Trägerverein geschätzten Sanierungskosten von 500.000 bis 600.000 Euro für das marode Gelände hält Bohlscheid für zu hoch. „Das ist bestimmt billiger zu machen.“ Sie hofft, dass ihr Vorschlag wie die anderen den Mitgliedskommunen präsentiert wird. Die beiden Vereine hätten auch nichts gegen eine Übernahme durch die Tierherberge einzuwenden – Hauptsache, dem Tierschutzgedanken werde weiter Rechnung getragen.

Dem Vorschlag der beiden Vereine kann Manfred Weil, Vorsitzender des Tierheim-Vereins, wenig abgewinnen. Dieser sei nicht tragfähig, da entsprechende Zahlen fehlen würden. Anders sehe es bei der Tierherberge aus. Das Konzept werde nun von einem externen Büro überprüft. Bewerten wollte Weil das Ganze aber nicht. Er möchte alle drei auf dem Tisch liegenden Konzepte – die der beiden Hundezüchter und das der Tierherberge – neutral behandeln. Allerdings beabsichtigt der Verein, den Mitgliedskommunen einen Vorschlag vorzulegen. Ursprünglich sollte dies im Juni geschehen. Wegen der Tierherberge könne es aber zu leichten Verzögerungen kommen. Weil strebt eine Einstimmigkeit der Kommunen an. „Es hat keinen Sinn, jemandem etwas aufzuzwingen.“ Bei einem Austritt einer Kommune aus dem Trägerverein würde das ganze Konzept ins Wanken geraten. Weil geht von einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft des Tierheims im Herbst aus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare