Auf Haft folgt keine Freiheit

Darmstadt/Offenthal - Auf ganzer Linie bestätigte die zwölfte Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gestern das Urteil im Prozess um Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften. Von S. Gelhausen-Schüßler

Genau wie sein Kollege Jens Aßling vor einem Jahr ordnete auch Richer Dr. Christoph Trapp für den schwer Contergan geschädigten Mann aus Offenthal nach Verbüßung der vierjährigen Haftstrafe die Sicherungsverwahrung an. Nach dem ersten Urteilsspruch war er noch im Gerichtssaal wegen Fluchtgefahr festgenommen worden.

Gegenstand des von der Verteidigung initiierten Revisionsverfahrens ist allein die vor kurzem breit diskutierte Sicherungsverwahrung für Straftäter, die, einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts im Mai 2011 zufolge, völlig neu geregelt wird. Wegen dieser Neuerung und einer nicht ausreichenden Gefährlichkeitsprognose hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf.

Kinderpornografisches Material auf dem Rechner

Verteidiger Jörg Dietrich hatte sich deshalb wohl gute Chancen ausgerechnet, seinem Mandanten die harte Maßregel zu ersparen – immerhin kann man dem bereits vier Mal wegen teils schwerem sexuellen Missbrauch vorbestraften Mann seit 13 Jahren keine „Hand’s on“-Delikte mehr nachweisen. Stattdessen nutzte er die neuen technischen Möglichkeiten, seine Fantasien digital auszuleben: Mindestens 400 .000 Bilder, 5 000 Filme und 38 .000 Textdateien fanden die Polizeibeamten bei der Durchsuchung seiner Wohnung. Der 49-Jährige beteuerte immer wieder, er sei „nur“ an nackt posierenden Mädchen zwischen sechs und acht Jahren interessiert – tatsächlich zeigte das Bildmaterial Kinder aller Altersgruppen in Szenen aller pornografischer Widerwärtigkeiten, die das Internet hergibt. Zur Entscheidung der Kammer führte im Endeffekt nicht dieses Material, sondern eindeutige Hinweise, dass alle Beteuerungen des Angeklagten, sich Kindern nicht mehr zu nähern, reine Schutzbehauptungen waren. Diese Verhaltensmaßregel war immer wieder Thema in zahlreichen Therapien und Bewährungszeiten gewesen – eingehalten hat er sie nie.

Psychologe bestätigt gescheiterte Therapieversuche

Die Beweise dafür sind so vielfältig wie eindeutig: Fotos, die Minderjährige in seiner Badewanne zeigen, Spiel- und Bastelsachen, Vorlesestunden für Kinder in der Bücherei, eine eigene Internetseite und Annäherungsversuche beim sozialen Netzwerk „Wer kennt wen?“– selbst der von der Verteidigung wiederholt als Zeuge bestellte Psychologe Michael Griesemer bestätigt, dass alle Therapieversuche an der mangelnden Motivation des schwer behinderten Offenthalers gescheitert seien.

Auch die Einwände Dietrichs, dass sich der Gesundheitszustand seines 49-Jährigen Mandanten unweigerlich einem Leben im Rollstuhl nähere, konnten den Richter nicht umstimmen. Dr. Trapp: „Er ist nicht in seinen Möglichkeiten eingeschränkt, Sexualkontakte zu Kindern herzustellen. Im Gegenteil, er benutzt sein Aussehen sogar als Vehikel, um an sie heranzukommen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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