Neues Leben für die Villa Schott

+
Keine schöne Visitenkarte für die Stadt: Die Villa Schott am Sprendlinger Ortseingang gammelt vor sich hin. Das soll sich nun ändern.

Sprendlingen - Zugemauerte Fenster, abgeblätterter Putz, aus der Verankerung gerissene Rollläden und jede Menge Schutt - die Villa Schott am Sprendlinger Ortseingang befindet sich seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf. Von Holger Klemm

Und doch hat sich in den vergangenen Wochen auf dem Grundstück etwas getan: Es wurden Bäume gefällt. Im September 2011 hatte der Frankfurter Architekt Jochem Jourdan seine Pläne für die Umgestaltung des etwa 3060 Quadratmeter großen Geländes vorgestellt. Er möchte nicht nur das denkmalgeschützte Gebäude sanieren, sondern auch drei Stadtvillen dort neu bauen. An den Plänen habe sich nichts geändert, versichert er. Jourdan zeigt sich optimistisch, dass seine Vorstellungen umgesetzt werden können. Zurzeit arbeitet das Büro Jourdan & Müller an dem Bauantrag. „Es sind etliche Formalitäten erforderlich“, betont er. Eine Bauvoranfrage habe es bereits gegeben, wie Irene Dietz, Pressesprecherin der Stadt, berichtet.

Um einen Baubeginn nicht zu behindern, wurden rechtzeitig vor Ablauf der Frist von Seiten des Naturschutzes Bäume auf dem Gelände gefällt. Jourdan ist zuversichtlich, dass sich noch in diesem Jahr etwas tun wird. Der Architekt, der in Dreieichenhain wohnt, spricht von einem regen Interesse an den dort vorgesehenen Wohnungen. „Die Resonanz ist sehr groß.“ Es gebe viele Anfragen von Kaufinteressierten.

Behutsame Instandsetzung der Villa

Die Villa strahlt allenfalls einen morbiden Charme aus.

Geplant ist eine behutsame Instandsetzung der Villa mit ihren prägnanten Sandsteinprofilen und den beiden hölzernen Treppenhäusern. Lediglich die fehlenden Geländer und die Türen im Inneren müssen ersetzt werden, wie der Architekt bei der Vorstellung der Pläne im vergangenen September betonte. In Richtung Darmstädter Straße soll eine optisch angepasste Stadtvilla mit vier Etagen entstehen. Dahinter sind zwei weitere, niedrigere Gebäude sowie eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen vorgesehen. Insgesamt plant Jourdan in dem Komplex 19 Wohnungen, acht davon barrierefrei. Das Vorhaben ist mit den Denkmalschützern abgestimmt.

Die Villa war einst ein Schmuckstück und nach Angaben von Denkmalschützern für das Kreisgebiet ungewöhnlich opulent. Übrig geblieben ist allein ein morbider Charme. Bauherr war in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts der Sektfabrikant Georg Adam Löffler, der auf dem benachbarten Gelände seine Sektkellerei hatte. In den 20er Jahren wurde die Villa an die Familie Schott verkauft.

Gebäude verfiel über die Jahre

Nach wechselvoller Geschichte ist das Gebäude seit 1961 unbewohnt und verfiel über die Jahre, da sich eine Erbengemeinschaft nicht einigen konnte. Über die Jahre kritisierten viele Sprendlinger das negative Erscheinungsbild am Ortseingang - für die Stadt alles andere als eine Visitenkarte.

Im Inneren muss die große Halle mit ihrer geschnitzten Treppe imposant gewesen sein. Davon schreibt der Sprendlinger Heimatforscher Wilhelm Ott auf seiner Internet-Seite „Steine in der Dreieich“. Drei große Bogenfenster ließen genügend Licht in die Halle einfallen.

Doch von dem Glanz ist nichts übrig geblieben, wie auch ein Film auf der Internetplattform Youtube in der Rubrik „Lost Places“ (verlorene Orte) zeigt. Der knapp sechsminütige Streifen führt durch das Gebäude mit kahlen - zum Teil verschmierten - Wänden. Allerdings bekommt man beim Betrachten schon einen Eindruck davon, dass die Villa Schott früher beeindruckend gewesen sein muss. Und vielleicht gelingt es ja dem Architekten, den längst vergangenen Charme wieder aufleben zu lassen.

Kommentare