Sie unterrichtete den Bürgermeister

Brunhilde Steitz
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Brunhilde Steitz. ist stolze 90. Jahre alt geworden.

Offenthal -  35 Jahre lang war sie als Lehrerin tätig, zwei Jahrzehnte davon - von 1958 bis 1979 - an der Wingertschule. „Er war ein fleißiger und guter Schüler“, erinnert sich Brunhilde Steitz, die Bürgermeister Dieter Zimmer eingeschult hat, an die schulischen Leistungen des Rathauschefs. Von Enrico Sauda

Heute wird die als Brunhilde Bruscha geborene Jubilarin 90 Jahre alt. Zur Welt kam die Sudetendeutsche in der Nähe von Reichenberg. „Ich stamme aus einer sehr großen Lehrerfamilie und es war von Klein auf mein Wunsch, meinem Vater nachzueifern und Dorfschullehrerin zu werden“, sagt die Frau.

1954 zog sie nach achtjähriger Gefangenschaft nach Langen, wo ihre Mutter wohnte. Sie unterrichtete in der Sprendlinger Schillerschule, später war sie an Grundschulen in Obertshausen und in Dietzenbach tätig. In Obertshausen heiratete sie 1957 auch ihren Mann. Ein Jahr später kam Brunhilde Seitz schließlich an die Wingertschule.

 „Im gewissen Sinn bin ich hier verwurzelt“, sagt das Geburtstagskind, das bis vor kurzem noch Besitzerin von 250 Kakteen war. Inzwischen ist die Sammlung auf 150 Exemplare geschrumpft: „Das strengt im Alter zu sehr an.“ Immer gefallen hat ihr das „Lehrerhaus“ im Rückertsweg, das sie damals bezog und in dem sie übrigens heute noch wohnt: „Dieter Zimmers Großvater ließ es errichten und alle vier Lehrer wohnten hier“, erinnert sich die Altersjubilarin.

Schon drei Bücher veröffentlicht

Aber an einem Mangel an Hobbys und Aktivitäten leidet Brunhilde Steitz wahrlich nicht. So hat sie bereits drei Bücher veröffentlicht, die sie unter ihrem Mädchennamen schreibt. „Als Gefangene in Bautzen, Waldheim, Hoheneck“ lautet der Titel einer ihrer Publikationen.

Ihr Spezialgebiet ist allerdings die nordböhmische Mundart - „Anton, Panton, Strohsaackmoon“ heißt eine Sammlung von Spottversen. Ein unveröffentliches Buch liegt noch in einem ihrer Schubfächer. „Kinder sind unschuldig“ ist eine Dokumentation ihrer Tätigkeit in Offenthal.

Alles war schwer, alles war gut“, sagt Brunhilde Steitz im Rückblick auf ihr Leben. Und einen Tipp hat die Jubilarin, die sehr gern liest, auch noch parat: „Ich habe immer viel Bewegung gehabt und im Garten gearbeitet.“ Darin liege das Geheimnis, geistig und körperlich fit so ein hohes Alter zu erreichen.

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