Historischer Streifzug

In vergangene Zeiten eintauchen

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Es sind wahre fotografische Schätze, die Volkmar Gerhardt und Ottmar Günther für ihren Bildband „Die fünf Stadtteile in der Vergangenheit“ gehoben haben. Das Foto zeigt einen Frühschoppen im Dreieichenhainer Kronegarten Mitte der 20er Jahre.

Dreieich -  Bücher über Buchschlag, Sprendlingen, Dreieichenhain, Götzenhain und Offenthal gibt es einige. Doch der in diesen Tagen erscheinende Bildband von Volkmar Gerhardt und Ottmar Günther ist etwas ganz Besonderes. Von Holger Klemm 

Mit zahlreichen, zum Teil bislang unveröffentlichten Bildern begeben sich die Autoren auf einen lohnenswerten historischen Streifzug durch alle Stadtteile. Das Buch „Die fünf Dreieicher Stadtteile in der Vergangenheit“ sollte eigentlich 2017 zum 40. Geburtstag von Dreieich erscheinen. „Doch wir haben den Aufwand unterschätzt“, gibt Günther zu. So galt es nicht nur, sich auf die Suche nach geeigneten Bildern zu begeben, sondern diese auch richtig zuzuordnen. Die Arbeit hat sich gelohnt. Gerhardt und Günther können auf das Ergebnis stolz sein.

Beiden „Sprendlinger Buben“, Jahrgang 1947 und 1952, lag es am Herzen, sich ausgehend vom Stadtjubiläum näher mit der Geschichte der Stadtteile zu beschäftigen. Möglich wurde dies nicht zuletzt durch die große Unterstützung vonseiten der Dreieicher. Nach einem Aufruf in der Offenbach-Post im vergangenen Jahr öffneten viele ihre privaten Alben und boten Bilder an. „Überall trafen wir auf offene Ohren“, freuen sich Gerhardt und Günther. Es sei äußerst spannend gewesen, in eine „teilweise andere Welt einzutauchen und Zeugnisse längst vergangener Tage ans Licht zu holen“. Am Ende fiel es schwer, aus dem umfangreichen Material die richtige Auswahl zu treffen. Auf jeder der 180 Seiten verteilen sich in der Regel zwei bis drei Fotos.

Ziel war es nicht, textmäßig die Historie aufzuarbeiten. Dies hätten Heimatforscher und Vereine längst getan. Die Autoren wollten vor allem noch nicht veröffentlichtes Material präsentieren. Die frühesten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1850, die jüngsten auf den 50ern und 60ern, wenige aus späteren Jahren.

Der Text zu jedem Stadtteil beschränkt sich jeweils auf eine Seite. Zum Auftakt eines jeden Kapitels gibt es Luftaufnahmen und Straßenbilder, um dann alte Zeiten lebendig werden zu lassen. So gibt es Fotos von Vereinen, Feuerwehren, Jahrgängen, Konfirmationen, Kerbborschen Schulklassen, Umzügen oder in Gaststätten. Abgerundet werden die Kapitel durch Ansichtskarten. Viele Gebäude oder Gaststätten existieren längst nicht mehr – wie das 1968 abgebrannte Buchschlager Rathaus, die Holzmanngrube bei Buchschlag oder die Theisenmühle in Sprendlingen. Zu Sprendlingen finden sich nicht nur Fotos von Pflasterern und Straßenbauern, die den Ort einst prägen, sondern auch von Landwirten und Fabrikarbeiten. Stolz sind die beiden, seltene Einblicke in die Werkshallen der früheren Zahnfabrik bieten zu können.

In der Mariahallstraße in Sprendlingen entstand diese undatierte Aufnahme. Doch nicht nur bäuerliches Leben taucht in dem Buch auf. Es gibt auch Einblicke in längst verschwundene Fabriken.

Zu Dreieichenhain dürfen alte Fotos der Burgruine (unter anderem aus dem Jahr 1870) oder von Straßenzügen mit ihren Fachwerkhäuser nicht fehlen. Natürlich hat der Auto- und Motorradfan Günther es sich nicht nehmen lassen, Fotos von Zwei- und Vierrädern in den Band zu schmuggeln – zu Dreieichenhain Bilder des Zweiradgeschäfts Möck. Eine besonders schöne Aufnahme im Götzenhainer Kapitel ist die vom Inneren des Geschäfts Jost in der Kreuzstraße mit seiner Warenvielfalt. Familien sind bei der Feldarbeit zu sehen, und Blauhelme, die 1929 das 25-jährige Bestehen der Götzenhainer Wehr gefeiert hat. Davon heben sich die Fotos des Gesangtrios 3 Mingos aus den Jahren 1958 und 1963 ab.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Dreieich

Schwerer war es, Aufnahmen aus Offenthal zu finden. Doch auch da haben die Autoren Schätze gehoben – wie das Foto des Tanzsaals der Gastwirtschaft Jost, das der Open-Air-Kegelbahn der Gastwirtschaft „Zum Isenburger Hof“ oder vom Bau der Eisenbahnbrücke.

„Im Nachhinein bleibt uns zu sagen, wir leben in einer wunderschönen Landschaft mit all ihren Facetten, in eben ‘unserer Heimat’“, schreiben die Autoren in ihrem Nachwort. Dreieich ist für beide eine lebenswerte Stadt, die nichts an Attraktivität eingebüßt hat.

Das Buch ist in einer Auflage von 150 Exemplaren erschienen. Zu haben ist es bei Volkmar Gerhardt (Tel.: 06103/62101) oder Ottmar Günther (Tel.: 0160 93231418, ottmar.guenther@gmx.de).

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