Heimatkundler im Alter von 84 Jahren verstorben

Trauer um den großen Sprendlinger Arno Baumbusch

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Arno Baumbusch ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

Dreieich - Der Verein Freunde Sprendlingens trauert um sein Ehrenmitglied Arno Baumbusch. Der Heimatkundler ist im Alter von 84 Jahren verstorben.

Baumbusch war 1944 mit seiner Mutter aus seiner zerbombten Geburtsstadt Neu-Isenburg nach Sprendlingen gezogen, wo ihn die letzten Kriegsereignisse stark prägten. Er erlernte den Beruf des Steinmetzes und Steinbildhauers, den er bis zu seiner Pensionierung – zuletzt als Ausbilder – ausübte. Baumbusch gehörte bei den Freunden Sprendlingens zu den Mitgliedern der ersten Stunde. Der Verein für Heimatkunde gründete sich 1976, um die Sprendlinger Eigenheiten auch in der neuen Stadt Dreieich zu bewahren. Baumbusch recherchierte die Schicksale vieler jüdischer Mitbürger Sprendlingens, die Ergebnisse wurden in dem Buch „Die Sprendlinger Juden“ publiziert. Baumbusch schuf die Gedenktafel am Alten Rathaus, die auf die in der Nazizeit zerstörte Synagoge hinweist. Er half mit, die Mikwe in der Hellgasse auszugraben und war Mitinitiator der Errichtung des Mahnmals auf dem jüdischen Friedhof.

Baumbusch hat in Sprendlingen viele Spuren hinterlassen. Der Hooschebaa-Brunnen ist sein Werk, am Alten Rathaus stammt das Dreieicher Stadtwappen von ihm, ebenso die Urmarks-Stele am Rostädter Weg und die Verschwisterungssteine im Bürgerpark. Baumbusch hat darüber hinaus viele Sprendlinger Geschichten gesammelt und nacherzählt. Seine Fotosammlung mit Sprendlinger Motiven umfasst mehr als tausend Aufnahmen, das Archiv ist unter www.freunde-sprendlingens.de einzusehen. Dort kann auch ein Film über eine Führung von Baumbusch zur Mikwe und auf dem jüdischen Friedhof aufgerufen werden. Aufgrund seiner Verdienste wurde Arno Baumbusch 2012 die Ehrenmitgliedschaft der Freunde Sprendlingens verliehen. Sein letztes Projekt waren die drei Grabplatten, die 2015 auf die vorher nicht gekennzeichneten Ruhestätten von im Jahr 1938 verstorbenen jüdischen Mitbürgern gesetzt wurden.

fm

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