Ehepaar verbrennt auf der A661

Wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

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Bild vom Unfallort auf der A661 am 2. März 2013.

Dreieich - Ein 20-jähriger Mann, der den Tod eines Ehepaars auf der A661 zu verantworten hat, wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Unfall wäre vermeidbar gewesen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Meist geht es gut aus, das „Augenblicksversagen“. Jeder langjährige Autofahrer hat das, was sich hinter dem sperrigen juristischen Begriff verbirgt, schon selbst am Steuer erlebt: Der kurzzeitige Konzentrationsmangel, der oft mit einem Schreck oder manchmal mit einem Bußgeld endet. Im schlimmsten Fall jedoch kommen Menschen durch diese Unachtsamkeit zu Tode, so wie am 2. März vergangenen Jahres auf der Autobahn 661 zwischen den Anschlussstellen Dreieich und Langen, als ein VW Golf mit hoher Geschwindigkeit ungebremst einen Fiat Seicento rammte. Gestern wurde nun der 20-jährige Unfallverursacher vor dem Amtsgericht Langen wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt, außerdem trägt der junge Egelsbacher die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage.

Es ist später Samstagnachmittag, als sich das Heusenstammer Rentnerehepaar W. auf den Weg zur Familie der Tochter nach Darmstadt macht. In einer Gaststätte in Arheilgen wollen sie den 69. Geburtstag von Ehefrau G. nachfeiern. Ohne Eile fahren sie auf der A 661 Richtung Süden. Zeit- und richtungsgleich biegt Maximilian K. in Dreieich auf die Autobahn. Er kommt gerade vom Fitnesstraining und fährt zurück nach Egelsbach, wo der gebürtige Thüringer seinen Zweitwohnsitz und Ausbildungsplatz hat.

Kleinwagen mit 150 Stundenkilometern übersehen

Auf dem Weg dorthin will er noch schnell in Langen etwas Essbares kaufen. 1000 Meter vor der Ausfahrt Langen wechselt er mit flotten 150 Stundenkilometern von der linken auf die rechte Spur, blinkt, schaut in den Spiegel, sieht nur eine leere Fahrbahn. Und übersieht den Kleinwagen der W.s, der mit rund 60 Stundenkilometern wie aus dem Nichts plötzlich direkt vor ihm fährt. Ungebremst und ohne Ausweichmanöver fährt K. frontal auf den Fiat auf, der Tank im Heck des Kleinwagens fängt sofort Feuer. Beide Fahrzeuge geraten ins Schleudern, der Fiat touchiert die Betonleitwand, prallt anschließend zurück auf die Fahrbahn und brennt vollständig aus. K.´s Golf kommt quer auf der Standspur zum Stehen, seine rechte Front ist deformiert, er selbst bleibt unverletzt. Das Ehepaar verstirbt noch am Unfallort. Die Autobahn bleibt für mehrere Stunden voll gesperrt.

Weder Alkohol oder Drogen, noch schlechte Straßen- oder Sichtverhältnisse haben die Fahrtüchtigkeit des angehenden Mechanikers beeinträchtigt. Ob er mit dem Handy telefonierte oder sonst wie abgelenkt war, lässt sich nicht abschließend beweisen. Dazu der Kfz-Sachverständige Tobias Wilhelmi: „Nichts im Innenraum des Unfall-Golfs deutet darauf hin, dass der Fahrer abgelenkt wurde. Und keines der Fahrzeuge wies nach dem Unfall noch erkennbare technische Mängel auf.“ Trotzdem ist Wilhelmi sicher: „Bei ausreichendem Sicherheitsabstand oder einem Überholmanöver wäre der Unfall vermeidbar gewesen!“

Zwei Menschen verbrennen bei Unfall auf der A661

Zwei Menschen verbrennen bei Unfall auf der A661

Die Höhe der Strafe richtet sich jedoch nicht nach den Folgen, sondern nach dem Maß der Schuld. Hier ist laut Jugendrichterin Frauke Honemann dem Beschuldigten K. „nur“ ein durchschnittlicher Verstoß der Sorgfaltspflicht vorzuwerfen. Dazu Staatsanwältin Jutta Prechtl: „So schlimm die Folgen für die Hinterbliebenen auch sind, es kann in einem normalen Strafprozess keine Sühne stattfinden. Bei dieser Art von Fällen gibt es nur Verlierer.“

Aus dem gerichtsmedizinischen Gutachten geht hervor, dass der 72-jährige Fahrer an den Folgen des heftigen Aufpralls starb, seine Beifahrerin erstickte an den Rauchgasen. Beide sind demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bei lebendigem Leib verbrannt.

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