Tatkräftig, zuverlässig, humorvoll

Unterhaltsamer Abend zu Hans Meudt

+
Für die Erinnerung an Hans Meudt sorgten (von links) Peter Holle, Dr. Dorothee Kaltenbach, Isabel Schilling (beide Geschichtsverein Buchschlag), der damalige Erste Stadtrat Klaus Vetzberger sowie Dr. Wilhelm Ott (Freunde Sprendlingens).

Dreieich - Es wäre ein Unding gewesen, das Stadtjubiläum „40 Jahre Dreieich“ ohne Erinnerung an Hans Meudt (1920 - 2006) zu begehen. Von Holger Klemm 

Deshalb stellten der Geschichtsverein Buchschlag und die Freunde Sprendlingens den ersten Bürgermeister und seine Verdienste in den Mittelpunkt eines informativen und unterhaltsamen Vortrags am Mittwochabend – angereichert mit Anekdoten zum überaus beliebten Stadtoberhaupt.
Der sehr gut besuchte Abend im Galerieraum der Sprendlinger Stadtbücherei ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts beider Vereine. Die Vorsitzenden Isabel Schilling (Geschichtsverein) und Dr. Wilhelm Ott (Freunde Sprendlingens) sehen in dem Ergebnis eine erfolgreiche Dreieicher Zusammenarbeit. Um das Fazit vorwegzunehmen – Ott spricht am Ende den Satz: „Meine Heimat ist Dreieich“. Darin kann man die Weiterentwicklung des Spruchs „Fünfmal Heimat – ein Dreieich“ sehen, mit dem Meudt und seine CDU in den 80er Jahren erfolgreich Wahlkampf führten.

Und der erste Bürgermeister, der von 1977 bis 1987 im Amt war, legte mit seinen Integrationsmaßnahmen die Grundlagen dafür, dass sich trotz aller Vorbehalte eine Dreieich-Identität bilden konnte. Dabei gehörte auch Meudt anfangs zu den strikten Gegnern des von der SPD/FDP-Landesregierung zwangsweise herbeigeführten Zusammenschlusses von Sprendlingen, Dreieichenhain, Buchschlag, Götzenhain und Offenthal und sprach 1974 angesichts der Alternativen von der Wahl, ob mal „lieber geköpft oder gehenkt werden soll“.

Die Vereine hatten Peter Holle gewinnen können, ehemaliger Redakteur der Frankfurter Rundschau, der das Wirken von Meudt über Jahrzehnte begleitete. „Das waren damals goldene Zeiten für uns Lokalredakteure“, sagt er zu den Querelen, Mauscheleien und Intrigen im Vorfeld der Gebietsreform 1977. Aber manchmal sei es angesichts der Verwicklungen nicht einfach gewesen, den Überblick zu behalten. Weiterer Zeitzeuge ist Klaus Vetzberger, damaliger Erster Stadtrat.

Dr. Dorothee Kaltenbach und Isabel Schilling schildern den Werdegang von Meudt und sein Wirken als erster hauptamtlicher Bürgermeister von Buchschlag, Dr. Wilhelm Ott setzt sich mit der Vorgeschichte der Gebietsreform und der Herkunft des Namens Dreieich auseinander, Holle steuert die turbulente Vorgeschichte der Gebietsreform und Vetzberger persönliche Erlebnisse bei. Bereichert wird das Ganze durch einen Ausschnitt aus einem TV-Interview mit Meudt.

Durch die Ausführungen entsteht das Bild eines ausgleichenden, tatkräftigen, zuverlässigen und humorvollen Stadtoberhaupts „zum Anfassen“, der trotz seiner Parteizugehörigkeit als „Papa Meudt“ über den Dingen zu schweben schien. Immer wieder lassen Anekdoten die Zuhörer schmunzeln. Bei seiner Anhörung 1961 für das Bürgermeisteramt in Buchschlag stellte Meudt angesichts des Verlaufs des Gesprächs, das sich weniger um die fachliche Qualifikation als um Persönliches drehte, die Frage: „Wollen Sie einen Bürgermeister oder Pfarrer?“ Eine Vorliebe von ihm war es, bei einem langen Abend ein Glas hingestellt zu bekommen, in dem sich kein Wasser, sondern Klarer befand.

Vetzberger hatte zwei Anekdoten parat – eine private und eine dienstliche. Mit Meudt ging er einmal in seiner Dreieicher Anfangszeit zum Tennisverein Buchschlag, wo alle den Bürgermeister kannten. Meudt unterhielt sich mit so vielen Leuten, dass Vetzberger kaum ein Wort mit ihm sprechen konnte. Bei der Aufstellung seines ersten Haushalts als Kämmerer befolgte er das übliche Prozedere. „So machen wir das nicht“, beschied ihm der Bürgermeister und zog ihn in ein Gespräch mit den Amtsleitern. Aus dem Ergebnis sollte dann der Haushalt entstehen. Vetzberger erinnerte sich auch an die damalige Hochstimmung in der CDU, die der SPD ihre einstige Hochburg Sprendlingen abnehmen konnte.

Bilder: Rock'n'Roll Days im Bürgerhaus Sprendlingen

„Ich bin ein Profiteur der Gebietsreform“, gab der Zeitzeuge zu. Meudt wollte bei der Besetzung der beiden Hauptamtlichen nicht auf treue Parteisoldaten setzen, sondern holte Leute von außen. Neben Vetzberger war das Dr. Walther Schliepe.

Zum Erfolg von Meudt, der dreimal die absolute Mehrheit für die CDU holte, trugen verschiedene Maßnahmen bei. Er übernahm 1977 das Personal aller fünf Rathäuser und wahrte so den Betriebsfrieden. Zudem betrieb er keine Parteibuchpolitik und beließ auch SPD-Leute in Spitzenpositionen. Hinzu kamen Gesprächstage für die Bürger, Verwaltungsaußenstellen sowie Ortsbeiräte als Stadtteilparlamente.

Ein Beispiel für die Vorgehensweise von Meudt ist der anwesende Gustav Halberstadt. Als SPD-Mann betreute dieser weiterhin die Kultur und arbeitete vertrauensvoll mit dem Bürgermeister zusammen. Überhaupt sind viele im Publikum, die Meudt noch kannten. Nach dem Ende bleibt genügend Zeit, Erinnerungen auszutauschen und auch mit denen ins Gespräch zu kommen, die die damalige Gründungszeit nicht mitbekommen haben.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare