Die Post geht bald woanders ab

Ute Lehr schließt ihren Laden in Offenthal

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Bald kein gewohntes Bild mehr. In ein paar Wochen wird Ute Lehr nicht mehr in ihrem Laden stehen und Postgeschäfte erledigen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen nicht mehr, begründet die 47-Jährige die Schließung. Nicht förderlich fürs Geschäft ist auch, dass eine Nachbarin gerne mal bei der Stadt anruft, wenn Kunden nicht ordnungsgemäß parken.

Offenthal - Die gute Nachricht zuerst: Der Schreibwarenladen von Wilhard Kneib in der Ortsmitte wird nicht verwaisen, ein Nachfolger ist gefunden und er steht für einen fliegenden Wechsel bereit. Den will die Deutsche Post mit Blick auf die schlechte Nachricht hinkriegen. Von Frank Mahn 

Denn: Ute Lehr macht ihr Geschäft samt Postfiliale zu. Damit geht in Offenthal auch eine Einzelhandels-Ära zu Ende. 1951 eröffnete Ute Lehrs inzwischen verstorbene Mutter Susi Stelzer in der Eifelstraße ihr Geschäft, verkaufte hauptsächlich Wolle und Waschmittel. Die Tochter stieg ein und betreibt dort seit mittlerweile 15 Jahren auch eine Postfiliale. Aber in knapp drei Monaten ist damit Schluss. Lehr nennt unter anderem wirtschaftliche Gründe für die Entscheidung. Die Vergütung durch die Post sei nicht mehr so lukrativ, sagt die Offenthalerin. „Es tut mir echt leid. Ich bin ja mit dem Laden aufgewachsen und habe sehr gerne Kontakt mit Kunden.“

Die Finanzen sind das eine, ständiger Ärger das andere. Dass eine Nachbarin gerne mal im Rathaus anruft und nach Knöllchen verteilenden Hilfspolizisten verlangt, wenn Kunden vor dem Laden nicht ordnungsgemäß parken, ist fürs Geschäft alles andere als förderlich. Ute Lehr spricht von „massiven Problemen“ und es klingt so, als habe sie das ein bisschen zermürbt. Sie hat jedenfalls aus alldem die Konsequenzen gezogen und sich zum Aufhören entschlossen. Der Vertrag mit der Post ist zum 31. Mai gekündigt. Das Lädchen, in dem es unter anderem Schulartikel, Wolle und Geschenkkarten gibt, wird noch bis in den Juni hinein offen bleiben. Der Ausverkauf ist bereits angelaufen. Leer stehen werden die Räume nicht. Sohnemann Dennis wird sie als Ausstellungsfläche nutzen. Er betreibt eine Schreinerei. Und Ute Lehr? Sie will ihrem Sohn bei der Büroarbeit zur Hand gehen. „Dabei“, sagt sie, „bin ich doch viel lieber Verkäuferin.“

Die Offenthaler werden sich also umgewöhnen müssen, wenn sie demnächst Pakete aufgeben, abholen oder andere Dienstleistungen der Post in Anspruch nehmen wollen. Den Standort stellt der gelbe Riese nicht in Frage. Kann er auch nicht. Bei Städten oder Stadtteilen mit mehr als 2 000 Einwohnern ist die Post gesetzlich verpflichtet, eine Filiale vorzuhalten. Falls niemand gefunden wird, muss sie zur Not selbst einen Laden anmieten. Letzteres ist allerdings nur selten der Fall. „Wir wollen vor Ort präsent bleiben“, betont Postsprecher Stefan Heß. Zurzeit würden Gespräche mit mehreren potenziellen Interessenten geführt. „Wir suchen einen Partner für eine langfristige Zusammenarbeit und wollen einen nahtlosen Übergang hinbekommen.“ Heß ist nach eigenem Bekunden optimistisch, dass bald eine Lösung gefunden wird.

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Womöglich kommen ja die Räumlichkeiten von Schreibwaren Kneib im kleinen Einkaufszentrum an der Borngartenstraße dafür in Frage. Hängt vom neuen Mieter ab. Tatsache ist, dass Wilhard Kneib an diesem Samstag zum letzten Mal hinter der Verkaufstheke steht, Lottoscheine abrechnet und Zeitschriften verkauft. Als unsere Zeitung im Januar über die geplante Schließung berichtete, war noch kein Nachfolger in Sicht. Umso erfreuter ist der 64-Jährige, der sich nach elf Jahren als Einzelhändler in den Ruhestand verabschiedet, über die neueste Entwicklung. Dem Eigentümer der Immobilie ist es gelungen, den Leerstand zu vermeiden. Ein Ehepaar aus Urberach, das Erfahrung als Betreiber eines Kiosks mitbringt, wird das Geschäft übernehmen – mit dem bestehenden Sortiment. Eine „ideale Lösung“, findet Wilhard Kneib. Er wird am Samstag um halb acht zum letzten Mal die Tür aufschließen und bis 13 Uhr Kunden bedienen. Von denen kommen hoffentlich viele, um mit dem angehenden Rentner und seiner Frau Karola noch mal ein Schwätzchen zu halten und mit einem Glas Sekt anzustoßen.

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