Serie zum Trinkwasser

Trinkwasser für Dreieich: Kühl und frisch im Hochbehälter

Wann in welchem Stadtteil wie viel Wasser verbraucht wird, kann Volker Kreuzer genau verfolgen. Die Spitzenwerte werden aktuell in den Stunden zwischen 18 und 22 Uhr erreicht.
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Wann in welchem Stadtteil wie viel Wasser verbraucht wird, kann Volker Kreuzer genau verfolgen. Die Spitzenwerte werden aktuell in den Stunden zwischen 18 und 22 Uhr erreicht.

In der vierten Folge unserer Serie geht es um die Wege, die das Trinkwasser vom Sprendlinger Wasserwerk über den Hochbehälter auf der Hub nimmt, bis es aus den Wasserhähnen der Dreieicher fließt.

Dreieich – So viel schon mal vorab: Es gibt in Dreieich nicht nur einen Ursprungsort des Wassers, weil die Stadtteile das Lebensmittel Nummer eins aus unterschiedlichen Quellen beziehen. „Sprendlingen und Buchschlag werden komplett mit unserem eigenen Wasser aus unseren Brunnen versorgt. Es fließt direkt aus dem Wasserwerk ins Netz und dann in die Hausleitungen“, erklärt Volker Kreuzer, technischer Prokurist der Stadtwerke. Auch für Götzenhain und Dreieichenhain bleibt noch Dreieicher Wasser übrig. Die fehlende Menge kaufen die Stadtwerke vom Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) zu, der das Wasser aus Brunnen in den Wäldern rund um Seligenstadt fördert. Das Offenthaler Wasser kommt komplett aus diesem Bestand. „Das hat historische Gründe, Offenthal war schon immer an dieses Netz angeschlossen“, weiß Volker Kreuzer.

Über 3,3 Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen die Bürger in Dreieich

Insgesamt verbrauchen die Dreieicher in den fünf Stadtteilen jedes Jahr rund 3,3 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Stadtwerke haben eine Fördergenehmigung über 2,25 Millionen Kubikmeter, etwas über eine Million wird über die ZWO bezogen. „Wir haben gerade einen Antrag beim Regierungspräsidium gestellt. Wir möchten gerne 2,4 Millionen Kubikmeter fördern. Wir haben einen wachsenden Bedarf. Einmal wegen der heißen Sommer und den Neubaugebieten und auch wegen der Industrie, die expandiert hat“, verweist Kreuzer als Beispiel auf die Firma Biotest in Dreieichenhain, die ihre Produktionsfläche fast verdoppelt hat. Wie groß der Anteil des Wasserverbrauchs in der Industrie ist, macht der Prokurist an einer Kurve deutlich, die er auf seinem Rechner aufruft: Am Dienstagmittag gegen 16 Uhr verbrauchen die Götzenhainer 74 Kubikmeter Wasser in der Stunde, in der gleichen Zeit braucht Dreieichenhain 212 Kubikmeter – das liege am Industriegebiet.

In diesen heißen Tagen fließt ohnehin deutlich mehr Wasser aus den Hähnen – die Spitze hält am Montagabend um 20.15 Uhr Sprendlingen mit 550 Kubikmetern, das sind 550 000 Liter in einer Stunde. Die Spitzenwerte werden aktuell morgens zwischen sieben und neun erreicht und noch ein bisschen höher steigt die Linie in den Abendstunden zwischen 18 und 22 Uhr – das ist die Zeit des Rasensprengen und Duschens. Besondere Ereignisse lassen sich in der Wasserstatistik übrigens auch ablesen: Steht ein wichtiges Länderspiel bei einer WM an, schnellt der Verbrauch in der Halbzeitpause hoch, weil die Toilettenspülungen relativ gleichzeitig betätigt werden.

Rund 160 Kilometer Rohre liegen in ganz Dreieich für die Wasserversorgung verteilt

Zurück zum Weg des Wassers. Rund 160 Kilometer Rohre liegen im ganzen Stadtgebiet verteilt, um das Wasser zu befördern. Die großen Transportrohre haben einen Durchmesser von 50 Zentimetern, die Versorgungsleitungen in den Straßen sind deutlich kleiner, zwischen zehn und 25 Zentimetern im Durchmesser. „Wir haben eine bunte Materialmischung. Es gibt in Dreieich noch wenige Stahlrohre; der Großteil des Netzes besteht aus Graugussrohren, PVC-Rohren und Polyethylen-Rohren. Wir verbauen in den letzten Jahren nur noch die letztgenannten PE-Rohre, sie lassen sich gut verarbeiten und sind auch langlebig“, erläutert Kreuzer.

Ein Teil des Wassers fließt wie schon erwähnt direkt aus dem Wasserwerk im Schlesienweg in die Haushalte, der größere Anteil wird aber in den Hochbehälter auf der Hub in Götzenhain gepumpt. Dort sind zwei 2 500 Kubikmeter fassende Wasserkammern in den Erdboden eingelassen – am höchsten Punkt in Dreieich, um bei der Entnahme vom Wasserdruck profitieren zu können. Hier bleibt das Wasser, das zu diesem Zeitpunkt gerade nicht gebraucht wird, kühl und frisch und wird bei Bedarf von dort in die Haushalte verteilt. Zum Ende des Tages wird in heißen Sommern das Wasser schon einmal deutlich weniger. „Ganz leer war es bei uns aber noch nie. Im Hitzesommer 2018 gab es Tage, an denen beide Hochbehälter nur noch einen Wasserstand von 1,50 Meter hatten. Das ist in den vergangenen Tagen aber noch nicht vorgekommen“, ist Kreuzer froh.

Dreiech: Prokurist wünscht sich einen guten „Wasserwinter“

Durch den geringeren Verbrauch in den Nachtstunden werden die beiden Kammern über das Versorgungsnetz mit Wasser aus den Brunnen im Sprendlinger Wald wieder befüllt. Trotzdem wünscht sich der technische Prokurist einen guten „Wasserwinter“: eine Schneedecke, die liegen bleibt. Denn dann kann die Feuchtigkeit den Boden aufweichen, es kann langsam Wasser einsickern und damit steigt der Grundwasserspielgel. „Ein Platzregen, wie wir ihn in der Vergangenheit öfter hatten, bringt uns nämlich nicht viel. Der Boden ist so fest, das Wasser kommt nur auf, kann nicht eindringen und läuft nur weg“, erläutert Volker Kreuzer. (Nicole Jost)

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