Pfotenhilfe für treue Freunde

Verein versorgt Tiere von Obdachlosen in Dreieich

Maria Holzenthal (Zweite von links) ist froh, dass sich das Tierarzt- und Vorstandsteam der Pfotenhilfe für die Tiere von Bedürftigen in Dreieich engagiert. Bei der Premiere am Samstag wurden fünf Patienten behandelt.
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Maria Holzenthal (Zweite von links) ist froh, dass sich das Tierarzt- und Vorstandsteam der Pfotenhilfe für die Tiere von Bedürftigen in Dreieich engagiert. Bei der Premiere am Samstag wurden fünf Patienten behandelt.

Der Verein Pfotenhilfe engagiert sich für die ärztliche Versorgung von Tieren von Obdachlosen. Nun gab es einen ersten Termin in Dreieich.

Dreieich – Dackelrüde Mr. Murphy sitzt zitternd und mit weit aufgerissenen Augen auf dem Behandlungstisch in dem Rettungswagen, der vor dem Sozialkaufhaus der Parität in der Voltastraße in Sprendlingen parkt. Dem zwölf Jahre alten Tier ist nicht ganz geheuer, was da gerade passiert. Aber es lässt sich brav von Tierärztin Dr. Jeannette Pfeffer untersuchen.

Während Mr. Murphys Besitzerin erzählt, dass ihr vierbeiniger Liebling an Weihnachten einen Schwächeanfall hatte und seither deutlich abgenommen hat, holt die Veterinärin schon Kanüle und Spritzen aus einem kleinen Schränkchen, das an der Wand des Fahrzeugs eingebaut ist. Der Dackel bekommt Blut abgenommen und Jeanette Pfeffer saugt mit einer Nadel etwas Gewebe aus einer Geschwulst am Hals. „Das könnte ein Schilddrüsentumor sein“, mutmaßt die Tierärztin. Mr. Murphy bekommt noch ein Hundemäntelchen und ein paar Streicheleinheiten spendiert und wedelt dann auf einem Leckerli kauend schon wieder erleichtert. Seine Besitzerin kann am Dienstag in der Tierarztpraxis von Pfeffer in Groß-Gerau anrufen, um die Ergebnisse der Proben, die bis dahin im Labor untersucht worden sind, zu besprechen.

Der Dackel ist am Samstagnachmittag in Sprendlingen Patient Nummer vier, der in dem Tierarzt-Rettungswagen der Pfotenhilfe für Obdachlose behandelt wird. Zuvor ist schon eine Katze geimpft und entwurmt worden, ein junger Schäferhundrüde bekam seine erste Impfung und bei Mopsdame Ivy diagnostizierte Jeannette Pfeffer den juckenden Ausschlag am Mopsbauch als eine allergische Reaktion – vermutlich auf ihr Futter.

Der Verein Pfotenhilfe für Obdachlose wurde im November 2019 gegründet – mit dem Ziel, Tieren von Wohnungslosen die notwendige tierärztliche Versorgung zu bieten. „Die Tiere sind die dauerhaften Begleiter der Menschen auf der Straße und oftmals der einzige soziale Halt. Sie haben es verdient, dass sie medizinisch versorgt werden, auch wenn ihre Eigentümer es sich nicht leisten können“, sagt Jeannette Pfeffer. Ihr selbst gehe es gut, und sie engagiere sich gerne ehrenamtlich für die Tiere.

„Von der Gesetzgebung her ist es nicht erlaubt, dass Tierärzte kostenlos behandeln. Da muss ein Verein dahinter stehen“, erläutert Frank Mörtel, Vorsitzender der Pfotenhilfe. Es gingen etliche Monate ins Land, bis alle bürokratischen Voraussetzungen der Vereinsgründung erfüllt waren. Aber jetzt können die drei im Verein engagierten Tierärzte und Tierarzthelferin Manuela Mörtel, die die Ideengeberin für das Projekt war, mit ihrem mobilen Rettungswagen starten. So ist die Station am Samstag in Sprendlingen der erste Termin, bei dem Menschen in Not mit ihren Tieren zu den mobilen Tierärzten kommen konnten.

Maria Holzenthal, Leiterin der Sozialberatung Dreieich und selbst eine große Tierfreundin, hat den Kontakt zu ihrer Tierärztin Jeannette Pfeffer hergestellt. „Wir haben hier in der Voltastraße einige wohnungslose Besucher, die Tiere haben und regelmäßig zu uns kommen“, kennt Holzenthal damit auch die Not der Besitzer, die nicht in der Lage sind, teure Tierarztrechnungen zu bezahlen. Auch Menschen, die Hartz IV erhalten und den Nachweis mitbringen, können ihre Tiere von den Ärzten der Pfotenhilfe versorgen lassen.

Künftig soll der Tierarzt-Rettungswagen zur festen Einrichtung in Sprendlingen werden: Die Tierärzte werden zwei Mal im Monat samstags vor dem Sozialkaufhaus Station machen. So ist eine fortlaufende Behandlung der Tiere gewährleistet. Jeannette Pfeffer kann damit auch den Gesundheitszustand von Mr. Murphy beobachten. Sollte einmal eine Operation bei einem der Tiere nötig werden, kann die Pfotenhilfe den Krankentransport in die Praxis nach Groß-Gerau organisieren. Geldspenden für die Pfotenhilfe und Sachspenden für die Tiere (Körbchen, Spielzeug, Mäntel, Futter) werden gerne angenommen. (Von Nicole Jost)

Infos im Internet

pfotenhilfefuerobdachlose.de

Tierärztin Jeannette Pfeffer (links) und Tierarzthelferin Nadja Abu-Izmero untersuchen Mopsdame Ivy.

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