Tierhilfe aktiv feiert Geburtstag

Eine Lobby für Hunde und Katzen

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Vorsitzende Evelin Bohlscheid (links) und zweite Vorsitzende Edith Klein suchen aktuell nach einem neuen Zuhause für die beiden Hündinnen Bella (oben) und Tula.

Dreieich - Wenn ein Verein sein zehnjähriges Bestehen feiert, kann er viel erzählen. Das ist auch bei der Tierhilfe aktiv der Fall. Zum Jubiläum werden Erinnerungen an turbulente Jahre mit schönen, erfolgreichen, aber auch traurigen Momenten wach. Von Holger Klemm 

Um diese wird es gehen, wenn am Montag die Jubiläumsfeier ansteht. Empörung und Mitleid reichen nicht aus. Das war die Maxime einiger Tierschützer vor einem Jahrzehnt, die schon Erfahrungen gesammelt hatten und etwas Neues in Dreieich auf die Beine stellen wollten. „Wir haben vorher gute Arbeit gemacht und wollten weiter gute Arbeit machen, wussten aber auch um die Widrigkeiten bei Aktivitäten im Tierschutz“, berichtet Vorsitzende Evelin Bohlscheid, die den Verein zusammen mit der zweiten Vorsitzenden Edith Klein führt.

„Wir hätten gar nicht gedacht, dass wir so lange durchhalten.“ Doch das ist gelungen und aus kleinen Anfängen entwickelte sich ein Verein mit 150 Mitgliedern. Neben der Förderung des Tierschutzgedankens warten viele Aktivitäten vor Ort. Fundtiere und Vierbeiner, die von ihren Herrchen und Frauchen aus den unterschiedlichsten Gründen abgegeben werden müssen, sind zu versorgen und vermitteln, Besitzer zu beraten und Papierkram zu erledigen. Schon die reinen Zahlen sind beeindruckend. Im Schnitt werden pro Jahr 40 Katzen und zehn Hunde vermittelt. Da kommt in zehn Jahren einiges zusammen. Natürlich gibt es auch Einsätze für andere Tiere wie Nilgänse, Igel oder Fledermäuse. Doch da kann sich der Verein auf ein Netzwerk von Partnern verlassen.

Positiver Nebeneffekt des Tierschutzes

Das alles ist mit viel Engagement der ehrenamtlich aktiven Mitglieder verbunden, aber auch mit Kosten beispielsweise für Tierarztbesuche. Dank der Beiträge, Spenden, aber auch Erbschaften kann der Verein seiner Arbeit nachkommen. Bohlscheid könnte sich zwar mehr Angebote vorstellen, beispielsweise für Schulen und Kindergärten. Doch dies sei angesichts des schon hohen Einsatzes kaum möglich.

Der Tierschutz habe aber auch den positiven Nebeneffekt, beweglich, gesund und fit zu bleiben. Die Aktiven müssen sich in allen Lebenslagen zurecht finden und begegnen vielen Menschen, von denen einige richtig gute Freunde werden. Es gibt aber auch Situationen, die nicht einfach sind, wenn man es mit verwahrlosten und abgemagerten Vierbeinern zu tun bekommt. Manchmal sind alle Bemühungen vergeblich und das Tier kann nicht gerettet werden. Umso größer ist die Freude, wenn die Sorgenkinder wieder aufgepäppelt werden können. Bohlscheid: „Wir sind glücklich, wenn wir für ein Tier das richtige Zuhause gefunden haben. Das ist Lohn genug.“

Anspruchshaltung von Tierbesitzern

Ärgerlich ist für sie manchmal die Anspruchshaltung von einigen Tierbesitzern, dass der Verein selbstverständlich zu helfen habe. „Wir tun, was wir können, allerdings passt es auch nicht immer zusammen.“ Einmal lief eine Border Collie-Hündin in das Geschäft Fressnapf. „Wir haben uns um sie gekümmert und den Besitzer ausfindig gemacht“, berichtet Bohlscheid. Als dieser die Hündin abholte, gab es nicht einmal ein Dankeschön. „Manche nehmen unsere Arbeit einfach als selbstverständlich hin“, seufzt die Vorsitzende.

Ein positives Gegenbeispiel ist die Geschichte der abgemagerten KarthäuserKatze in Offenthal, auf die die Tierhilfe aufmerksam gemacht wurde. Auch da konnten die Besitzer ausfindig gemacht werden. Die Familie zeigte sich überglücklich, war ihr Tier doch drei Wochen lang verschwunden. Wenig später war die Katze wieder aufgepäppelt. Schön findet es die Tierhilfe, wenn sie weiterhin etwas von ehemaligen Schützlingen hört. Auch da gibt es jede Menge tolle Geschichten wie beispielsweise die des Hundes Bobby, der verschiedene Zuhause hatte und nun richtig glücklich ist.

Eine neue Bleibe will die Tierhilfe auch für Hündin Tula finden. Über sie gibt es eine bewegende Geschichte. Auf einem Friedhof in Spanien wachte sie am Grab ihres verstorbenen Herrchens. Evelin Bohlscheid zeigte sich so gerührt, dass sie eine Ausnahme von der Regel machte, aus dem Ausland keine Tiere zu holen. Tula sei zwar sehr lieb, könne sich aber nur auf wenige Personen fixieren. Deshalb habe eine Familie den bereits aufgenommenen Vierbeiner wieder zurückgegeben.

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Manchmal gerät der Verein aber auch an seine Grenzen. Das war 2013 der Fall, als 30 Katzen in der Vermittlung waren. Doch es gelang, fast alle Samtpfötchen unterzubringen. Für die drei, die nicht zu vermitteln waren, gibt es eine Art betreutes Wohnen. Auf einem Grundstück wurde ein kleines Häuschen eingerichtet, ansonsten haben die drei – natürlich kastrierten – Katzen Freigang. Regelmäßig schauen Mitglieder nach ihnen. Ein wichtiges Anliegen ist der Tierhilfe, dass Katzenbesitzer ihre Vierbeiner kastrieren lassen. Nur so könne es gelingen, der Überpopulation Herr zu werden. „Das ist ein großes Problem“, meint die Vorsitzende und hofft auch auf eine Regelung durch die Stadt.

Um Tieren weiter helfen zu können, wünscht sich Bohlscheid weitere Aktive, zusätzliche Pflegestellen, aber auch mehr Spenden. „Das muss nicht immer Geld sein.“ So gebe es beispielsweise Leute, die zu Weihnachten eine Palette mit Tierfutter vor die Tür stellen. Bei der Jubiläumsfeier am Montag, 27. Januar, um 19.30 Uhr beim TC Rot-Weiß, Hainer Chaussee 28, sollen Gespräche und das gesellige Zusammensein im Mittelpunkt stehen. Für die Musik sorgen Sorin Raicovescu (Piano), Nicola Schöpp (Gesang) und Ralf Schmidt (Gitarre).

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